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, in denen Pumpeo und die beiden Prälaten excellirten, hörte, lösten sich wieder in Tränen auf ... Nur die Stille des präsumtiven Sarzana'schen Ehepaars versöhnte sie ...

Als das Frühstück beendet, die Gesellschaft entfernt, die Dienerschaft mit den Resten der Mahlzeit gefolgt war, nahm die Herzogin die Unschuldsbeteuerungen der ihr noch gebliebenen Dienerschaft entgegen, vor allen die Versicherungen des fast weinend eintretenden alten Marco, und suchte noch am selbigen Tage eine andere wohnung. Sie wollte zu einem Mietbureau und dann in der Runde zur Besichtigung von Wohnungen fahren ...

Als sie den Wagen bestellt hatte, erfuhr sie, dass auch Wagen und Pferde auf Befehl der jungen Fürstin Rucca fortgeführt wären ...

Auf diese Nachricht sank sie in Ohnmacht ... Der "Intendente" des Hauses, der bisher alles für sie bezahlt hatte, zuckte die Achseln; es war ein von Ceccone eingesetzter Koch ... Er gestand, dass er schon lange vom Cardinal nur mit Widerstreben die Zahlungen für die Bedürfnisse des Hauses erhalten hatte, packte dann seine Sachen und zog nach Villa Torresani ins Gebirge, wo es hoch und herrlich herging ... Die Erklärung hinterliess er, dass sich hier wahrscheinlich das ganze Hauswesen zur Bedienung des Cardinals Ambrosi neugestalten würde ...

Marco machte Vorschläge von Wohnungen, die der Bedachtsame schon lange für diesen voraussichtlichen Fall in Augenschein genommen ... Noch an demselben Abend und bis in die Mitternacht zog die Herzogin um ... Sie nahm ein Stockwerk von mehreren gesund gelegenen und schön möblirten Zimmern auf der Höhe des Monte Pincio ... Die dortigen luftreinern Strassen konnte sie als Vorwand der Veränderung nehmen ... Um sich nicht als zu tief gefallen darzustellen, setzte sie alle ihre Ersparnisse daran ...

Zu alledem läuteten nun die Glocken der dreihundertfünfundsechzig Kirchen Romsbrausten die Orgelnschmetterte die Janitscharenmusik der Hochämterwandelten unter Pfauenfederwedeln und Baldachinen die wohlgenährten Pairs der Kircherannten die Engländer nach den Katakomben und convertirtenschwärmten die Deutschen von den Bildern des Fiesoleknieten die Franzosen in Trinita di Monti drüben und küssten die hände einer GräfinAebtissin der hier eingepfarrten "Soeurs grises" aus den ersten Geschlechtern Frankreichs ... Rom spielt seine äussere heilige Rolle mit Glanz ... Wer kennt das Innere ...! ...

An Benno schrieb die vernichtete Frau auch noch jetzt nicht alles, was ihr begegnet war ... Sie erschien sich zu tief gedemütigt ... Zu lange Jahre hatte sie auch die den Umgang verscheuchende und die Menschen vereinsamende wirkung des Unglücks kennen gelernt ... Dann beredete sie sich, sie wollte lieber erst die Antwort auf einen Brief an Ceccone abwarten, in dem sie von ihren Empfindungen nichts zurückgehalten hatte ... Schliesslich hatte Benno selbst seit Wochen nicht geschrieben ... Sie fing für die Sicherheit ihres Briefwechsels immer mehr zu fürchten an ...

Am vierten oder fünften Tage weckte sie aus einem Zustand der Erstarrung, den das fortgesetzte Nichteintreffen eines Lebenszeichens von Benno mehrte, der erste Besuch, den sie in ihrer neuen wohnung empfing ...

Eine glänzende Equipage stand am haus ... Sie kam aus Villa Tibur und brachte Lucinden ...

Mit kalter Ruhe und Sammlung führte sich diese bei ihr mit den Worten ein, der Cardinal hätte sie beauftragt, der Herzogin einen Jahrgehalt anzubieten, den er ihr mit Dank für die geleisteten Dienste ausgesetzt hätte ... Er bedauerte, fügte sie hinzu, den Einfall der jungen Fürstin, an dem er schuldlos wärewie wir allesagte sie ... Olympia schwärme für den Cardinal Ambrosi undwollte wohl auch alle diejenigen strafen, die dem Bischof von Robillante den Ruf des ersten Priesters der Christenheit gegeben hättensetzte sie lächelnd hinzu ... Cardinal Ceccone, schloss sie, würde selbst gekommen sein – ...

Wenn er nicht meine bösen Augen fürchtete! unterbrach die Herzogin und in der Tat konnte ihr blick den Tod androhen ... Der ausgesetzte Jahrgehalt reichte kaum für die wohnung und die für Italiens Sitten so notwendige Equipage aus ...

Lucinde zuckte die Achseln ...

Zu allzu vielen Erörterungen schien sie nicht aufgelegt ... Sie hatte Eile, käme überhaupt selten in die Stadtihr ganzes Wesen war voll Unruhe, gemachter Vornehmheit, Uebermut ...

Unter andern war sie eben bei Klingsohr gewesen ...

Sie kam von Santa-Maria, dem Mutterkloster der Franciscaner ...

Dort hatte sie den glücklich geheilten und zu Gunst und Gnaden angenommenen Pater Sebastus am Sprachgitter gesprochen ...

Sie hatte ernste Dinge mit dem vor Schwäche noch an den Händen Zitternden, aber in ihrem Anblick Ueberglücklichen verhandelt ...

Nach dem, was sie schon von Hubertus, als dieser von ihr Abschied genommen, über die zweite Gemahlin des Kronsyndikus in Palazzo Rucca erfahren, liessen die jetzt endlich möglichen Mitteilungen Klingsohr's keinen Zweifel, dass diese zweite Gemahlin allerdings eine ehemalige kasseler Sängerin Fulvia Maldachini, dann also dieHerzogin von Amarillas gewesen sein musste ... In dem lateinischen Bekenntniss Leo_Perl's hatten die Namen gefehlt und auch noch jetzt bei Verständigung mit Klingsohr hütete sie sich, die Fingerzeige allzu grell zu geben ... Sie musste dann auch den kaum Genesenen schonen ... Gab ihm das Wiedersehen einen erhöhten Ausdruck der Spannung und Kraft, so forderte sein todblasses Aussehen, seine gekrümmte Haltung, die der eines Greises glich, zur