1858_Gutzkow_031_772.txt

Raum der Altane war zu eng für das mächtige Ausschreiten seines Fusses ...

Ist es denn aber auch gewiss, fragte die Mutter leise, gewiss, dass diese Invasion bevorsteht? ...

Die Küste der Adria ist reif zum Aufstand! flüsterte Benno ... Die Zollbedrückungen Rucca's sollen unerträglich sein ... Die achtbarsten Kaufleute arbeiten der Insurrection in die hände ... Und hier in Rom

zwölf Logen gibt es hier! ... fiel die Mutter ein ...

Benno schwieg ... Er schien mehr zu wissen, als er sagte ...

Die Brüder Bandiera, fuhr die Mutter fort, sind, wenn ihr Beginnen scheitert und sie nicht fallen oder entfliehen können, nicht anders vorm tod zu retten, als durch Olympia ... Ich weiss es, selbst die Hand des Heiligen Vaters scheut das Blut der Rache nicht mehr für die, die die dreifache Krone antastenAuch das zweischneidige Schwert Petri ist gezücktLass alles! Geh' zu dem jungen Rucca! Verständige dich mit deinen wiener FreundenAuch mit Lucinden! Kenne mich nicht mehr in Rom! ... Ich verlange es! ...

Benno stand, immer in dumpfes Brüten verloren ...

Ich verlange es! wiederholte die Mutter ... Weiss ich dich nur in meiner Nähe! Kann ich deine Stirn nur zuweilen küssen! ... Lass mich, mein SohnDu fühlst wie ein Sohn meines Landes! Das macht mich allein schon glücklich! BennoSoll ich so dich nicht lieber nennennicht Cäsar? ... Wage du dich nicht selbst an Dinge, die mich um das Glück deiner Liebe bringen müssen ... Oderdoch? ... Tu, wie du musst! Nur geh' morgen zum jungen Rucca, den duin Wien vorm tod durch einen Elefanten rettetest ... Dein Name, dein Anblick wird Wunder wirken ... Ich kenne Olympiens verzehrende sehnsucht ...

Nach den Begriffen des italienischen volkes ist Grösse der Empfindung mit List vollkommen vereinbar ... Wie ihr mir, so ich euch! lautet die Moral des Südens ... Die Herzogin schilderte die Lächerlichkeit des jungen Ercolano Rucca, sein Prahlen mit jenem Angriff eines Elefanten auf ihn, die sehnsucht, die er noch immer nach dem Bestätiger seines Mutes ausspräche, seine Sorglosigkeit Olympien gegenüber, die bald über sie gekommene Langeweile, die sie vorläufig im Gebirge in Reformen der Ackerwirtschaft austobe ... Zwar wäre sie auf die Grille gekommen, den ehemaligen Pater Vincente, von dem ich dir in Wien schon erzählte, sagte sie; zum Cardinal zu erheben und ihn jetzt wie ihre Puppe zu behandeln, die sie schmückt ... Aber dein erster Gruss löscht alle diese Flammen aus – ...

Im Lauf der sich überstürzenden Schmeichel- und Ermutigungsreden der Mutter bemerkte Benno:

Von diesem Vincente Ambrosi hab' ich in Robillante seltsame Dinge gehört ... Jener Eremit von Castellungo bekannte sich zu den Lehren der Waldenser, die das erste apostolische Christentum besitzen wollen ... Eine zahlreiche Gemeinde bildete sich ... Zu ihr gehörte ein junger Zögling des Collegs von Robillante, der sich zum Priester bilden wollte. Die Lehren des Eremiten zogen ihn an ... Oft soll er Tage und Nächte bei ihm im wald zugebracht haben. Die gesetz verbieten aufs strengste den Uebertritt zu den Waldensern. Eines tages verschwand der junge Ambrosi und war Franciscaner geworden ... Man schickte ihn zu seiner weitern Ausbildung nach Rom. Seine dortigen Schicksale erzähltest du ... Ueberraschend ist es, dass mancher in Robillante glaubt, er hätte sich durch sein Buss- und Leidensleben nur einem von jenem Eremiten ihm erteilten Auftrag unterzogen und stünde noch jetzt mit ihm in Verbindung ...

Die Herzogin hörte nichts mehr ... Sie war zu erfüllt von der einzigen notwendigkeit, dass Benno zu Olympien müsste ... Sie blieb bei ihrem Wort:

Olympia lässt von allen, wenn du erscheinst! ... Du bleibst der Sieger! ...

Wenn sich Benno im Lauf dieser Ermunterungen und Versicherungen allmählich scheinbar für überwunden erklärte, ja sogar dem Ernst seiner Mienen einige Streiflichter des Scherzes folgen liess, so war ein Gedankengang daran schuld, den die Mutter nicht sofort verstehen konnte ... Er sagte, mit dem Kopf nikkend:

Bin ich nicht glücklich? ... Ich habe eine Mutter, die mich verzieht und mir gegen alles Verdienst schmeichelt; einen Bruder, der mir bei Torlonia einen Creditbrief offen hält, von dem ich dir die Pension Ceccone's verdoppeln zu können hoffe; einen Oheim, der mich und Bonaventura zu seinen Erben macht, wenn auch Frau von Gülpen bis an ihr Lebensende, die Nutzniessung seines Vermögens behält; dann hab' ich in meinem jungen Leben schon vier wahre Freunde gefunden, Bonaventura, Tiebold, Attilio, Aemilio ... Nun höre noch dies, Mutter! Ich wollte nicht übermütig sein ... Ich wollte mich in die Strudel des Wiedersehens der jungen Fürstin mit Vorsicht wagen ... Hatten wir Stunden der Trauer zu erwarten, mein Freund Tiebold de Jonge sollte uns Erheiterung bringen ... Das Idol seines Herzensschon einmal hat er es mir geopfert ... Und auch jetzt wollte er meinem Gewissen einen tapfern Beistand leisten ... Mit einer Gemütsruhe, die nur verständlich ist, wenn man die persönliche