verliebt und vergass sie um – wessentwillen? ... Armgart's? ...
Am vierten las sie: Sale – Salz oder Verstand –? ...
Die Ironie des Zufalls lehrte sie nicht, dass sie ihre Torheiten lassen sollte ... Sie grübelte, worin Benno's Schweigen gerade jetzt ein besonderer Beweis von Verstand sein konnte ...
Als sie am Tage, wo sie Sale gelesen hatte, von einer Corsofahrt nach haus kam, am haus des Lotteriecollecteurs wieder nichts für sich gefunden hatte, schleppte sie sich fast zusammenbrechend die Treppe hinauf ...
Eben wollte sie ihre Hauskleider anlegen ... Da hörte sie von der Strasse her einen Wagen anrollen und still halten ...
Nach einer Weile klingelte es und Marco kam mit hochaufgerissenen Augen und brachte die Wundermär:
Cardinal – – Fefelotti! ...
Die Herzogin traute ihrem Ohr nicht und erhob sich ...
Es war in der Tat der Erzbischof Fefelotti, Cardinal und Grosspönitentiar der Christenheit – in eigener person ...
Von solchem Besuch ahnte sie jetzt nichts Uebles ... Das "Salz" des Orakels – "Verstand" traf zu ...
Nicht besonders älter war Fefelotti geworden, seitdem die Herzogin ihn zum letzten male gesehen ... Im Gegenteil, die Ruhe in Coni, die Sicherstellung seiner Unternehmungen durch die Jesuiten, die notwendigkeit, die gottseligste Miene zu zeigen, hatte die sonst sehr lebhaften Verzerrungen seiner unschönen Gesichtszüge gemildert ... Sind die Hunde aus den Wölfen entstanden, so stellte Fefelotti jenen Uebergang dar, wo möglicherweise die Wölfe zuerst anfingen sich in den Gewohnheiten des Haustiers zu versuchen ... Seine runde Nase, seine buschigen Augenbrauen, sein von Pockennarben zerrissenes Gesicht war dasselbe wie sonst, aber eine heilige, gesättigte Ruhe lag auf seinen Mienen ... Konnte er doch wahrlich lächeln über seinen neuesten Sieg ... Konnte er doch lächeln über seine Rückkehr aus einer Verbannung – wo er für den "schlechtesten Christen" hatte gelten sollen, dem man den "besten" zur "Versöhnung der Gotteit" gegenübergestellt! ... Konnte er doch lächeln über Ceccone's ohnmächtiges Schnauben, von dem er sogleich andeutete, dass es sich jetzt schon an Frauen auszutoben anfinge ... Das war nun jene Dame, zu der Fefelotti sonst als Prälat so gern gegangen war, die aber seine Intrigue mit der "kleinen Wölfin" bei den "Lebendigbegrabenen" und die Verhinderung der Cardinalserhebung Ceccone's so eiligst gekreuzt hatte ...
An ein Verschleiern seiner Empfindungen denkt in
solchen Fällen kein Italiener ... Fefelotti lachte sich weidlich aus ... sowohl über die Höhe der Treppen, die er hatte ersteigen müssen, wie über die Möbel, wie über die Dienerschaft und – ein "Sommerlogis" auf dem Monte Pincio ...
Sie kluge Frau, sagte er, ich habe Sie immer so
gern gehabt! Wie konnten Sie sich nur von meiner Fahne entfernen! ... Sie haben sechzehn Jahre Ihres Lebens verloren ... Wie hoch ist die Pension, die Ihnen mein alter Freund Don Tiburzio zahlt? ...
Die Herzogin hatte die Schule der Leiden in einem
Grade durchgemacht, dass sie sich weder über Fefelotti's Besuch allzu erstaunt zeigte, noch auch Ceccone's Undankbarkeit ganz nach den Empfindungen schilderte, die sie darüber hegte ... Sie wünschte dem Grosspönitentiar Glück zu seiner neuen Erhebung, liess die von ihr betonte wahrscheinlich nahe bevorstehende Papstwahl nicht ohne Bezüglichkeit für die Hoffnungen des ehrgeizigen Priesters – sie klagte aber Ceccone keineswegs allzu heftig an ...
Fefelotti sah die Schlauheit der weltgewandten Frau ... Sich mässigend schlug er die Augen nieder, beklagte die Leiden Seiner Heiligkeit und gestand offen, dass durch die Wiederherstellung des Jesuitenordens, dessen Affiliirter er schon seit lange war, in die schwankenden und von den Persönlichkeiten der Päpste abhängigen Zustände der Kirche endlich Festes und Dauerndes gekommen wäre ... Seine eigene Wiederberufung bewiese, dass sich ohne den Rat des Al Gesù nichts mehr in der katolischen Welt unternehmen lasse ...
In der Art, wie Fefelotti es sich dann unter den von dem trippelnden Marco inzwischen angezündeten Kerzenbüscheln bequem machte, wie er sogar herbeigeholte Erfrischungen nicht ablehnte, lag das ganze Behagen ausgedrückt, sich bei einer Frau zu befinden, die nach aller Berechnung menschlicher natur seine Verbündete werden musste ... Von Ceccone's "häuslichen" Verhältnissen liess er sich erzählen ... Er hatte seine Freude an dem kleinsten Verdruss, den "seinem Freunde" das Schicksal bereitet hatte ... Er stellte sich wie ein in einem kleinen Landstädtchen begraben Gewesener, nur um recht viel Neues, Ausführliches und pikante kleine Details erfahren zu können ... Und die Herzogin war klug genug, trotz ihrer Abneigung gegen den hässlichen Mann, dessen falsche Zähne nach jedem Satz, den er sprach, ein eigenes Knacken der Kinnlade von sich gaben und gegen den Ceccone noch jetzt ein Apoll war, doch dies Verlangen nach Befriedigung seiner Schadenfreude nicht ganz unerfüllt zu lassen ... Sie gab eine ungefähre Schilderung der Mühen und Sorgen, unter denen Ceccone's Ehrgeiz allerdings stöhnte und schmachtete ...
Fefelotti schlürfte Sorbett ... Seine Zähne bekamen vorübergehend einen bessern Duft von den Orangen, aus denen es bereitet war und sie knackten jetzt nur noch von der Berührung mit dem Löffel ... Immer mehr gewöhnte sich die Herzogin an das Wiedersehen eines Mannes