Purpur aussah; gar nicht unmöglich, dass Olympia ihre erste Untreue als Frau zu einer geistigen machte und wieder in leidenschaftlicher Andacht für einen Priester schwärmte, den sie schon einmal so unglücklich gemacht hatte ...
In der Tat – die Herzogin konnte hören:
Zieht sonst niemand hier ein, den der Onkel lieb hat, so ist das kleine Haus ganz geeignet, von einem so bescheidenen Priester bewohnt zu werden ... Ich mache dem Cardinal Ambrosi seine ganze Einrichtung ...
Cardinal Ambrosi soll hier wohnen! ... Benno's Nachfolger in deinem oberflächlichen Herzen! ...
In der Tat wurde das Gespräch rücksichtsvoller geführt ... Die Herzogin verstand nichts mehr ...
Herzog Pumpeo machte den Wirt und schenkte ein ...
Trinken Sie, Graf Sarzana! rief er ... Oder haben Sie noch immer Ihre geringe Meinung über den Champagner, den Sie damals auf unserer Landpartie nach Subiaco – vor drei Jahren – das "Bier der Franzosen" nannten? ...
Graf Sarzana, Sie sind überhaupt inconsequent! fiel Olympia ein ... Wie konnten Sie je die Deutschen und die Franzosen so hassen! Jetzt lieben Sie – ein deutsches –
Halt, Principessa! unterbrach einer der Prälaten ... Wir lieben in diesem Augenblick nichts als die Heiligen ... Die Signorina hier kennt alle Gebräuche der Beatification vom Tu es Petrus an bis zur Rede des Advocatus Diaboli ...
Wenn nächstens die Seele der Eusebia Recanati heilig gesprochen wird, fiel der andere der Prälaten ein, wer wird da wohl die Rolle des Advocaten der Hölle übernehmen? ...
Schweigen Sie! Keine Lästerungen, Monsignore! unterbrach Olympia mit energischem Ruf ...
Die Herzogin lachte bitter auf und sprach für sich:
Fürchtest du diese "heilige" Eusebia, weil sie dich – an deine Mutter erinnert? ... Oder ängstigen dich die Ansprüche, die der Teufel selbst an die Heiligen macht – wie vielmehr an deinesgleichen! ...
Graf Sarzana's stimme, ein voller wohlklingender Baryton, wurde mit den Worten vernehmbar:
Cardinal Ambrosi lebt noch vierzig Jahre ... Also erst in 140 Jahren ist es möglich, auf seine Kanonisation anzutragen ... Auch bei ihm wird jemand den Auftrag bekommen, geltend zu machen, welche Rechte auf ihn der Teufel hat ... Abbate Predari! ... Gesetzt, Sie bekämen diese Aufgabe! Wie würden Sie Ihr Tema anfassen? ... Halten Sie eine Rede gegen den Cardinal zum Besten der Hölle! ... Vergessen Sie dabei nicht diesen schönen Palast! ...
Und die nichtswürdige Art, wie er eingeweiht wurde! ergänzte die Herzogin ...
Und die zerbrochenen Beine, als die Tribüne einstürzte, auf der die Menschen bei seiner ersten Messe im sankt-Peter standen! ... bemerkte die alte Fürstin ...
Die schlechten Plätze, die gewöhnlich der römische Adel bekommt! ergänzte der zweite der Prälaten, ein jüngerer Chigi ...
Lassen Sie mich! rief sich räuspernd Abbate Predari ... Die Rede halte ich! ... Ich kann von Ambrosi's erster Jugend anfangen, von seinen ersten Ketzereien bei den Waldensern ... Ich war sein Schulkamerad in Robillante ...
Dann wird nur zu sehr die stimme des Neides aus Ihnen sprechen! unterbrach ihn Olympia, die befürchten musste, in dieser Rede selbst eine Rolle zu spielen ... Genug! Genug! unterbrach sie aufs neue die Ermunterungen zu einer Rede, die durchaus Abbate Predari halten wollte ... Gewiss würde er sie nicht so gewandt haben, als advokat des Teufels zu sagen: Siehe, ich sandte dir einst eine meiner Botinnen in den Beichtstuhl! ... Olympia wollte aber nichts von allen diesen "Blasphemieen" hören und erklärte, jetzt denjenigen strafen zu wollen, der dies Tema aufgebracht hätte, den Grafen Sarzana – ...
Wissen Sie, Lucinde, wandte sie sich zu dieser, dass ich früher eine Neigung für den Grafen hatte? ... Ich will es Ihnen nur gestehen! ... In meiner kurzen geschichte mit Don Pallante, die Sie kennen, machte dieser Herr da den Vermittler und die Vermittler wissen oft die Tränen so gut zu trocknen, dass sie selbst an die Stelle der Ungetreuen treten ... Ich liebte Don Agostino, den Boten Pallante's – aber beruhigen Sie sich! – nur drei Tage lang ... O mir war er zu gelehrt, zu pedantisch, zu spöttisch, zu eingebildet – er las zu viel ... Viel lesen, das beweist, dass man wenig eigenen Geist hat ... Graf! Ich rate Ihnen, sich bei der Entzifferung der Obelisken und Pyramiden anstellen zu lassen ... Wenn Sie nicht im nächsten Carneval tanzen, geb' ich Sie zu unsern gelehrten Eminenzen oben am Braccio nuovo im Vatican in die Lehre, zu Angelo Mai und Giuseppe Mezzofanti! ...
Die Männer lachten dieser Spöttereien ... Die Schwiegermutter rief sogar: Auf das Wohl des Küsters vom Regimente! ... Ihr Herzog Pumpeo hatte diesen Witz gemacht ... Pumpeo bat um Frieden und brachte das Wohl aller schönen Spötterinnen aus, denen sein Freund bereits vergeben hätte ...
Die Empfindungen der völlig ignorirten Herzogin, die zuletzt nur noch das Klappern der Schüsseln und Klingen der Gläser und ein Durcheinander von Witzen und Anekdoten