, der ohne Zweifel doch nur allein der Anstifter der den Jesuiten nicht geglückten Verfolgung gegen sie wegen Bigamie gewesen ... Kannte er alle Geheimnisse ihres Lebens? ... Kannte er die Existenz Benno's? ... Ihr Anteil an seinem Kampf mit Bonaventura, gegen den er vielleicht einen Process auf Absetzung instruirte, rüstete sich, ihn möglichst unverfänglich über dies und anderes zu befragen ... Sie liess dem Gefährlichen den Vorschmack der Annehmlichkeiten und Vorteile, die er denn doch durch diesen Besuch gewinnen konnte ...
Roms Lage ist schwierig, sagte Fefelotti bei Erwähnung des Ceccone'schen Aufentalts in Wien ... Auf der einen Seite bilden wir das Centrum der Welt, auf der andern das Centrum Italiens ... Wir sollen rein geistlich und für die Ewigkeit auf die Gemüter wirken und sind von allen politischen Strudeln des tages ergriffen ... Die neue Zeit hat dem apostolischen Stuhl eine fast unerschwingliche Aufgabe gestellt ... Ohne die weltliche Würde kann die geistige Souveränetät des Heiligen Vaters nicht auf die Dauer bestehen ... Beides für die Zukunft zu einen, erfordert die äusserste Anstrengung ... Ich billige ganz, wenn Ceccone seine kleinen Koketterieen mit den sogenannten "Hoffnungen Italiens" zu unterlassen angefangen hat ... Erzählen Sie mir noch mehr – von Wien! ...
Die Herzogin bestätigte, dass Ceccone von Wien in seinen politischen Neuerungstrieben bedeutend abgekühlt zurückgekehrt wäre. Der Fürst Staatskanzler hätte ihn belehrt, dass die Tribunen Roms sich immer zuerst am Enttronen der Päpste und am Halsabschneiden der Cardinäle geübt hätten ...
Fefelotti lachte mit vollem Einverständniss ... Die Herzogin dachte an Benno und seine Freunde ... Sie gab der guten Laune des Schrecklichen die gewünschte Nahrung ... Sie erzählte: Ceccone hätte beim Nachhausefahren von einer solchen Scene mit dem Staatskanzler immer nur Fefelotti! Fefelotti! gerufen ...
Bestia! unterbrach der Cardinal ...
Dann hätte Ceccone Olympien geschildert, was "politische Reformen" wären ... "Nur Ein Bedienter für dich, monatlich nur Ein Paar neue Handschuhe und die notwendigkeit, deine Hemden selbst nähen zu müssen!" ...
Fefelotti hielt sich die Seiten vor lachen ...
Ich bin mit Ceccone's politischer Haltung ganz einverstanden, sagte er ... Sie ist jetzt streng und fest ... Sie lässt sich auf keine Transactionen mehr ein ... Rom ist unterwühlt von Verschwörungen ... Verbannung nur und Galeere können helfen ... Das geringste ist das Verbot aller zweideutigen Schriften ... Wissen Sie – apropos – nichts Näheres über – Grizzifalcone –? ...
Die Herzogin hörte Gesinnungen, die sie hasste, verbarg jedoch ihre Aufwallung hinter einem Erstaunen über das, was Grizzifalcone mit Roms – Politik gemein haben könnte –? ...
Der Cardinal drückte seine kleinen Rattenaugen zu ... Ein bedeutsames Knacken seiner Zähne trat wieder an die Stelle seiner Worte ... Der Duft der Orangen verflog ... Glücklicherweise nahm er eine zweite Schale Sorbett ...
Die Herzogin musste die geschichte der Gefahr erzählen, die sie an Olympiens Hochzeitstage überstanden hatte ... Lucindens Name musste genannt werden ... Dieser war ihm keineswegs unbekannt ...
Eine Neubekehrte? warf er ein ...
Sie hütete sich ein Wort der Misachtung zu sagen ...
Fefelotti kehrte dringender auf Grizzifalcone zurück ... Glauben Sie, sagte er, dass Ceccone jene für den Fürsten Rucca bestimmte Liste in den Taschen des Räubers fand und einsteckte? ... Ich glaube nicht ... Diese Liste besass Ceccone ohne allen Zweifel schon vorher in Abschriften genug ... Er brauchte sie ja – Hm! ... Rätselhaft sind die Aufträge, die dem wilden deutschen Franciscanerbruder gegeben wurden ... Nun sagt man ja, er wäre spurlos verschwunden ... Mit jenem Pilger zugleich ... Hörten Sie davon? ... Der Pilger und der Mönch sind von den Zollwächtern, die verraten zu werden fürchteten, ohne Zweifel tot geschlagen worden ...
Die Herzogin entsetzte sich ... Und warum "brauchte Ceccone die Liste"? ...
Eine Weile verzog sich der bisherige heitere Ausdruck der Mienen Fefelotti's, seine schwarzen Brauen senkten sich auf die kleinen Augen, die ein verderbliches wildes Feuer zu verbergen schienen ...
Dennoch suchte er die Stimmung des Scherzes zurückzuführen und sprach lieber von Olympien, die er beschuldigte, in der "Argentina" bei allen neuen Opern die Stellen zu beklatschen, die für die Tausende von Carbonaris, die auch in Rom wären, oft ein Losungswort gäben ... Das Junge Italien hat allein zwölf Logen in Rom! schaltete Fefelotti ein ... Doch erzählen Sie von Olympien! ...
Die Herzogin hörte nur und hörte ...
Fefelotti sah, dass die Herzogin in politischen Dingen nicht mehr Ceccone's Vertrauen besessen hatte ... In die Argentina geht Olympia jetzt seltener, sagte sie mit bitterer Erinnerung an den neulichen Spott Olympiens über ihre Beziehung zur Musik ... Sie verlangte von mir, dass ich erklärte: Unsere neuere Musik anhören zu müssen verdiente, dass die Componisten mit den Ohren angenagelt würden ...
Diese Strafe trifft in der Türkei die Bäcker, wenn sie schlechtes Brot backen! ... Dieser Witz wird den alten Rucca geärgert haben, wenn er ihn hörte ... sagte