sich und die Galanterieen ... Das die Gemahlin des Fürsten Doria, eine Engländerin, hoch und stolz, sogar mit einem Orden geschmückt ... Dort die Fürstin Chigi, deren Urahnen unter dem wilden Papst Julius II. ihren Gästen bei solchen Gelegenheiten Ragouts von Papagaienzungen vorsetzten und die gebrauchten Silbergeschirre in die Tiber werfen liessen – "Jetzt würden sie vorsichtiger sein", spottete schon oft Ceccone ... Napoleoniden fehlen nicht ... Ceccone gibt ihnen mit lächelnder Grazie Andeutungen, wie ihre demokratischen Bestrebungen ihm in Wien Gegenstand empfindlichster Vorwürfe für das Cabinet der gekreuzten Schlüssel gewesen wären ... Neulich hatten Räuber den Prinzen von Canino (Lucian Bonaparte) in seiner Villa Rufinella aufheben wollen ... Der Cardinal scherzt eben darüber mit ihm und sagt: Wenn man eine Million Lösegeld verlangt hätte, würden Eure Hoheit vielleicht nicht den "Congress der Naturforscher" in Pisa begründet haben, der ja wohl den Anfang der "Einheit Italiens" bilden soll! ... Ein scharfes Wort, harmlos vorgetragen, und doch so drohend, dass der Prinz hinter dem Mann im roten Käppchen und in rotseidnen Strümpfen eine bedenklich ernste Miene macht ...
Saht ihr diese Miene? Ihr Piombino, Ludovisi, Odescalchi, Ruspigliosi –? ... Alle diese Namen, die freilich in den Listen des "jungen Italien" fehlten, fehlten doch nicht bei dem Widerspruch, den das Priesterregiment Roms seit tausend Jahren bei den Adelsgeschlechtern findet ... Den Gesprächen zufolge hätte niemand an die Stadt der sieben Hügel denken sollen ... Sie betrafen Teater, Concerte, Moden – aber doch auch Räuber, die nächsten Segnungen des heiligen Vaters, die reservirten Plätze bei den grossen Kirchenfesten ...
Die lebhafteste Conversation führten die Offiziere und die Geistlichen ... Letztere, Rot- und Violettstrümpfe, sind gegen die Damen fast noch zuvorkommender, als die erstern, die vorzugsweise der Nobelgarde Sr. Heiligkeit angehören – schlanke hohe Gestalten, jüngere Söhne der Aristokratie; nur ihrer achtzig; aber Schooskinder der römischen Gesellschaft, Tonangeber aller offenen Freiheiten, die sich noch unter dem Priesterregiment gestatten lassen – der geheimen gibt es genug – die Begleiter Sr. Heiligkeit auf Reisen, die Anführer seiner öffentlichen Aufzüge – ein Graf Agostino Sarzana darunter – in goldstrotzender zinnoberroter Uniform mit blauem Kragen, weissen Beinkleidern, den schönen Römerhelm, mit schwarzen hängenden Rosshaaren und dem kleinen weissen Seitenbüschel daneben, schon in der Hand ... Das Souper war zu Ende ... Alles drängte dem Garten und dem Feuerwerk zu ...
Graf Agostino Sarzana war es, der eine Dame verfolgte, die sich nach dem Ausspruch Sr. Eminenz des regierenden Cardinals heute ausnahm wie eine "Tochter der Luna" ... Die Dame verschwamm im blauen Aeterlicht wie ein Gedanke voll Ahnung ... Sie tauchte auf, da und dort – und verschwand wieder in den dunkelgrünen und blauen Schatten wie die Luft ... Ihre Toilette war der Anlass dieser Vergleichung des Cardinals, der sie gleichfalls mit Feueraugen verfolgte, wenn er sie auch nicht vor den vielen andern anwesenden, die seinem Herzen und – Beutel teuer waren, allein auszeichnete ...
Die Tochter der Luna, der Keuschen, deren heidnischen Ruf Ceccone als Priester der Christenheit nicht zu schonen brauchte, indem er ihr eine Tochter gab, trug ein blassblaues Kleid von Donna-Maria-Gaze, einem durchsichtigen, damals neu erfundenen Seidenstoff, übersäet mit kleinen silbernen Sternchen ... Das Kleid war nicht ausgeschnitten; es verhüllte, der keuschen Luna schon entsprechend, Formen, die sich dennoch verrieten ... Als einziger Schmuck blinkte im dunklen Haar ein einfaches Diadem von blankem Silber, in Gestalt eines Halbmonds ... Es war ein Kopf, der sich mit seinem glattliegenden Scheitel und dem kräftig gewundenen Knoten im Nacken wie eine lebendig gewordene Statue aus den ägyptischen Sälen des Vatican ausnahm ... Um die dunkeln Augen lag eine gewisse erhitzte Röte, wie sie bei leidenschaftlichen Naturen vorkommt ... Die Stirn war schmal; die Wange ebenso etwas zusammengehend, aber sanft zum spitzen Kinn niedergleitend; die untere Lippe trat mit Mut und Trotz hervor ... Es gibt plastische Gesichtsformen, die nicht altern ... Das Schönste war die Länge der Gestalt ... Die Dame war pinienhaft schlank ...
Graf Sarzana will unserer "Creolin" Unterricht im Italienischen geben? scherzte der Cardinal so laut, dass es alle Umstehenden hörten ... Die "Creolin" war wieder ein neues Stichwort für die "Tochter der Luna" und diesmal kam es vom Monsignore Bischof Camuzzi, dem ersten Secretär des Cardinals, der als Missionar Westindien bereist hatte ...
Eminenz, sagte Graf Sarzana, der schlanke junge Mann mit atletisch breiten Schultern, auf denen bei jeder seiner Bewegungen die goldenen Epaulettes hinund herflogen, und strich sich den martialisch gezogenen Schnurrbart, Eminenz haben die Absicht, die ganze Welt zu reformiren! Auch die Garde Sr. Heiligkeit! Wenn ich noch länger in diesen Fesseln schmachte und nicht erhört werde, geh' ich nach SanPietro in Montorio, nach dem die Dame mich soeben gefragt hat ...
Auf diese scharf betonte Lokalität und überhaupt auffallend grell gesprochenen Worte des Ritters Sr. Heiligkeit fistulirte ein Stimmchen nebenan:
Ja, in der Tat! Pater Vincente ist ja da! ...
Dies Stimmchen gehörte dem Bräutigam, der den Namen des bezeichneten Klosters gehört hatte und eben von der Pforte kam, wo