1858_Gutzkow_031_775.txt

hatten ...

Die Nacht war herniedergestiegen ... Millionen Sterne funkelten am dunkeln Himmel ... Auf der Altane, auf die man nach dem Souper, dem sogar Champagner nicht fehlte, zurückkehrte, brannte eine Lampe ... drei so traulich Verbundene sassen unter dem Duft der Blumen und in dem ganzen Zauber südlicher natur, der sich selbst beim nächtlichen Gewirr der Städte nicht verliert ... Glocken läuteten; die Luft, die nach dem Untergang der Sonne anfangs kühl geweht, hatte wieder ihre alte Weiche gewonnen; die Lampe warf geheimnissvolle Reflexe in das tiefdunkle Grün der hohen Zierpflanzen und zog schwirrende kleine Käfer an, die in ihr eine lichtere Schlummerstätte zu finden glaubten, als die Orangen- und Granatenblüten, in deren Kelchen sie schon gebettet lagen ... So erliegen wir den Ausstrahlungen höherer Ziele, die ein Gesetz unserer schwachen, dem Irrtum unterworfenen natur rastlos uns auch dann noch suchen lässt, wenn wir uns schon längst hätten genügen sollen ...

Benno und die Mutter knüpften an die frühere, von Tiebold unterbrochene Stimmung an ... Tiebold konnte nun selbst das sagen, was eben Benno als seine hülfe in der möglicherweise verhängnissvollen Wiederbegegnung mit Olympien hatte berichten wollen ...

JaArmgart –! seufzte Tiebold ... Wir lieben ein und dasselbe Mädchen, Hoheit, und längst hab' ich entsagt zu Gunsten meines Freundes. Ich beanspruche nur noch bei ihm Patenstelle ... Seine Grossmut lehnt nun freilich mein Opfer ab und darin hat er Recht: Der Gegenstand unserer Liebe neckte einen mit dem andern ... Diese Cigarrentasche, die von ihr istsehen Sie, Hoheit, diese somangelhafte Arbeitdeutet auf eine Berechtigung, das Andenken der Geliebten gleichsam zur Lebensgefährtin machen zu dürfen, während mein Freund einen Aschenbecher erhielt, ein Mobiliar, das sich nur in den vier Wänden benutzen lässt ... Er vergass es in Robillanteich hab's mitgebracht, lieber Freund – ... Andererseits könnte damit freilich das Princip der Häuslichkeit angedeutet sein ... Genug – "sei dem, wie ihm wolle" und wie sehr wir besorgen müssen, dass eine raffinirte natur wie die des Ex-Paters Stanislaus mit hülfe der so fanatisch lichtfreundlichen älteren uns beide aus dem feld schlägt, ich habe meinem Freund als einzigen Ausweg aus dem Labyrint seiner möglichen Verirrungen mit Fürstin Rucca den Ariadnefaden meiner eigenen Liebe zu ihr vorgeschlagen ...

Die Herzogin begriff nicht ...

Altezza! Ich kenne überraschende Wirkungen der blonden Haare in Italien! unterbrach Tiebold Benno's Erläuterung ... Ich habe haarsträubende Erfolge erlebt! Ich werde noch mehr gewinnen, wenn ich Fortschritte in dieser verdammtengöttlichen Sprache mache, die mich beschämend genug an mein altes LateinSecundaerinnert ... Ich liebe die Fürstin Rucca bereits bis zur Narrheit! Ich werde Benno's Erfolge paralysiren ...

Die Herzogin fragte nach dem Sinn dieser Worte und fixirte den Sohn, den Tiebold nicht aufkommen liess ...

Es ist dies: Ich, ich liebe Gräfin Olympia Maldachini bereits aus dem Garten von Schönbrunn, schon aus der Menagerie im Prater ... Die Erzählungen über sie wirkten so auf mich, dass ihr die Wahl zwischen mir und Benno unmöglich werden soll ... Schon vor fünf Tagen sollt' ich im Palazzo Rucca meine Karte und einen Empfehlungsbrief von Benno an den jungen Elefantenkämpfer abgegeben haben ... Nun ist es später geworden und der Fürst ist auf dem land ... Ich reise morgen in erster Frühe nach Villa Torresani, auch nach Villa Tibur, wo Lucinde wohnt, im Widerspruch mit allen, die sie verdammen, bekanntlich eine leidenschaftliche Neigung von mir ... Scherz bei Seite, Hoheit, die Schilderung der Persönlichkeit der Fürstin Olympia hat mehr, als meine Neugier erregt. Grüner Teint, blaue Haare, Wuchs bis Benno's Tailleich werde Lucinden sofort Erklärungen machen und um die Vermittelung meiner Wünsche bitten. Ich mag diese kleinen Figuren! Armgart ist auch nicht gross. Ich werde der Fürstin zeigen, was bei uns in Deutschland schwärmen heisst. Weiss ich dann auch, dass mich die spätere Ankunft Benno's, die ich in Aussicht stelle, aus dem Sattel heben wird, so werde' ich doch sein Schicksal so lange durchkreuzen, aufhalten und nur über meine Leiche hinweg ihn zum Sieger über diese gebietende Göttin des Kirchenstaates werden lassen, dass darüber das Schicksal der Gebrüder Bandiera sich entschieden haben dürfte ... Ich weiss nicht, ob ich deutlich gewesen bin, Hoheit? ...

Die Mutter begriff halb und halb und sah lachend auf Benno, der eine abwehrende Miene machte ...

O, fuhr Tiebold auf, ich weiss durchaus nicht, ob es nach genommener Verabredung ist, dass mich mein Freund Asselyn hier in unserm Plan durch ein ironisches Lächeln unterstützt! ... In Robillante waren wir einig: Wir wagen uns beide in die Höhle des Löwen! Wir bitten die Herzogin von Amarillas um ihre Protection! Wir unterwerfen uns Sr. Eminenz dem Cardinal Ceccone in gebührender Demut! Wir lassen in dieser grossen, vornehmen Welt, in der Sie leben, gnädigste Frau Herzogin, unser Licht leuchten so gut es geht und sollte mir mein Freund Asselyn wirklich von jenem grünen Teint und jenen blauen Haaren in Gefahr für seine Tugend geraten, so verderb' ich ihm jedes Rendezvous und setze das so lange fort, bis Rom