von ihm verwaltete des Cardinals Oelmühlen – ... Als er sich zu viel Privatvorteil aus ihnen gepresst hatte, liess ihm der Cardinal die Wahl zwischen dem Tribunal del Governo oder der Heirat einer seiner vielen Nichten, die er n i c h t alle so auszeichnen und unterbringen konnte wie Olympia ... Ceccone trieb, das entdeckte ganz aus sich selbst Lucinde, die Ostentation mit d i e s e r Nichte nur deshalb, weil so der Schein gewonnen wurde, als hätte er überhaupt nur Eine dergleichen zu versorgen! ... Der Cardinal lachte überlaut, als ihm Lucinde zwei Tage nach dem aufgesetzten Purpurhut diese Andeutung mit einem verschämten Blinzeln durch die Finger ihrer vors Gesicht gehaltenen linken Hand gab ... Ein dritter Verwandter des Grafen war durch Verheiratung mit einer andern Geliebten des Cardinals Aufseher aller Häfen geworden ... Und Don Agostino? ... Pah, dachte Lucinde, sieht Ceccone ein, dass du nicht, wie hier Sitte ist, durch eine Verheiratung mit seinem Majorduomo oder seinem Koch zu erobern bist? ... Sollst du desshalb, desshalb die Gräfin Sarzana werden –? ... In diesen Grübeleien lebte sie jetzt ... Es gab Entschlüsse zu fassen fürs Leben ... Es standen Erwägungen bevor, die die ausserordentlichste Anstrengung des Verstandes, der List, der Berechnung, vielleicht – des Herzens kosteten ...
Sie hatte noch keinen klaren Entschluss gefasst – ... Aber das stand fest: Benno von Asselyn urteilt gering über dich und seine Mutter infolge dessen lächelt und zuckt dir die Achseln! ... Das soll nicht mehr sein! Dies Lächeln der Herzogin von Amarillas soll ihr ein für allemal verdorben werden! ...
Lucinde wollte auf Villa Rucca den beiden ihr so nahe stehenden Mönchen die Teilnahme alter Freundschaft und Dankbarkeit nicht versagen, sich aber im übrigen durch sie vergewissern, ob die Herzogin jene Betrogene von Altenkirchen, jene Römerin war, von der auf Schloss Neuhof soviel Sagen gingen, die Hubertus doch wohl wissen musste ...
Einen fatalen Eindruck machte es ihr jetzt beim Anfahren, dass sie die Villa Rucca keinesweges in der Stille antraf, die sie zur Ausführung ihrer entschlossenen Absichten bedurft hätte ... Nicht nur wurden eben von einer Menge Arbeiter die Spuren des gestrigen Festes, entfernt, sondern auch eine Gerichtscommission war zugegen, die die gestrigen Vorfälle aufnahm und der nun gerade ihr erscheinen zu statten kam, um von ihr noch einige an sie gerichtete fragen beantworten zu lassen ... Der Cardinal sogar und der alte Fürst Rucca waren zugegen ... Sie hörte schon, dass beide am Ort des gestrigen Ueberfalls mit den Mönchen Hubertus und Vincente im Gespräch verweilten ... über Sebastus erfuhr sie, dass es mit seiner Wunde nicht gut stand und die Benfratellen jeden Augenblick erwartet wurden, ihn abzuholen ...
Auch dem Cardinal und dem Fürsten war sie im höchsten Grade und als Dolmetscherin willkommen ... Beide suchten mit dem drolligen Laienbruder, dessen Aeusseres vom Dienertross belacht wurde, eine Verständigung, die Pater Vincente nur mühsam vermittelte ... Lucinde wurde sofort gerufen, in den Garten zu kommen ...
An der Stelle des gestrigen Erlebnisses harrten ihrer die drei geistlichen Herren und der alte Rucca im lebhaftesten Gespräch ...
Hubertus grüsste sie mit aufrichtigster Freude und drückte nur mit Trauer Befürchtungen wegen seines Freundes Sebastus aus ... Seine Augen sagten: Sei dankbar! Es geschah alles um dich! bleibe uns ein guter Engel! Entsende den Brief – wenn er noch nötig ist – Deinen Verbindungen gegenüber! Du weisst, was wir beide seit Witoborn gemeinschaftlich zu tragen haben! ...
Lucinde beglückte und beruhigte ihn durch einen ihrer gütigsten Blicke ...
Pater Vincente und der Cardinal erhielten von ihr die Ehren, die der kirchlichen Stellung derselben gebührten ... Pater Vincente – "der Rival Ihres Bonaventura um die nächste vacante Heiligenkrone" –! wie neulich Olympia zur Herzogin gespöttelt hatte – Ceccone das Bild des Versuchers, der mit einiger Reserve über alle Schätze der Erde gebietet ... Lächelnd stand er und schien Lucinden mit geheimnissvollen Zeichen begrüssen zu wollen ... Aber sie blieb voll Demut ...
Der alte Fürst war wie ein luftschnappender Hecht, der sich nicht in seinem Elemente befindet ... Vor dem heiligen Pater Vincente musste er Ehrfurcht bezeugen und ärgerte sich doch, dass dieser nicht geläufiger deutsch verstand ... Mit gemachtem süsssauern Lächeln verwies er Lucinden auf den von Pater Vincente vorgetragenen Stand einer Verhandlung, der zufolge sie erfuhr, dass der Räuberhauptmann Pasquale Grizzifalcone in der Tat nach Rom gekommen war auf Veranlassung – zunächst des Fürsten Rucca ...
Sie traute ihrem Ohre nicht ... Der Fürst versicherte jedoch ungeduldig: Ebbêne! und wendete sich zu Vincente mit einem drängenden Parla dunque! nach dem andern ...
Lucinde hörte, dass der berüchtigte Verbrecher, der schon vielfach sein Leben verwirkt hatte, hier auf dieser Villa erwartet worden war zu einem friedlichen Gespräch, das der Fürst mit ihm unter vier Augen hatte halten wollen ...
Pasqualetto, wie er im mund des Volkes hiess, hatte die Bürgschaft der Sicherheit verlangt ... Diese hatte er erhalten auf das dem Fürsten gegebene Ehrenwort – des Cardinals ...
Dieser nickte ein Ja! und setzte sich jetzt ...
Zur Summe, die der Räuber als Bedingung seines Erscheinens verlangte, hatte dieser "dumme Kerl", wie der