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, diese nach ihrer Brautnacht zu begrüssen ... Sie durfte nicht fehlen zur Chocolade, die heute das junge Paar allen Gästen, die ihre Aufwartung machten und die Neuverbundenen mit lächelnder Zweideutigkeit nach ihrem Befinden fragten, in goldenen und silbernen Tassen mit eigner Hand zu credenzen hatte.

Fussnoten

1 Tatsache.

5.

In dieser "Stadt der Wunder" bewohnte die Herzogin von Amarillas einen dem Cardinal gehörenden, äusserlich dunkeln und ganz unansehnlichen Palast in einer der den Corso durchschneidenden Strassen zwischen Piazza Sciarra und der Gegend um Fontana Trevi ...

Mit seiner verschwärzten Aussenseite stand aber das heitere und bequeme Innere in Widerspruch ...

War der Torweg geöffnet, so sah man wohl erst einen kleinen düstern Hof, umgeben von einem hier und da von Marmorkaryatiden geschmückten viereckten Arcadengang von Travertingestein, sah in der Mitte ein kleines blumengeschmücktes Bassin, das ein wasserspritzender Triton aus Bronze dürftig belebte, sah Remise und Stallung kaum von den Arcaden bedeckt; aber die hinteren Fenster des einen Flügels gingen in einen hier ungeahnten kleinen Hausgarten von Rosen, Myrten und Orangen hinaus. Sie hatten ein volles, schönes Licht und gewährten im geräuschvollsten teil der Stadt ein friedlich beschauliches Daheim. Zudem war in der Einrichtung dieser hohen und geräumigen Zimmer nichts gespart. Es war eine wohnung, die verlassen zu müssen Schmerz verursachen durfte ...

Und doch konnte die Herzogin dies Ende voraussehen ... Der Cardinal behauptete seit einiger Zeit, ihre Augen nicht mehr ertragen zu können. Was Olympia von ihm gesagt, das sagte er von der Herzogin ... Ihre Augen hätten für ihn die wirkung des "Malocchio" ... Der Italiener hat vor dem "bösen blick" eine selbst von Aufgeklärten nicht überwundene Furcht ...

Diese üble wirkung ihrer Augen, von der sie hörte, erläuterte die Herzogin nur aus Ceccone's Gewissen. Wohl müssen meine Augen einen giftigen Eindruck auf ihn machen, sagte sie ihrem alten Diener Marco, der schon früher im Unglück bei ihr gewesen und nur des Alters wegen nicht damals mit nach Wien gefolgt war ... Meine Augen nennen ihn undankbar ...

Keineswegs wollte die Herzogin sagen, dass der "böse blick" eine Fabel ist. Als echte Italienerin glaubte auch sie an Menschen, die "Jettatore" heissen. Diese können Krankheit und Tod "anblicken" ... Sie hatte ihre alte Freundin und Gesellschafterin Marietta Zurboni schon lange begraben, aber die Fabel- und Traumbücher derselben waren ihr und dem alten Marco geblieben ... Konnte sie doch zittern vor Angst, als eines Tages Olympia, die ebenso dachte wie sie, sagte: "sehe' ich im Leben diesen Signore d'Asselyno wieder und er verrät, dass ich Wahnwitzige ihm in zwei Tagen meine ganze Seele zum Geschenk gegeben, so lass' ich die Erde aus der Stelle ausschneiden, die sein Fuss berührte, und hänge siein den Schornstein! ..." Um Jesu willen! hatte die Herzogin erwidert, du wirst solche Sünden unterlassen! ... Sie wusste, dass ein solcher Zauber einen Abwesenden langsam zum Tod dahinsiechen lässt ...

Olympia war nach dem ersten Rausch der Flitterwochen und den vorauszusehenden Zankscenen mit ihren Schwiegerältern ins Sabinergebirg gezogen ... Dort und im Albanergebirg besassen die Ruccas und Ceccone prächtige Villen ... Der welt- und menschenkluge Cardinal hatte zur Zähmung des wilden Charakters der jungen Fürstin angeraten, sie zu beschäftigen ... Er hatte (schon von der ihm immer vertrauter werdenden Lucinde) einige anonyme Briefe an sie schreiben lassen, in denen von Unterschleifen in der Verwaltung dieser Güter die Rede war ... Das wurde dann ein Feld für die erste unruhige Tatenlust der jungen Ehefrau ... Einige Wochen hindurch, vielleicht einige Monate konnte man Hoffnung hegen, dass sie sich auf diese Art in ihrer neuen Stellung als Fürstin und Gattin gefallen würde ... Bis dahin hatte sie ohne Zweifel mit den älteren vollständig gebrochen, hatte das Personal in der Rucca'schen Verwaltung umgewandelt, hatte soviel Scenen des Zanks, soviel angedrohte Dolchstösse, auch Fussfälle und Handküsse erlebt, dass sie vollauf damit beschäftigt war ... Lucinde und der Cardinal stimmten ganz in dem Serlo'schen Wort überein: "Die Seele des Menschen will gefüttert werden, wie der Magen" ...

Die Herzogin erzürnte den Cardinal immer mehr durch ihre Festigkeit, Lucinden als Mitbewohnerin ihrer Behausung abzulehnen ... Lucindens neuliches Wort von ihrem "Briefwechsel mit Benno" war beim Begegnen nicht wiederholt worden ... Der Schrecken über den gleichzeitigen Ueberfall durch die Räuber konnte ein Misverständniss veranlasst haben ... Das sagte sie sich zu ihrer Beruhigung ... Die "Abenteurerin", wie sie in der Tat Benno mehrmals genannt hatte, wurde auch auf Villa Torresani, einem Erbgut der alten Fürstin Rucca, wo die junge Fürstin wohnte, abgelehnt ... Lucinde wohnte mit der alten Fürstin beim Wasserfall von Tivoli, in einer andern Rucca'schen Villa, Villa Tibur ... Niemand kam nun noch zur Herzogin, da der Cardinal nicht kam ... Seltener und seltener kam sie auch selbst aus ihrem Palast heraus, in dem es gespenstisch öde und einsam wurde ... Wie musste sie bereuen, ein Wesen von so gefährlicher Schmiegsamkeit in die Kreise ihres bisherigen Einflusses gezogen zu haben! ... Lucinde wurde immer mehr die Seele in dem alten und dem jungen Rucca'schen Kreise ... Und wenn