1858_Gutzkow_031_722.txt

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Die Alten bezahlen!

Die Alten bezahlen,

Nur müsst ihr nichts sehen

Nur müsst ihr nichts hören

Weiter kam diese Lästerung auf Ceccone nicht ... Nun war die "Tochter der Luna" und die "Creolin" auch die "blaue Eidechse" und sogar eine "Frömmlerin" ...

Der Graf und der Herzog wandten sich armverschränkt beide dem linken Flügel der "Brezel" zu, wo erstens die Champagnerströme reichlicher flossen, zweitens die alte Fürstin Rucca, zornig mit den Augen runzelnd, auf Pumpeo, ihren Ritter, wartete und drittens eine wahre Batterie von Schwärmern losplatzte ... Das gab ein Angstgeschrei, bei dem die mutgebenden Soldaten nicht fehlen durften ...

Der Bräutigam kam inzwischen mit einer Dame zurück, die heute nicht zu den freudestrahlenden gehörte ... Auch die Toilette der Herzogin von Amarillas verriet ihre Trauer ... Die Veilchen sind eine Blume, vor der bekanntlich jede Römerin, obgleich an Blumenduft gewöhnt, eine bis zur Ohnmacht gehende Abneigung hat; dennoch war das schwarzseidene Kleid der Herzogin ganz von blauen Veilchen durchwirkt; schwarze Spitzen sassen am Leibchen und am Rock ... Auch die grauen Haare waren in schwarze Spitzen eingehüllt ... Und nur um den Cardinal nicht zu sehr zu einem jener Blicke zu reizen, die ihm zuweilen bis zum Tod verwundend zu Gebote standenseit einiger Zeit war er in dieser Art gegen sie wie ein Skorpionhatte sie dem Anlass der Freude, die zur Schau getragen werden sollte, das Opfer gebracht, Hals und arme mit dunkelroten Korallen und die Spitzen, die das graue Haar verhüllten, mit frischen Granatenblüten zu schmücken ... Warum soll sie erfahren, sagte sie in ihrem bei alledem stolzen und festen Tone, dass Pater Vincente zugegen ist? ...

Sie ist so verdriesslich ... fiel der besorgte junge Ehegatte ein ... Wir müssen es ihr auf alle Fälle sagen ... Durchaus ...

Die Herzogin erwiderte nicht minder mismutig:

Sie kennen die Bescheidenheit des heiligen Mannes ... Olympia wäre fähig, ihn in die Gesellschaft zu rufen und mit ihmzu kokettiren! ... Das letzte Wort unterdrückte sie freilich ...

Sie will ihn zum Cardinal machen ... Ehe es Fefelotti ohnehin tut ... Wir müssen ihn aufsuchen ...

Tun Sie das nicht! sagte die Herzogin. Ich werde es ihr selbst sagen und dann hören, was sie etwa wünscht ... Die Ernennung zum "Cardinal" überraschte sie nicht ... Sie kannte die Maxime der ehrgeizigen Cardinäle, für die Papstwahl entweder sich selbst in Bereitschaft zu halten oder, falls sie unterliegen sollten, irgendeine unschädliche, ihnen verpflichtete Puppe ... Pater Vincente's geschichte war dem Klerus ganz Italiens bekannt ...

Das Feuerwerk entfaltete sich noch nicht in seinem vollen Glanze ... Die Bravis erschollen von nah und fern nur noch wie Ironie über die Verzögerung ... Das Gewühl des volkes wurde grösser und grösser ... Dabei gingen die abgetragenen Schüsseln bei den Mönchen und Repräsentanten der Spitäler und Bettlerherbergen um ... Schon begannen unter knallenden Champagnerkorken die Austeilungen ... Manche der devoten Frauen, der "Beaten", beteiligten sich selbst an der Uebermittelung der Gaben ... Ihre goldbetressten Diener standen dann zur Seite und überwachten die glänzenden Schmuckgegenstände, die sie trugen ...

Olympia, die "Braut von Rom", besass entweder die Reizbarkeit aller kleinen Gestalten, im Gewirr vieler Menschen nicht mit den ihnen gebührenden Ansprüchen hervortreten zu können, oder ihre Stimmung war in der Tat voll äussersten Verdrusses ... Sie lief nach rechts und nach links, redete mit diesem und mit jenem und trug auf der Stirn den ersichtlichsten Ausdruck einer leidenschaftlichen Nichtbefriedigung ... Ganz so mürrisch, wie sie heute in der Frühe in der Kirche Apostoli den Ceremonien der Trauung beigewohnt hatte, sah sie jetzt das "Bouquet" des Festes, das Feuerwerk herannahen ... Schon mahnten die Schwiegerältern, dass es passend wäre, sie führe ganz in der Stille während des Feuerwerks mit ihrem Gatten in das Palais der Stadt, das sie in der Nähe des Pasquino bewohntenjenes alten Steinbildes, an dessen Fuss seit urältesten zeiten die Satiren Roms angeklebt werden und von dessen Sockel die Polizei seit einigen Tagen jeden Morgen in erster Frühe Spottverse abgerissen hatte, die den Cardinal ernstlich an die zeiten mahnen liessen, wo Sixtus der Fünfte solchen Pasquinospöttern die Zunge ausreissen liess ... Gerade vor diesem Augenblick der Abfahrt schien aber Olympia Furcht wie zum Entfliehenmüssen zu haben ... Sie stand niemand Rede ... Dem Gatten nicht ... Dem triumphirenden – "Onkel" nicht ...

Ceccone weidete sich an seinem Liebling, dessen Bewegungen und erscheinen sich wenigstens durch das Rauschen des schweren Seidentaffetkleides ankündigten, das sie unter ihrer Brautrobe von Spitzen trug ... Noch wehte ihr wie bei der Trauung und der ersten Messe, die das junge Paar anhören musste, wie bei den conventionellen Andachten, die den Tag über an gewissen grossen Altären und bei dem Besuch Sr. Heiligkeit, um den Segen des armen mit Tüchern umwundenen Mannes zu bekommen, gemacht werden mussten, der kostbare Spitzenschleier im Haarstatt der Myrte war er jetzt von einem Kranz von Orangenblüten umgeben ... Schon welkte dieser; schon welkten die gleichen Bouquets, die auf dem Kleide in gewissen Zwischenräumen zur Seite sassen;