so hastiger, völlig unüberlegter Eile hat mich die Freundschaft für die Brüder Bandiera hergeführt ... Nachdem ich Malta verlassen, blieben sie mit mir im Briefwechsel ... Ich kann sagen, es sind die ersten Männer, die mir im Leben nächst meinem Freund Bonaventura imponirten. Selbst wo ich ihre Ansichten verwerfen muss, rühren sie mich. Ich ordnete mich ihnen schon in Sicilien unter ... Ich möchte diese herrlichen Jünglinge ebenso meinem Leben, wie dem Leben der Menschheit erhalten; ich möchte sie dem Vater, der Mutter erhalten, ihnen, die zwar äusserlich tief gebeugt und voll Demut an den Ufern der Lagunen wandeln, innerlich aber doch ihren Stolz auf "die Knaben" behalten haben – ... Mein Gott! Die Stunden der armen Unglücklichen sind gezählt – ...
Wie? Warum? ... rief die Mutter ...
In wenig Wochen vielleicht schon – flüsterte Benno ...
Ein Aufstand?! fuhr die Mutter empor und hielt Benno's Hand mit ihrer eigenen krampfhaft ausgestreckten Rechten ...
Ein umfassend vorbereiteter! sprach Benno leise ... Es gilt Rom selbst! Der herrschaft Ceccone's! Der Einschränkung dieses freiheitsfeindlichen Papstes ... Man erwartet Mazzini in Genua, Romarino in Sardinien, erwartet einen Aufstand in Sicilien ... Die Brüder Bandiera sind von Malta aufgebrochen ... Sie liessen zweifelhaft, wohin sie gingen ... Einige ihrer Freunde waren weniger gewissenhaft ... Sie dirigirten Flüchtlinge, die über die Alpen aus der Schweiz kamen, nach Robillante ... Unter mancherlei Gestalten, als Pilger, als Mönche reisen sie vorzugsweise nach der adriatischen Küste der Romagna ... Dort, bei Porto d'Ascoli, dort, wo seltsamerweise jener Pilger und der deutsche Mönch verschwunden sind, soll alles vorbereitet sein zu einem Handstreich ... Die Brüder Bandiera werden eine Landung befehligen ... Ancona, Ravenna, Bologna werden von den Verschworenen an einem und demselben Tage überfallen werden ... Der Erfolg kann meiner überzeugung nach kein glücklicher sein ...
Warum nicht? rief die Mutter.
Die Brüder werden in die Hand Ceccone's fallen ....
Nimmermehr! ...
Sie werden das Schaffot besteigen ... Die Führer all dieser Aufstände des "Jungen Italien" sollen, das ist die gemeinschaftliche Verabredung der beteiligten Cabinete, auch des Cabinets der gekreuzten Himmelsschlüssel, den Tod durch Henkershand erleiden ...
Jesu Maria! rief die Mutter ...
Ich sehe diese edlen Jünglinge das Schaffot besteigen! ... Das ist die Angst, die mich nach Rom geführt hat ...
Die Mutter stürzte an den Hals ihres Sohnes ...
Nun hatte sie die Ursache, warum Benno wünschte, sie wäre bei Olympien und – Olympia begrüsste ihn noch mit ihrer frühern Neigung ...
Benno hatte gehofft, so den Brüdern Bandiera das Leben retten zu können ...
Marco! Einen Augenblick! Lass doch! Lass doch! rief die Mutter in den Salon und warf die Glastür zu ...
Als sie mit Benno auf der Altane abgeschlossen war, warf sie sich ihm wiederum mit Ungestüm an die Brust ...
Ich Olympien zürnen! sprach sie. Nimmermehr! Wenn du ihrer bedarfst, so hab' ich nichts von ihr erduldet! Lass sie mich mit Füssen getreten haben – wenn sie dich nur liebt, wenn sie deinen Wünschen nur Erhörung gibt – Jesu Maria, nur diese Söhne Italiens vor dem Henkersschwert bewahrt ...
Benno stand gedankenverloren ...
Die Mutter fuhr fort:
Ich weiss es, Ceccone brütet furchtbare Dinge ... Er muss es tun ... Fefelotti, das Al Gesù, der Staatskanzler, seine eigene Liebe zur Macht treiben ihn dazu ... Aber – sei ruhig, mein Sohn! ... Lass Olympien in deinen Armen ruhen! Lass sie die hände zu deinem stolzen Nacken erheben ... O sie sind zart, diese hände ... Sie mordeten – nur Lämmer ... Olympia ist ein Kind! Noch jetzt! Noch jetzt! ... Vielleicht, dass du, du sie zum Guten erziehst! Vielleicht, dass du mit deinem Liebeskuss das Eis ihres Herzens auftaust! ... Sie kann schön sein, wenn sie liebt! sagt' ich dir schon in Wien ... Sie kann vielleicht auch gut sein, wenn sie liebt! ... Mein Sohn, habe Mut, vertraue! Wir Frauen sind alles, was ihr aus uns macht! ... Fliege hin zu ihr, höre das Jauchzen ihrer gestillten sehnsucht, fühle die Glut ihrer Zärtlichkeit, sei, sei, was sie will –! ...
Es ist zu spät –! erwiderte Benno ...
Um meinetwillen zu spät? fuhr die Mutter fort und raunte ihm ins Ohr: Ich beschwöre dich ... Ich habe dich hier nie als einen Rächer für mich erwartet ... Pah! Attilio Bandiera hat Recht: Was sind unsere Personen! ... Das Vaterland ist die Losung ... Sollen diese Jünglinge, deine Freunde, die Hoffnungen Italiens verderben –? ... Nimmermehr! ... Ein Kuss von deinem mund und Olympia zerreisst alle Todesurteile! ...
Benno strich sich das Haar in wildester Erregung ... Seine Augen glühten ... Seine Brust hob sich ... Der