1858_Gutzkow_031_754.txt

Toleranz ... Ein vortrefflicher Mensch, nur mit dem Einen Fehler, dass er zu den Männern gehört, die Verstand bei Frauen für Anmassung halten ...

Eine lange Pause des Triumphes trat ein ... Die Herzogin raffte sich allmählich empor und suchte, um Luft zu schöpfen, das Fenster ...

Ich spreche eine Vermutung aus, die ich beweisen kann! ... fuhr Lucinde ihr nachblickend fort ... Leo_Perl hiess der Geistliche, der Sie traute ... Ein Jude war es und es geschah auf dem Schloss Altenkirchen ... Ich kenne viele Folgen dieses abscheulichen Betruges, arme Frau! ... Benno von Asselyn ist die beste davon ... Ein trefflicher Mensch, sagt' ich, ob er gleich dem Kronsyndikus ähnelt undIhnen ... Madame, Sie wissen, dass ich nur wenig Freunde im Leben gefunden habe ... Lassen Sie mir die, die ich hier gewinne ... Ich verspreche Ihnen, Sie werden von mir unbehelligt bleiben ... Ich weiss vom Cardinal, dass hier nur die Jesuiten und der General der Franciscaner Ihr vergangenes Leben kennen, Olympia im Allgemeinen ... arme Frau! Aber da die erste Hochzeit falsch war, konnte man Sie nicht der Bigamie anschuldigen, was Ihre und Ceccone's Feinde tun wollten ... Sie wurden glorreich gerechtfertigt ... Ihr geheimnis dann mit Bennodas weiss niemand ausser mir ... Ich werde es zu bewahren wissen, nurbitte' ich von jetzt an und befehl' es Ihnen, lächeln Sie nicht mehr, wenn mein Name genannt wirdgenannt, ob nun in Verbindung mit dem Cardinal oder mit dem Grafen ... Lassen Sie sich von Ihrem Sohn nichts über mich erzählen, was Sie veranlassen könnte, etwaigen Hoffnungen, die ich habe, welche es auch sein mögen, schaden zu wollen ... Das ist es, was ich Ihnen schon am Hochzeitsfest zu sagen hatte und nur verschob, weil die Räuber uns hinderten und wir im Gebirge kaum zur Besinnung kommen ... Noch Eins und in aller Aufrichtigkeit ... Erneuern Sie die Warnungen für den Bischof von Robillante! ... Schreiben Sie Ihrem Sohn davon! ... Man erwartet Fefelotti ... Dieser bringt die Einleitung eines Processes auf Absetzung des Bischofs ... Das wäre entsetzlich, wenn sich Bischof Bonaventura um eine ketzerische Persönlichkeit so fortreissen, von Gräfin Erdmute auf Castellungo so bestimmen liesse ... Der Cardinal meinte es aufrichtig, als wir den Pilger zu entdecken suchten ... Es ist nicht seine Schuld, dass Hubertus so rätselhaft an der Grenze der Abruzzen verschwunden ist ... hören Sie aus alledem, dass ich der Meinung bin: Wir sind Freunde, Verbundene, Herzogin! ... Waffenstillstand, Friede zwischen uns! ... Kein Wort an Olympien! Nimmermehr! Verlassen Sie sich auf mich! Das versprech' ich Ihnen ... Aber jetzt muss ich auf Villa Tibur zurück ... Der Weg ist weit ... Achtundert Scudi nur, Herzogin; ich find' es erbärmlich! ... Aberwas kann ich tun! ... Sagen Sie das Ihrem SohneBenno ... Sie sind glücklich, einen solchen Sohn zu besitzen! ... Wo fanden Sie ihn? Wie erkannten Sie sich? ... Sie haben recht; für die Fürstin war er zu gut ... Nie, nie darf sie davon erfahren ... Ihre Rache würde keine Grenzen kennen ... Regen wir uns nicht auf! ... Sie kennen jetzt meine Wünschemeine Befehle! ... Auf Wiedersehn! ...

Lucinde war verschwunden, wie sie gekommen ... Sie hatte, um die Bedienung in Bereitschaft zu halten, selbst geklingelt ...

Die Herzogin blieb zurück, erstarrtgebunden an Händen und Füssen ... Sie fühlte ganz die wirkung, die Lucinde beabsichtigt hatte ... Musste sie "diese Schlange an ihrem Busen erwärmt" – sie selbst nach Rom geführt haben! ... Unter diesem Damoklesschwert sollte sie nun leben! ... Was tun? Was um Benno's willen unterlassen? ... Ihre Correspondenz schien ihr nicht mehr sicher, trotz der Adressen, die an die geringsten Leute hier und in Robillante gingen ... Diese Sprache, diese kurze Eröffnung, diese Schonungslosigkeit! ... Benno ihr Sohn! ... Von Angiolinen, der Lucinde selbst so ähnelte, hatte sie geschwiegen ... Wusste sie nichts von ihr? ... Sie wusste genug, um sie in ewige Fesseln zu werfen ...

Alles das musste die vereinsamte Frau nun in sich selbst verwinden ... Trotz des Vorwands mit der "bessern Luft des Monte Pincio" verliessen sie alle ihre Bekannte ... Sie hatte ohnehin nie die erste Rolle spielen dürfen, solange sie mit Ceccone und Olympia lebte ... Was war sie der Welt! ... Jetzt bereuete sie zu klug gewesen zu sein und sagte: Wie viel haben bei alledem die Menschen voraus, die sich allein den Ausbrüchen ihres Temperaments hingeben! Sie erleben immer noch etwas mehr Unglück und Demütigung, als wir andern, die wir so klug sein wollen, das ist wahr; aber ihre Personen fesseln und lassen ihre Verhältnisse vergessen .