fragte nach dem Resultat ... Sie sehen es, sagten beide zu gleicher Zeit und zu gleicher Zeit füllten sich beider Augen mit Tränen ... Abwechselnd, wie nach Verabredung und doch nur infolge ihrer guten Erziehung und brüderlichen Eintracht, sprach immer der eine und dann erst der andere. Ihr Gemüt schien ein einziges Uhrwerk zu sein. Was auf dem Zifferblatt der eine zeigte, schlug mit dem Glockenhammer der andere ... Sie erzählten, dass sie wohl gewusst hätten, welchen Kummer sie dem Vater und der Mutter bereiteten und wie sie des erstern ehrenvolle Laufbahn unterbrächen. Sie hätten aber schon lange keinen freien Willen mehr. Einmal eingereiht in den Bund des "Jungen Italien" müssten sie vollziehen, was ihnen befohlen würde. Die Befehle kämen von London, Malta und Korfu. Nur durch diese blinde Unterwerfung und gänzliche Gefangengabe seiner eigenen Persönlichkeit könnte eine grosse Zukunft erzielt werden. Italien müsste frei von den Fremden, frei von seinen eigenen Unterdrückern, müsste einig werden und eine grosse unteilbare Republik. Ich mochte, weil dieser Wahn zu eingewurzelt schien, ihn nicht bekämpfen ...
Wahn? unterbrach die Mutter. Glaubst du, dass diese Ceccones, diese Fefelottis so zittern würden, wenn sie solche Hoffnungen für Wahn hielten? ... Alle Cabinete Italiens fürchten sich vor diesen beiden Jünglingen ...
Die Republik, sagte Benno, ist nur möglich für Völker, die in dieser Staatsform eine Erleichterung für ihre übrige tägliche sorge, für eine vom Gewinn oder von der Furcht gestachelte einzelne Haupttätigkeit ihres geselligen Verbandes finden. Sie ist möglich bei einem Volk, das in der Lage ist, sich täglich verteidigen zu müssen, wie die Republiken Griechenlands; sie ist bei leidenschaftlichen und den Erwerb liebenden Ackerbauern, wie in der Schweiz, bei leidenschaftlichen Industriellen, wie in den Niederlanden und in England, bei Handeltreibenden, wie in Holland und Amerika möglich. Jede Nation aber, die sich Zeit zum Träumen lassen darf, die nichts erzielt, nichts hervorbringt, Nationen, wie sie Südamerika, Spanien, Italien, selbst Deutschland bietet, sind unfähig zur Republik ...
Die Herzogin erwiderte:
Der Italiener liebt den Gewinn mehr, wie Einer ...
Italien sind nicht die Gastwirte! entgegnete Benno und wollte dem Tema ausweichen ...
Die Mutter aber hielt es fest und sah in Italien die Republik unter dem Schutz eines verbesserten Papsttums wieder aufblühen ... Rom beherrscht noch einmal die Welt! sagte sie. Das erhöhte, zur wahren Capitale der Christenheit erhobene Rom! ...
Mit oder ohne Jesuiten? ... fragte Benno ironisch ...
Ein spanischer Jesuit lehrte, es sei erlaubt, Tyrannen zu morden ...
Ketzerische Tyrannen! ...
Marco hatte sein Souper beendigt, hatte sich in seinen schwarzen Frack geworfen und ging lächelnd und schmunzelnd wie ein alter Hausfreund drinnen im Salon auf und ab ...
Mutter und Sohn mussten schweigen, weil der Alte näher kam, auf die Blumenterrasse durch die halbgeöffnete Tür blickte und fragte:
Altezza werden nicht mehr auf den Corso fahren –?
Marco tat, als wäre es ganz in der Ordnung, wenn man hier jeden Abend ein gewähltes Souper fand ...
Hier ist unser Corso –! sagte die Mutter ...
So will ich die Pferde ausspannen lassen ... blinzelte Marco und ging ...
Die Pferde waren gar nicht angespannt gewesen ... Ein Mietkutscher in der Nähe lieferte sie nach Bestellung ... Wurden sie nicht bestellt, so war es eine kleine Ersparniss ...
Benno, der diese kleinen Manöver, die Marco machte, um die Armut seiner Gebieterin zu verbergen, mit Rührung bemerkt hatte, lenkte, da die Herzogin den Nachtimbiss noch etwas verschieben zu wollen Marco nachgerufen hatte, wieder auf seine Erzählung ein ... Er schilderte den Eindruck, den ihm die Brüder Bandiera gemacht hätten, als einen so nachhaltigen, dass er seit jenem Besuch des Kriegsschiffs in den Interessen dieser jungen Männer wie in denen seiner ältesten Freunde lebte ... Ich habe, sagte er, an jungen Bekannten Deutschlands die gleichen Stimmungen und Ueberzeugungen oft bespöttelt und ihnen keine Lebensfähigkeit zugestanden; aber selten auch fand ich einen idealen Sinn in solcher Reinheit, eine dem Unmöglichen zugewandte überzeugung so fest und als selbstverständlich aufrecht erhalten. Diese Brüder hatten sich ebenso zu Kriegern wie zu Gelehrten gebildet. Sie sprachen von den Wurfgeschossen bei Belagerungen mit derselben Sachkenntniss wie von Gioberti's Philosophie. Sie hatten Ugo Foscolo, Leopardi, Silvio Pellico, alles, was die Censur in Oesterreich verbietet, in ihr Lebensblut aufgenommen und bei alledem blieben sie Jünglinge, die wie aus der Märchenwelt gekommen schienen. Dass sie sich unter den Eindrücken der See, der rohen Matrosen, des zügellosen Hafenlebens so rein hatten erhalten können, sprach für die Mutter, die sie bildete, für die strenge Mannszucht, die der Vater übte ... Den älteren, sagten sie, hätten sie Lebewohl sagen müssen für diese Erde ... Der Vater hätte sie anfangs begrüsst wie – Schurken. Geschieden wäre er von ihnen wie ihr Bundsgenosse. Er wohne jetzt zu Campanede wie ein Sklave, der nur schon zu alt wäre, noch seine, Fesseln zu brechen. Die Mutter würde ihm die Freude an seinen wenig genossenen Blumen und Früchten versüssen und ihn von seinen jungen Tagen erzählen lassen, da sie fünfundzwanzig Jahre mit ihm verheiratet wäre und nicht fünf Jahre ihn besessen hätte. Mögen Venedigs Gondeln