Bekanntschaft dieses närrischen Menschen gemacht hat, sprach er, als er meinen Kampf und die Furcht sah, mich nach Rom zu begeben: Bester Freund – – ...
Noch hatte Benno das Lieblingswort Tiebold's: "Ich kann mich vollkommen auf Ihren Standpunkt versetzen" nicht ausgesprochen, als es draussen heftig klingelte ...
Wer stört uns! rief die Herzogin, stand auf und wollte Befehle geben, die sie für niemand anwesend sein liessen ...
Schon aber klingelte es zum zweiten mal ...
Mutter, sagte Benno, das kann nur mein stürmischer Freund sein! An dieser kurzen Pause zwischen dem ersten und zweiten Klingeln erkenn' ich Tiebold ... Gegen alle Verabredung hat er sich verspätet ... Ich ging zu Land, er den kurzen Weg über Genua zu wasser – ...
Man hörte die laute stimme eines radebrechenden Fremden, der nach "Ihrer Hoheit der Herzogin von Amarillas" verlangte ...
Er ist es! sagte Benno ... Ich bin wenigstens froh, dass er noch am Leben ist! ...
Die Mutter wusste, dass der alte Marco die Gewohnheit hatte, vertraute gespräche seiner Gebieterin nicht zu unterbrechen ... Sie wusste, dass er solche Störungen mit völlig unklarem Bewusstsein, ob Altezza zu haus wäre oder nicht, zu beantworten pflegte ... So kam er auch jetzt mit einer fragenden Miene ... Aber kaum sah er: Willkommen! im Antlitz seiner Gebieterin, so war er auch schon wieder draussen und mit den heitersten Scherzen hörbar ... Die gute Laune kam wieder, da er sah, es fing um seine Gebieterin an lebhafter zu werden ...
Tiebold de Jonge trat ein ...
Er sah aus wie ein Räuberhauptmann ... Nur mit dem Unterschied, dass dieser einmal gelegentlich, etwa zum Behuf einer ihm von Aerzten vorgeschriebenen Badereise, eine elegantere Toilette gemacht hat ... Sonst konnte er von seiner "Verwilderung kein Hehl machen" ... Die Gesichtsfarbe war braun "wie ein kupferner Kessel" ... Sein Bart wie die Mähne eines Löwen ... Sonst trug er sich vom Kopf bis zum Fuss in Nankingstoffen ... Auf dem weissausgelegten Hemd von bielefelder Leinwand blitzte eine Brustnadel von Diamanten, die abends jedem Räuber eine Aufforderung zu einem kühnen Griff erscheinen durfte ... Weste, Pantalons, gefirnisste Stiefel, alles war von jener Fashion, die dem Modejournal und den heimatlichen Gewohnheiten entsprach ... Mindestens glich er bei alledem doch einem "Schiffscapitän, der zweimal die Linie passirte" ... Mit einem Gemisch von Worten, das wahrscheinlich bedeutete: "Ich muss tausendmal um Entschuldigung bitten, Frau Herzogin!"
kam er über die Schwelle des Salons gestolpert ... "Noch taumelte das kaum verlassene Schiff mit ihm" ... An seinem Strohhut, den er, wie er Benno zuraunte, "in erster Verlegenheit" zerdrückte, flatterten zwei rote Bänder, wie am Hut eines Matrosen ... Seine Corpulenz hatte zugenommen ... Bei alledem war er anziehend und für Italien als Blondin doppelt interessant ...
Seinen Freund Benno noch in der Hauptsache ignorirend, radebreche er, immer zur Herzogin gewandt, dass er eben angekommen wäre und seinen Freund aufgesucht und dessen Spur bei Piazza Sciarra und endlich auf dem Monte Pincio aufgefunden hätte ... Bitte, Hoheit, ich bin nur da, um ihm meine Adresse, die auf ein vis à vis seiner wohnung lautet, zu bringen oder etwa eine Verabredung für morgen zu treffen oder falls Hoheit heute Abend noch Befehle hätten, sie auszuführen – Ich werde überhaupt in Rom lieber Eurer Hoheit, als einem Menschen folgen, der mir den Weg über Genua angeraten hatte, ohne zu wissen, dass die Dampfschiffe von Genua nicht auf Passagiere warten, die sich von wunderbaren Kaffeehäusern und Hotels in Nizza und Genua nicht gut trennen können ... So bin ich aus Zerstreuung in Genua sitzen geblieben und wider Verabredung um fünf Tage zu spät gekommen, hoffe indessen, dass der von meinem Freunde beabsichtigte Feldzug auch ohne die Tranchéen, die ich – ...
Dies schwierige Bild aus der Kriegstaktik auszuführen scheiterte nicht gerade an Tiebold's Sprachkenntnissen, wohl aber an seinem Gedächtniss ... Er hatte seine Rede italienisch gehalten und auswendig gelernt ... Die Ehren, die er der Herzogin liess, waren ungefähr die, die er etwa in Deutschland einer regierenden Landesmutter von Braunschweig oder Nassau hätte erweisen müssen ...
Die Herzogin reichte dem närrischen Signore Tebaldo die Hand und bat ihn, sogleich zum Souper zu bleiben ... Sie klingelte, liess ihr kleines Mahl anrichten, trat am Arm Tebaldo's in ein Esszimmer, wo die kleine Tafel sinnig geordnet war, und fand sich in ihn so gut, als hätte sie ihn seit Jahren gekannt ... Das Gefühl, in ihm einen Mitwisser des Geheimnisses zwischen ihr und Benno zu sehen, durfte sie nicht stören; Signore Tebaldo war nur durch die ihm nicht geläufige Sprache und die Anwesenheit der Diener verhindert, sofort jeden "Zwang als bei ihm völlig überflüssig" zu bezeichnen und die "Sachlage" und die "vollendete Tatsache" und überhaupt alles auf "seine natürlichen Voraussetzungen zurückzuführen" ... Sein Sprachgemisch, zu dem sich als letzte Aushülfe Französisch gesellte, sein Benehmen gegen Benno, die Art, wie er die Terrasse "himmlisch" und "stellenweise die