, als ein lautes, gellendes lachen ... Hahahaha! schallte es nebenan zur Antwort ... Olympia erwiderte in gleichem Tone ...
Dabei klirrten Gläser, Messer, Gabeln ... Olympia hatte hieher ein Frühstück beordert ... Der Mohr Chrysostomo wollte ihr durch eine andre Tür folgen ... Schon trug er ein Plateau voll Gläser und silberner Gefässe ... Die Herzogin ergriff wenigstens diesen und warf ihn zur Tür hinaus ... Dann schloss sie sämmtliche Türen so hastig, als fürchtete sie, ermordet zu werden ...
Nebenan lachte und sprach Olympia mit gellender stimme fast immer allein ... Sie tat wie jemand, der hier noch zu haus war ... Demnach wurde die Herzogin, da sie nicht von selbst ging, zum haus hinausgeworfen ... Hatte Olympia vielleicht erfahren, wer Benno war? ... Verdankte die Herzogin diese Demütigung Lucinden? ... War diese wirklich in ihr Leben eingedrungen oder woher dieser plötzliche Angriff, diese Scene ohne jede Vorbereitung? ...
Die Herzogin besann sich, dass Olympia dergleichen Stücke auch ohne alle Veranlassung auszuführen liebte ... Es konnte ein momentaner Einfall sein ... Sie hatte sich wahrscheinlich für einige Tage mit ihrer Schwiegermutter ausgesöhnt, hatte von dieser vielleicht eine Anerkennung für einen neuen pariser Kleiderstoff gefunden; daher ein gemeinschaftlicher "Carnevalsspass" auf Kosten einer person, "die der Lächerlichkeit zu verfallen" anfing ...
Die Herzogin weinte ... Sie dachte an die Jahre, die sie an dies Wesen dahingegeben, an die sorgenvollen Stunden, wenn Olympia krank gewesen ... Sie hätte, da sie deren natur entschuldigen und Ceccone dafür verantwortlich machen musste, diesem an den Hals fahren und ihn erwürgen können ... Sogar Lucindens Hass auf sie liess sie gelten; denn sie hatte abgelehnt, der Deckmantel eines Verhältnisses zum Cardinal zu sein ... Aber auch Lucinde wieder versöhnt mit Olympia? ... Olympia hatte damals diese Erklärung der Herzogin gebilligt. Die Herzogin hatte geglaubt, von Olympiens Eifersucht auf Lucinden Vorteil ziehen zu können ... Nun sah sie das Leben dieser Menschen des Müssiggangs und des Glücks, diese Zerwürfnisse, diese Versöhnungen um nichts ... Um irgend ein auf der Villa Torresani gesprochenes Schmeichelwort Lucindens war Olympia im stand zu sagen: Was ist das nur mit der Herzogin? Ihr Palast soll jetzt bald nur Ihnen und Sarzana gehören! Machen wir doch kurzen Process! ... Oder etwas dem Aehnliches war vorgefallen ... Männer waren zugegen, Priester ... Graf Sarzana sogar, der sie zwar immer kalt, aber doch höflich behandelt hatte ...
Sich aus diesem Zimmer entfernen konnte die Herzogin nicht, da das ganze Haus sich belebt hatte ... Von den Köchen der jungen Fürstin war ein Frühstück überbracht worden ... Ein Tross von Dienerschaft schien aufgeboten ... Dabei arbeitete man im Nebenzimmer zur Linken, klopfte, hämmerte – Es waren Schreiner und Tapezierer ... Die Gardinen wurden abgenommen, die Tapeten abgerissen ... Das Ganze war eine Unterhaltung des Uebermuts ... Wer konnte so schnell hier einziehen wollen? ... Die Declaration des Grafen Sarzana war doch wohl noch in einiger Entfernung ...
Vernichtet sank die mit Gewalt Verjagte auf ihr Kanapee ... Ihre Brust hob sich in hörbaren Atemzügen ... Sollte sie rufen: Megäre, lade noch deine Mutter zu deinem Gelage, die tolle Nonne drüben aus den Gräbern der "Lebendigbegrabenen"! ... Was half das alles! ... Sie hatte nicht einmal den Mut, dem alten Marco zu erwidern, der ihr am Schlüsselloch wisperte ... Sarzana, Sarzana! sprach sie wiederholt vor sich hin ... Auch Er lässt die Mishandlung einer Frau zu und isst und trinkt und stösst mit dem Teufel in Menschengestalt an! ... Sie malte sich das alles wenigstens so aus ...
Mit doppelt starker stimme, damit die Herzogin nebenan nichts davon verlor, rief beim Mahle Olympia und fast immer allein sprechend:
Wie viel Lösegeld würde wohl damals Don Pasquale für Sie gefordert haben, Signora Lucinda? ...
Wie sagen Sie, Graf? ...
Zum Gelde würde es gar nicht gekommen sein? ...
Sie hätten sie mit Ihrem Säbel herausgehauen? ...
Haha! Ich weiss noch ein anderes Mittel, falls die Herzogin mit gefangen gewesen wäre; ein Mittel, wodurch sie alles in die Flucht geschlagen hätte! ... Durch eine ihrer alten Arien ...
Schallendes Gelächter ...
Gewiss hatte sie auf meiner Hochzeit die Hoffnung, zum Singen aufgefordert zu werden ... Darüber vergass sie den Auftrag meines Mannes, mir die Anwesenheit des Cardinals Ambrosi anzuzeigen ...
Jetzt blieb alles still ...
Das war der Grund dieses plötzlichen grausamen Einfalls? ... Nimmermehr! sagte sich die Herzogin ... Oder doch –? ... Die Erhebung des Paters Vincente war auffallend genug ... Man schrieb sie der Absicht zu, dem neuen Grosspönitentiar, Fefelotti, zuvorzukommen, der diesen Mönch zur nächsten Cardinalswahl empfohlen hatte ... Ceccone hatte sich rasch des neuen Cardinals selbst bemächtigt ... Olympia hatte die Honneurs seiner Ernennung im dazu hergeliehenen Palazzo Rucca gemacht; alle Welt war verliebt in den schönen jungen Cardinal Ambrosi, der wie ein Ganymed, ein David im