andern Klöstern bedacht werden würde ... Olympia zeichnete reuevoll sein Kloster aus ... Ihn bedrohte, das sagte man seit einiger Zeit, in der Tat der Hut des Cardinalats ...
Bei Klingsohr – wie war da nun freilich die Erinnerung dahin – an Goete's Campanella –! ... Dieser schreckhafte Leichenzug – und jene Römerin, auf deren rücken der Dichter des Faust hier einst Hexameter getrommelt zu haben vorgab, die Goete, Klingsohr wusste es, erst in Weimar auf dem rücken der "Dame Vulpius" trommelte, passten nicht zusammen ... Memento mori! ... Auch Goete hat es erfahren! sagte sich Klingsohr sinnend zum Capitol aufsteigend ... Hier, wo er den Becher der Lebenslust, kurz vor dem Scheiden der männlichen Kraft, in seinen vierziger Jahren noch einmal wie ein Sohn der Griechen getrunken hat, hier musste er ja dem einzigen Sohn, dem Sohn jener in römische Reminiscenzen maskirten Türingerin, an der Pyramide des Cästius, dem Begräbnissplatz der Protestanten, eine wahrere Grabesinschrift setzen ... Hier starb Goete's einziger Sohn ... Flüchtig zog und fast schon von ihm in Rhytmen gebracht der Gedanke durch seine Seele: Wo nur find' ich den Wirt zur Campanella! Der
Wo ich Falerner gesucht – "Lacrymä Christi" nun fand! Firnen aus Golgata! Nicht aus den Trauben der Schlacke,
Die der Vesuv uns schenkt, leidenschaft, wenn sie
verglüht!
Deutscher Apoll! Hier war's, hier hast du Verse getrommelt –
Auf der Römerin Leib – schwelgtest in seliger Lust – Und erfuhrst nur dein Maass! Die Pyramide des Cästius
blieb das Ende vom Lied! blieb der Morgen der Nacht –! Wahrheit und Lüge! O wohl, so mürrisch strafen die Götter!
Wandle gegen Rom, o Mensch! Rom ist der Mensch und die
Welt!
Ein tiefes, tiefes Schweigen folgte nun ... Glocken hallten von den Türmen ... Man erstieg einen Calvarienberg – das sind die Stufen zum Capitol ...
Zur Linken wohnt – der heimatliche Gesandte, auf dessen Autorität vor drei Vierteljahren drei Gensdarmen am Ponte Molle auf die deutschen Flüchtlinge gewartet hatten! ... Zur Rechten – der tarpejische Felsen, der jetzt derselben Krone gehört ... Wie schüttelte Sebastus all diesen "Staub" von seinen Füssen! ... Wie hatte er für ewig dieser "ghibellinischen" Welt entsagt! ... Das Capitol! rief er und über seinen Sandalen schmerzte ihm der Fuss, so trotzig stampfte er vor dem Wappen seines Landesherrn auf ...
Da lag ein mittelalterlich Haus vor ihm, die Stätte des gebrochenen Capitols ... Einige Brunnenstatuen vor ihm und ein kleiner Platz, auf dem, vom Mond beleuchtet, Marc Aurel zu Pferde sitzt – Ein Gelehrter, der über dem Studium der Philosophie seine alten Schlachten vergass! sagte Klingsohr mit Hindeutung auf die ihm nicht kriegerisch erscheinende Haltung des Reiters und auf – "Euern Friedrich, den sogenannten Grossen –!"
Jetzt schlug es elf ...
Bergab ging es auf die Trümmerstätte des alten Forums ...
Ein Leichenfeld! sprach Pater Vincente ...
In seinen Erläuterungen ging er nicht über Petrus und Paulus hinaus ... Die Gracchen – Cicero! ... Das musste sich Klingsohr selber sprechen ... Sein blick starrte dem Untergang der Erhabenheit ...
Hubertus kannte von den alten zeiten nur so viel, als nötig war um zu begreifen, dass hier die begrabene Macht eines alten Volkes lag, das einst die Welt beherrschte ... Zertrümmerte Portale, einsame Säulen, Triumphbögen mit zerbrochenen Statuen ... Am Tag ein wüst erschütternder Anblick, den jetzt das Zauberlicht des Monds verklärte ... Dort oben auf dem Palatin wohnten die weltgebietenden Cäsaren ... Ein magisches Goldnetz hält die grünen Hügel und die Steine umwoben ... Wären diese vom Corso herüberrasselnden Wagen, diese lachenden Menschen nicht gewesen, die zu spät zu kommen fürchteten zu der auf Mitternacht angesetzten Hochzeits-Girandola, die durch die Fenster eines am milchblauen Himmel auftauchenden dunklen Gebäudes schon zu beginnen schien, wenn ein Knabe rief: Eine Leuchtkugel! – Der Knabe meinte einen Stern, der so plötzlich durch die Oeffnungen des Coliseums blinkte ...
Das Coliseum! ... Sebastus hätte wünschen mögen, Niemand hier zu sehen und zu hören und nur allein zu wandeln ... Allein mit Livius und Niebuhr ... Da ein Tempel, dort eine Basilika ... Wie mag es hier einst gesummt haben, als die Comitien des volkes versammelt waren und die Consuln Roms gewählt wurden! ... Wohin entlässt uns dies Tor? flüsterte er ... Ist es nicht der Triumphbogen des Titus, als er Jerusalem zerstört hatte? ... Sein "Credat Judaeus Apella" fiel ihm ein ... Doch der "Virtuose im Glauben" – hier hatte er keinen Zweifel zu hegen nötig. Da an der Wand des Tors sah er den siebenarmigen Leuchter, den Tisch, die Schaubrote, die Jubeljahrposaunen, die Bundeslade ... Die erhabene Stelle war's, wo sich Jupiter und Jehova so nahe berührten! ... Aber – kein Jude geht gern unter diesem Bogen hinweg, kein Jude blickt gern auf jenes Riesengebäude, das dreissigtausend gefangene Juden gebaut haben sollen ...
Was Vincente so und ähnlich erläuterte, wusste Klingsohr alles ...
Aber kaum