er den seiner person so schmeichelhaften Volksjubel und die Ausspielung der silbernen Uhren hatte controliren wollen ...
Wir werden das meiner Frau sagen müssen! fuhr er, vom Champagner erhitzt mit Lebhaftigkeit fort ... Erführe sie die Anwesenheit des Paters und dieser ginge, wie er gekommen, so wäre sie im stand, mir die erste Gardinenscene zu machen ...
Die Abbés und Prälaten lachten über die Wonne, mit der jeder junge Ehemann von zwölf Stunden fortwährend den Begriff: "Meine Frau" im mund führt ...
Inzwischen stiegen immer mehr Leuchtkugeln auf und das Feuerwerk schien seiner Entfaltung nahe zu sein ... Draussen riefen Tausende von Stimmen und klatschten bereits im voraus Beifall und die Musik fiel mit schmetterndem Tuschblasen ein ...
Der alte Rucca und die Fürstin Rucca Mutter – die jedoch noch keineswegs Matrone sein wollte und ihren Cavaliere servente aufsuchte, um ihm eine Strafrede für Vernachlässigung zu halten – schossen hin und her, sahen nach der Ordnung, sahen nach dem Aufbewahren der Speisereste – "für die Armen" – Der Schwiegervater Olympiens war bis zum Excess ökonomisch ... Der kleine Mann mit einer orientalischen Habichtnase und dem Band des Gregoriusordens über der Brust klagte allen Prälaten über seine Domäne, die Zölle der adriatischen Küste ... Man nannte ihn gewöhnlich den "Blutsauger" ... Dies war ein Titel, der ihm gerade vor andern, die ihn ebenso verdienten, keinen Vorzug gab ... Nie aber hätte sich allerdings gerade der alte Fürst Rucca auf der Küste von Comacchio bis Ferrara sehen lassen können, ohne Gefahr zu laufen, von den Schmugglern und seinen eigenen Zollbedienten tot geschlagen zu werden ...
Aber auch dieser alte Herr horchte mit dem schalkhaftesten Lächeln seines Nussknackerkopfes sowohl nach der Erwähnung des Pater Vincente wie nach dem Unterricht der "Creolin" hin – er wusste ja, dass es eine Deutsche war ... Seinem Sohn rief er gelegentlich ein heimliches: Asino! nach dem andern ins Ohr, besonders wenn dieser die Monsignori vom Steuerwesen, den Finanzminister Roms, den Cardinal Camerlengo, nicht genug zu honoriren schien ... "Maulesel" nannte er ihn sogar, wenn er zu wild um Olympien her "trampelte" ... Klagte nun der junge Ehemann über die "schlimme Laune" seiner Frau, so schrieb der Alte das mit eigentümlichem Meckern auf Rechnung aller Bräute am Hochzeitstag ... Dies Meckern machte, dass seine Nase und sein Kinn sich küssten und die Mundwinkel zurückgingen fast in die Ohren ... Der Cardinal Camerlengo, düster brütend wie Judas Ischariot, der auch zuweilen nicht wissen mochte, wie er den Seckel für den ersten Kirchenstaat von dreizehn Personen füllen sollte, scherzte jetzt: Sie sind so guter Laune, Fürst? Im nächsten Jahr verlang' ich eine Million mehr! Die zeiten werden schlechter und schlechter! Wir müssen aufschlagen, Hoheit Generalpächter! ...
Der alte Fürst drückte sein "Wie kommen Sie mir vor?" mit einer charakteristischen Geberde aus, die zwar stumm war, aber das ganze anwesende geistliche Ober-Finanz-Personal des Kirchenstaates lachen machte ...
Der Vielseitigkeit seines Geistes entsprach sein Sohn keineswegs ... Ercolano Rucca war von Wien beschränkter als je zurückgekommen ... Er konnte überhaupt immer nur Einen Gegenstand im Kopf haben ... War dieser erledigt, erst dann kam er auf den zweiten ... Oft aber dauert es bekanntlich Tage und Wochen, bis in dieser sublunaren Welt unter hundert Sachen Eine gründlich durchgesetzt ist ... Principe Ercolano sprach dann tage- und wochenlang nur von dieser Einen Sache, z.B. von der Kunst, Handschuhe zu verfertigen aus Rattenleder, was eine idee war, die der Verwaltung des Steuerwesens Mut geben sollte, die nördliche Generalpacht im haus der Rucca's erblich zu lassen ... Jetzt suchte er nur noch nach der Herzogin von Amarillas, die wegen Pater Vincente um Rat gefragt werden sollte ... Graf Sarzana hatte soeben noch mit der Herzogin gesprochen ... Auch die alte Fürstin suchte die Herzogin – wie deren Cavaliere servente, Herzog Pumpeo, versicherte – Dieser Herzog Pumpeo wollte in gerader Linie von Pompejus abstammen; auch er war ein armer Nobelgardist, aber ein Crösus an guter Laune und für Se. Heiligkeit selbst ein Spassmacher, wenn gerade an ihn der Dienst im Vorzimmer oder bei der kleinen Garçontafel des Stellvertreters Christi kam ... Se. Heiligkeit liess übrigens damals den Cardinal Ceccone schalten und walten – und um nichts zu verschweigen, sagen wir es offen und aufrichtig: Der "Zauberer von Rom" war bitter krank ... Der "Träger der Himmelsschlüssel", der "Patriarch der Welt", der "Vater der Väter", der "Erbe der Apostel", der "Hirt der Heerde", war ein armer Mensch; er fürchtete den Gesichtskrebs zu bekommen1...
Heda, Kamerad! ruft bei alledem champagnerberauscht Herzog Pumpeo dem Grafen Sarzana zu. Ich sehe die blaue Eidechse da, wo die Schwärmer prasseln! ... Hu, wie sie erschrickt! ... Dort huscht sie zu den Mönchen hinüber, von denen sie einer vielleicht in seinen Sack steckt und nach Santa-Maria trägt ... Sie ist eine "Beate" (Frömmlerin) ... Alle Eure Mühe, sie zu bekehren, scheint mir vergebens, Bruder – oder soll's vielleicht heissen:
Freut Euch, ihr Jungen