1858_Gutzkow_031_760.txt

Fefelotti ...

In dieser heitern Weise dauerte die Unterhaltung fort ... Auch auf den Cardinal Ambrosi kam Fefelotti zu sprechen ...

Ich habe ihm, sagte er, sofort eine Amtswohnung anweisen lassen, indem ich ihn zum Vorstand der "Congregation der Reliquien und Katakomben" machte ... Vielleicht ist er so galant, Olympien mit der Heiligsprechung der Eusebia Recanati ein Gegengeschenk für seine Erhebung zu machen ... Sie wissen doch noch, dass wir einst um die kleine "Wölfin" bei den "Lebendigbegrabenen" auseinander gekommen sindSie schlimme Frau, die Sie mir auch in Wien einen noch gottseligeren Priester auf Erden entdeckt habenJa Sie! Sie! Ich weiss esMeinen Nachbar bei Coniden magnetischen Bischof Bonaventura von Asselyn ... Sie haben ihn zuerst Olympien empfohlen ... Der Spott dabei auf mich kam allerdings wohl nur von dem kleinen Grasaffen ...

Die Herzogin spitzte ihr Ohr ... Jedes Wort in diesen leichten Scherzen und drohenden Neckreden war bedeutungsvoll ... Ihr Palais an Piazza Sciarra stand also noch leer ... Cardinal Ambrosi hatte sich Olympiens Verehrungscultus entzogen ...

Bonaventura's heiliger Ruf wurde keineswegs von ihr abgelehnt ... Mit einem fast schelmischen Trotz berief sie sich auf das Urteil der deutschen Kirche ...

Gut, dass ich mich an diesem Eindringling auf italienischen Boden habe überzeugen können, wie gefahrvoll diese deutsche Kirche wird, erwiderte Fefelotti ... Kaum in sein Amt eingeführt, begeht der Freche eine Untat nach der andern ... Der Verbündete einer Ketzerin, die auf dem schloss Castellungo haust, wahrt er den durch die Milde der zeiten übrig gebliebenen Resten einer schismatischen sekte die Rechte, die sie verbrieft besitzen wollen, bestreitet das ihnen streng eingeschärfte Verbot, Proselyten zu machen, behauptet, die Dominicaner hätten ausser diesen gefänglich eingezogenen, dann freigegebenen religiösen Fanatikern noch einen Eremiten eingekerkert, der den Wohltäter des Volkes machen wollte und nur ein Verbreiter ruchloser Lehren war ... Auch dieser Eremit war ein Deutscher! ... England und Deutschland! Das wird unser Kampfplatz werden! ... In Deutschland ist es schon wieder wie zur Zeit Luter's ... Ein Priester ist aufgestanden, der dem Bischof von Trier die Aussetzung des Heiligen Rocks zum Verbrechen am "Geist der Zeit" macht! ... Die ketzerischen Bewegungen auf dem Gebiet der Lehre, ja des Cultus nehmen überhand ... Erkundigungen, die wir über den Bischof von Robillante eingezogen haben, machen ihn zur Absetzung reif ... Und der blinde Wahn dieses Mannes geht so weit, hieher nicht als ein Angeklagter, sondern als ein Richter kommen zu wollen ...

Hieher –? Er wird berufen? ... fragte die Herzogin erbebend vor Angst und doch auch vor Freude ...

Der Bischof behauptet, fuhr Fefelotti in gesteigerter Aufregung fort, die Nachricht, dass man jenen Eremiten in der Mark Ancona als Pilger gesehen hätte, wäre ein absichtlich ausgesprengter Irrtum ... Dieser Eremit wäre nach Rom überführt worden und sässe hier in irgendeinem Kerker ... Der Pilger von Porto d'Ascoli, erklärte er noch kürzlich, wäre ein anderer ... Seit man jetzt verbreitet, er wäre ermordet worden, hatte ich eine Scene mit ihm, die zu seiner sofortigen Verhaftung hätte führen müssen, wäre nicht die besonnene Vermittelung eines seiner Verwandten von ihm dazwischen getreten ...

Des SignoreBenno –? ... fragte die Mutter nach Gleichmut ringend ...

Der Cardinal bestätigte diesen Namen ...

Benno lebt denn also noch! ... dachte die Mutter und verbarg hinter Bewegungen, die ihr als Wirtin eines so hohen Besuches zukommen durften, das Gemisch ihrer Freude und Besorgniss ... Fefelotti sprach Benno's Namen harmlos aus ... Er schleuderte nur seinen Bannstrahl über Deutschland und Bonaventura ... Dann fragte er wiederholt nach Lucinden ... Er wusste, dass sie dem Cardinal nahe stand und Aussicht hatte, Gräfin Sarzana zu werden ... Nach den Berichten der kirchlichen Fanatiker Deutschlands nannte er sie eine Hocherleuchtete, der sich nur die eine Schwäche nachsagen liesse, für jenen Bischof von Robillante eine unerwiderte Liebe im Herzen getragen zu haben ...

Die Herzogin nahm ihm nichts von allen diesen Vorstellungen ... Sie sah, dem Grosspönitentiar lag das Leben aller Menschen aufgedeckt ... Er fragte wiederholt, was die Herzogin über Donna Lucinde wisse und ob sie gut mit ihr stünde ...

Die Herzogin sah, dass Fefelotti bei Ceccone eine Spionin suchte ... Vielleicht fand er sie in Lucinden ... Sie hütete sich, Lucinden nach ihrer Auffassung und eigenen Erfahrung zu charakterisiren ... Eine Vermittelung dieser Bekanntschaft durfte sie aus nahe liegenden Gründenum Ceccone's willenablehnen ...

Es war schon halb elf Uhr, als der Cardinal sich endlich erhob ... Er hatte ein paar angenehme, höchst trauliche, für ihn mannichfach anregende Stunden verbracht ... Er hatte sich schnell wieder in den römischen Dingen orientirt ... Er versprach wiederzukommen ... Dann küsste er der Herzogin mit aller Galanterie die Hand, sagte ihr die Tage und die Orte, wo er "zum ersten male aufträte" – d.h. die Messe lesen oder sie mit Pomp anhören würde ... Das waren Schauspiele, wo sich alles, was