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... Damit setzte er Lucinden den schönen Helm des Offiziers auf ...

Eine Purpurglut überfloss sie ... Ihre verunglückte Johanna d'Arc auf der Bühne stand wieder vor ihr ... Sie hatte keine Kraft, ein Wort zu sprechen, keine Kraft, den Helm wieder abzunehmen, bis es Herzog Pumpeo tat ... Der Cardinal hatte den seinigen ergriffen ...

Seit dieser Zeit wurde sie mit "Gräfin Sarzana" geneckt und von niemand mehr als von Ceccone ... Der Graf, der sie nach dieser Scene anfangs auffallend gemieden hatte, fing plötzlich sogar selbst an, den Scherz wahrmachen zu wollen ... Er zeichnete sie aus ...

Lucinde wusste, dass Don Agostino ein Graf "ohne Baldachin" war, d.h. ohne Stellung zum hohen römischen Adel. Ein Marchese ist mehr als ein römischer Graf. Sie wusste, dass Graf Sarzana arm war und unter Cavalieren nach dem Schlag des alten Husarenrittmeisters von Enckefuss lebte. Galanterie und die Kunst, mit 1500 Scudi für sich und ihre Diener auszukommen, erfüllte das Leben dieser "armen Ritter" – unter denen sich Frangipanis und Colonnas befinden ...

Wie sich aber die Neckereien mit der "Gräfin Sarzana" mehrten, trat ihr die Vergleichung des alten Enckefuss mit diesen römischen Rittern noch in einer andern Beziehung entgegen ... Der alte Husarenrittmeister hatte Ehrgeiz, Ritterlichkeit, Treue, Aufopferung für gute Freunde, Tugenden, die die Fehler seines Leichtsinns vergessen liessen ... Seltsam aber, sagte sie sich, diese romanische Art besitzt von alledem wenig oder gar nichts und regiert doch die Welt! ... Die anständigsten Menschen hatte Lucinde hier gewinnsüchtig und schmutzig geizig gefunden; ein gewisser Adel der Auffassungen, der ihr selbst noch in der äussersten Entartung des heimischen Junkertums, im Kronsyndikus, bei ernsten Krisen erinnerlich war, fehlte hier ... Sie sah anständig gekleidete Männer Abends in die Kaffeehäuser zu den Gästen treten, die Achsel zucken und den Hut hinhaltenum einen Bajocco zu erhalten ... Selbst die Herzogin von Amarillas fand in solchen Vorkommnissen nichts als die allgemeine Consequenz des südlichen Lebens ... Mit dem äussern Schein der Demut verband sich, wo Lucinde hinblickte, eine Gewöhnlichkeit der Anschauungen, die selbst ihre leichte Art zu denken und zu urteilen noch überschritt ... Im Teater, das sie wegen Olympiens Koketterie besuchen musste, sah sie zwanzig Tage hintereinander dieselbe Oper oder Farce ... An manchen Stellen, wo Rührung hervorgebracht werden sollte, zitterten wohl die Stimmen der Sänger, der Schauspieler; die Taschentücher wurden gezogen; aber meist waren es Ausbrüche von Klagen, die ihr weit eher lächerlich vorkamen ... Anderes wieder, das selbst für sie roh und herzlos erschien, ging bejubelt oder als "grossartig" vorüber ... Massstab aller Beurteilungen war die Klugheit oder Dummheit, die man bewiesen. Eine geschickt ausgeführte List erntete Bewunderung ... Und nicht anders im täglichen Leben. Der alte Rucca war, wie alle sagten, ein Gauner. Er stand im besten Einvernehmen mit den Cardinälen ... Sein Sohn hatte die Eitelkeit eines Affen. Seine Kameraden waren ebenso. Anmassung, Unwissenheit überall ... Einige der römischen Junker trieben Politik und hielten sich zur "nationalen" Partei. Ihre Unzufriedenheit bestand darindass im sankt-Peter bei grossen Festlichkeiten "die Gesandten und die Fremden die Plätze erhielten, die ihnen gebührten"! ... Oder sie fanden, dass der Kirchenstaat zu sehr von Paris, Neapel und Wien beherrscht wurde; sie wollten die herrschaft der alten Geschlechter wiederherstellen. Selten, dass sich einmal bei der Herzogin eine unterrichtete Persönlichkeit einfand. Die "Prälaten" besassen Kenntnisse, mehr noch, angeborenen Geist; aber eine Einbildung verband sich damit, die jedes Mass überschritt. Nach ihnen war jede Wissenschaft zuerst in Italien entdeckt worden ... Wenn Cardinal Ceccone "auf sein Alter Neuerungen liebte", so bestanden diese nur in dem eifrigsten Verlangen, den Einfluss der fremden Cabinette zu beseitigen ... Seitdem hatte freilich der Staatskanzler auch ihm von dem "Salz" gesprochen, das auf das dem Erdboden gleichzumachende Mailand gesäet werden müsste ... Doch ging alles so keck, so sicher, so massgebend her! ... Diese elende Verwaltung! ... Die Zölle befanden sich in den Händen von Pächtern, die so rücksichtslos verfuhren, dass Zahlungsunfähige wider Willen zu Flüchtlingen, Räubern und Mördern wurden ... Auf Anlass des gestern von Hubertus niedergeschossenen Pasqualetto wusste Lucinde zwei Tatsachen. Einmal dass sämmtliche fremde Weine, die Ceccone trank und seinen Gästen vorsetzte, unversteuerte waren. Zweitens dass Graf Sarzana gesagt hatte: Diese Kugel hat den Pasqualetto für seinen letzten Räuberspass zu früh gestraft! Er wollte ja von morgen an ehrlich werden! Er war nur hier, um nach Porto d'Ascoli mit einer Pension zurückzukehren! ...

Die scharfen und freisinnigen Urteile des Grafen kamen nur in vereinzelten Augenblicken ... Sie schienen einer Stimmung des Hasses gegen den Cardinal zu entsprechen, des persönlichen Hasses; denn die sämmtlichen Sarzanas waren Creaturen des Cardinals und ihm auf Tod und Leben verpflichtet ... Don Agostino hatte Verwandte, die nicht gerade des Abends in den Kaffeehäusern achselnzuckend bettelten, aber für jede gefälligkeit eine Bezahlung verlangten ... Die Schwester des Grafen war eine Geliebte Ceccone's gewesenalt geworden hütete sie seine Landökonomieen ... Ein Bruder