des Heiles steht! Hier darfst du ja, verlorene Welt, nur Schafhürden und Ställe suchen! Hier sollst du ja nur der Hirten Lobgesang hören wollen, der dich doch in Correggio's 'Nacht' entzückt, warum nicht in Wirklichkeit? ... Endlich eines Morgens ging die Sonne auf und wir sahen – die Stadt der Städte! Im Kern einer grossen Muschel liegt, nächst Jerusalem, die köstlichste Perle! ... Das Auge unterschied die Peterskuppel ... Schon hörte das Ohr die Glocken der versunkenen Kirche, die in meiner Brust schon seit dreissig Jahren 'Rom' läuten; ich hörte sie – nun von sichtbaren Türmen niederhallen – Hosiannah! rief alles um uns her ... La capitale du pardon! jauchzte ein Franzose ... Da umringen uns wieder die Häscher des Paters Maurus. Die in der Knabenlectüre vielbelachten – 'Sbirren' – hässliche Dreimaster von Wachsleinen auf dem Kopf – ... Sie wissen, wer wir sind. Sie wissen, woher wir kommen ... Sie führen uns über die Tiber zurück, die wir schon hinter uns hatten! ... In der Abenddämmerung geleiten sie uns einen jener riesigen Aquäducte entlang, die man nicht sehen kann ohne an Roms ewige Grösse, an die fruchtlosen Belagerungen durch Attila, die Hohenstaufen und Beelzebub zu denken, führen uns durch ein entlegen Tor auf einen hohen Berg und hier in ein gefängnis, das wir seit dieser Stunde nur zuweilen im Umkreis einiger hundert Schritte verlassen haben! ... Vor unserm Kloster stürzen sich die wasser jenes Aquäductes, dem wir folgten, in ein Becken und gleiten nach Rom hinunter, das, sagt man, vom Geriesel der Brunnen und Cascaden wie ein einziger Quell des Lebens rauschen soll! – – Wir hier oben aber verschmachten! Wir müssen uns der Gewalt des Pater Maurus, die bis hieher reicht, ergeben! – ... Wohlan, die Ordnung herrsche in der Welt, selbst in den Händen unwürdiger Gotteswerkzeuge! Wir wollen unser Joch-Jahr dulden. Aber die Zukunft! Soll sie denn nur, nur den Tod bergen? ... Wenn Ihre grosse Güte, hochgnädigster Bischof, es übernähme, ein Wort des Zeugnisses für uns beim General zu sprechen! Wenn Sie Ihren Nachbar, den Erzbischof von Coni, Cardinal Fefelotti, der, wie man sagt, die Stelle des Grosspönitentiars der Christenheit erhalten wird, für uns gewännen! Das Elend meines Lebens kennen Sie! Sie wissen, was ich dem Kreuz des Erlösers schon alles von Menschenschuld aufgebürdet habe! Sie kennen Klingsohr's Sünden – auch seine verwelkten Rosen – Sie wissen, welche Hand den Lebensfrühling mir zerriss ... über Trümmern aber ist das Kreuz erstanden! Ich will meine Fahne nicht mehr lassen, die Fahne des geopferten Lammes! Lassen Sie mich nicht streiten unter sinnlosen Führern! Das ist das Schrecklichste, unter Mitknechten stehen, die nicht wissen, wessen Harnisch sie angetan haben! Müssten wir nach Deutschland zurück, zurück nach Witoborns öden Gassen, zu den dumpfen Wänden Himmelpforts, so würde der letzte Funke unsers Lebenslichtes erloschen sein! Lieber das Grab in Rom, als ein Leben im Leichentuch Deutschlands! Sie, Sie sind glücklich! Sie dürfen reden, hochwürdigster Herr und Bischof! Legen Sie zeugnis für uns ab! Ein Wort von Ihnen zu unserm General, ein Wort zu Cardinal Fefelotti, und man wirft uns nicht mehr mit denen zusammen, die wie der Tag kommen und gehen. Auch mein guter Führer und Lehrer stürbe so gern in der Stadt der Katakomben. Er hat noch auf dem Amt in Witoborn eine Summe Geldes liegen, ungerecht Gut, das er der Sache der Gerechtigkeit schenken möchte. Er hoffte in Rom einen Erben zu finden, einen Krieger im Heer Seiner Heiligkeit, den zu erkundschaften ihm noch keine Musse geboten ward. Fände er diesen nicht, so würde er das Vermögen dem General seines Ordens anweisen ... Lasst ihn eine Weile suchen! Lasst uns doch noch irgend eine schaffende Tätigkeit! Der Trieb zu helfen ist Gradmesser noch vorhandener Lebenslust. Mit dieser neuen schönen Sonne, die wir Gefangenen nur zu spärlich sahen, ist er in uns zurückgekehrt. Ich jage nicht mehr dem Spuk der nordischen Phantome nach. Dieser blaue Himmel, diese göttliche Luft, diese immer gleiche Stimmung der natur selbst im Blättergrün, das im Winter nicht entschwindet, ach! sie giessen einen so vollen Glanz der Schönheit selbst über unsre bescheidensten Wünsche, dass ich mir vorkomme, als hätte meine seiterige Vergangenheit nur unter meiner unrichtigen Geburt im Norden gelitten. Meine Zweifel schwinden. In einem römischen Sonnenuntergang glaube' ich an das Labarum des Constantin, das ihm in den Wolken erschien! Ich sehe das Tabernakel des Hochamts in jeder bunten Wolke dieses italienischen himmels! Halleluja! Die Kreuzesfahne voran! In diesem Zeichen Sieg und Hoffnung! Retten Sie uns! Retten Sie uns! Heinrich Klingsohr, genannt Pater Sebastus a Cruce. San-Pietro in Montorio, im Mai 18**."
Zu diesem Namen schrieb Bruder Hubertus:
"Eines hochgnädigsten Herrn und Bischofs gehorsamster Kreuzesträger und apostolischer Pilger Frater Hubertus."
Diesen Brief ganz flüssig zu lesen und dann zu unterschreiben kostete dem "Todtenkopf" einige Mühe ... Seine knöcherne Hand kritzelte lange an den wenigen Worten ... An der Stelle, wo von seinem Geld die Rede war, hielt er besorgt inne ... Er gedachte mismutig jenes Wenzel von Terschka auf Westerhof, von