die Mutter von Fefelotti vorgestern gehört, erzählte er es ...
Sein Grübeln über den Anlass aller dieser Lebenswirren – es war Bonaventura's Schmerz um das traurige Geschick seines Vaters – unterbrach er fast gewaltsam ...
Er erzählte, dass er vorm Jahre mit den Depeschen des Staatskanzlers nach Triest und von dort zu Schiff nach Ancona gereist wäre – den kürzesten Weg, um Rom in Zeit von acht Tagen zu erreichen ... Auf diesem Dampfboot hätte er eine Bekanntschaft gemacht ... Ein hoher stattlicher Mann wäre ihm aufgefallen, ein Greis mit weissen Haaren, aber kräftigen dunkelgebräunten Antlitzes, eine Erscheinung, vor der die Bemannung des Schiffes ebenso wohl, wie die Passagiere die grösste, wenn auch etwas scheue Hochachtung bezeugt hätten ... Bald hätte er erfahren, dass dieser in einen grauen militärischen Oberrock, sonst in Civil gekleidete Mann einer der ersten Namen des Kaiserreichs wäre, Admiral der österreichischen Flotte, Francesco Bandiera1... Italiener von Geburt, Venetianer aus den alten Geschlechtern, hatte Bandiera die angeborene Seemannsnatur zu Gunsten des Staates ausgebildet, dem ihn die Geschicke Europas nach dem Sturz Napoleon's zugewiesen ... Er hatte die kaiserliche Marine ebenso vervollkommnet, wie ihrer geschichte Lorbern errungen – er befehligte die österreichische Fregatte "Bellona", die noch vor kurzem ein englisches Bombardement von Saint-Jean d'Acre unterstützte ... Reisen nach Amerika hatte er gemacht und trug, wenn er sich in ganzer Repräsentation seiner Würde hätte zeigen wollen, die Brust mit Orden bedeckt – ...
Die Herzogin kannte die Lage dieses Mannes ... Sie wusste, warum sein blick so traurig und die Ehrfurcht vor ihm so scheu gewesen sein musste ...
Zwei seiner Söhne, bestätigte Benno, hatten die Loyalität des hochgestellten Vaters auf eine in Oesterreich mit Indignation, in Italien mit jubel aufgenommene Weise compromittirt ... Attilio und Aemilio Bandiera standen als Marinelieutenants unter ihrem Vater.2 Mit dem Pistol in der Hand und im Bund mit einigen Verschworenen hatten sie sich das Commando der Fregatte "Bellona" erzwingen und mit ihr nach der Küste der Romagna segeln wollen, wo ein gleichzeitig organisirter Aufstand den Versuch einer Insurrection erneuern sollte, der schon einmal bei Forli und Rimini gescheitert war ... Bandiera selbst, der Admiral, ihr Vater, hatte sich damals den für einen Italiener zweifelhaften, für einen Oesterreicher achtbaren Ruhm erworben, die Trümmer der in Rimini und Forli gesprengten Insurrection – Louis Napoleon Bonaparte war unter den Entkommenen, sein älterer Bruder unter den Gefallenen – zur See vernichtet zu haben ... Aber der Ueberfall der Fregatte "Bellona" mislang ... Die beiden dem "Jungen Italien" affiliirten Söhne des Admirals entflohen ... Bandiera, vor dem Kaiserstaat in seinen Söhnen compromittirt, riss sich im ersten Anfall seines Schmerzes die Epauletten von den Schultern, band sich die goldene Schärpe ab, legte seine Würde nieder und begab sich nach seinem Landgut Campanede bei Mestre an den Lagunen Venedigs; er bekannte sich seiner Stellung für nicht mehr würdig ...
Die Herzogin kannte alle diese ergreifenden Vorfäl
le ...
Wohl kannst du denken, fuhr Benno fort, wie mich
der Anblick dieses Greises erschütterte! ... Die markige Gestalt war vom tiefsten Schmerz gebeugt ... In die Wellen blickte Francesco Bandiera wie Jemand, der den Tod einem Leben ohne Ehre vorzieht ... Abgeschlossen hielt er sich von der ganzen Equipage des schiffes ... Ich hörte flüstern, er wollte nach Korfu, wohin seine Söhne geflohen waren, wollte ihnen zureden, zurückzukehren, sich dem Kriegsgericht zu stellen, das sie ohne Zweifel zum tod verurteilen würde – er wollte sie ermuntern, sich der Gnade des Kaisers zu empfehlen und eine Gefängnissstrafe zu büssen, die vielleicht keine lebenslängliche war ... Auch ihm persönlich konnte dann noch vielleicht möglich bleiben, eine Stellung zu behalten, die er trotz seiner Jahre liebte ... Das Blut eines alten Seemanns fliesst unruhig und geht nicht im gleichen Takt mit dem Leben auf dem land ...
Die Mutter verstand die Schwere eines solchen Schicksals und horchte ... "Eine Mutter", sagte sie, "ist die Vorsehung ihres Kindes!" Das waren deine Worte, mein Sohn, als wir an Angiolinens Leiche standen! ... Ein Vater aber, fuhr sie fort, ist der Sohn selbst ... Das ist nur Eine person mit ihm – Vater und Sohn, beide haben nur eine und dieselbe Ehre – ...
Benno seufzte ... Er verfiel auf Augenblicke in ein Sinnen. Nicht um den Kronsyndikus, wie die Mutter dachte ... Ebenso hatte Bonaventura gesprochen, der keine Ruhe mehr im Leben finden zu können erklärte, solange er wüsste, in einem Kerker der Inquisition schmachtete sein Vater ... Benno teilte die überzeugung, dass Fra Federigo Friedrich von Asselyn war ... Er sah Conflicte kommen mit Friedrich von Wittekind, der ihn tot glauben musste ... Sich aufraffend fuhr er fort:
Die Begegnung des Vaters mit seinen Söhnen schien eine Scene des höchsten Schmerzes werden zu müssen ... Ich betrachtete den gebeugten Helden mit jener Rührung, die das tragische Schicksal einflösst ... Doch gerade meinen blick vermied er ... Es hatte sich herumgesprochen, dass ich als Courier für die Regierung reiste. Meine tasche mit den Depeschen verriet mich; Geheimhaltung war mir nicht anbefohlen worden ...
Benno war schon