erfuhr eine Schreckenskunde – auch für ihn ...
Die nach Witoborn zu Hedemann's Hochzeit reisende Mutter Porzia Biancchi's, die bei den Seidenwürmern zurückgebliebene Giuseppina Biancchi, Gattin des frankfurter Napoleone, Schwägerin des Professors Biancchi, der – ein echter Italiener – vor seiner Verwandtin plötzlich "verreist" war, hatte diese Nachricht eben mitgebracht ...
Der Eremit von Castellungo, Frâ Federigo, war spurlos verschwunden ...
Im Mund des Volkes ging nur Eine stimme ... Der neue Erzbischof von Cuneo hatte ihn in die Kerker der Inquisition geworfen ...
Als Bonaventura diese Mitteilung hörte – als er den Strom von Anklagen und Verwünschungen, in denen sich die Greisin erging, auch nicht mit einem einzigen Wort unterbrach, sondern nur, wie die Wand so weiss geworden, den Bericht vernahm und sich ihn von der hereingerufenen alten Italienerin bestätigen liess – wie er selbst dem kleinsten Zug der Mitteilung eine fieberhafte Aufmerksamkeit schenkte, hätte eine mit geringerem Selbstvertrauen begabte und nicht ganz nur in sich selbst lebende Persönlichkeit, wie die der Gräfin, wohl erkennen müssen, welche Umwälzungen im inneren Bonaventura's vor sich gingen ...
Sie sah in dem Zucken seiner Nerven, in seinen auf den Lippen ersterbenden fragen und Antworten nur die Beschämung eines römischen Priesters ...
Jetzt bricht es aus, was die "Rotte Korah", die Väter der Gesellschaft Jesu, über unser Haus verhängt haben! rief sie leidenschaftlich aus ... Dieser redlichste Freund der Armen, dieser wahre Priester Gottes, dieser Ratgeber, Tröster, Lehrer der Unglücklichen und Unwissenden, ein heimatloser Pilger, den ich seit Jahren schützte, ein Deutscher nach allem, was ich von ihm entdecken konnte, so oft ich seine einsame Hütte besuchte und eine Vergangenheit zu ergründen strebte, die er vielleicht notgedrungen verhüllt – schmachtet jetzt in den unterirdischen Kerkern des Kapitels von St.-Ignazio – ist vielleicht schon den Ketzerrichtern, den Dominicanern der Trinitâ zu SanOnofrio übergeben! ...
Und kein Beistand von der Regierung, fuhr sie fort ... Diese Regierung ganz in den Händen der Jesuiten ... Kein Beistand bei den benachbarten Geistlichen ...
Nicht bei m i r ?! rief Bonaventura mit mächtig hallender stimme ...
Seine Augen leuchteten ...
Er stand aufrecht, erhoben, wie mit einem Blitzstrahl in seinen krampfhaft ausgestreckten Händen ...
Die Gräfin betrachtete die seltsame Bewegung, hörte das Wort des Beistands mit Teilnahme – aber, da nächst dem Glauben ihr der Sohn ihr Alles war, so sah sie jetzt nur die wirkliche Bestätigung des Gerüchts über Bonaventura's Bischofssitz – in der Nähe der luterischen Salem-Camphausens – in der Nähe Paula's, ihrer – allenfallsigen Schwiegertochter ...
Die Entfremdung blieb die alte ...
Eine Annäherung an den Grafen war aufs neue gestört ... Eine blosse Formalität, die Bonaventura zur Beruhigung Paula's und der Verwandten schnell zu beenden glaubte, wurde immer unmöglicher ...
Er rannte dahin – wie von Rossen gezogen ... Er hatte sich noch von der Gräfin und von der alten Italienerin über seinen vermeintlichen Vater erzählen lassen ...
Jeder Zug bestätigte seine Ahnung ... Sein Vater lag nicht in dem Schnee der Alpen begraben, nicht in sankt-Remy – er lebte – war seiner Freiheit beraubt ... Beraubt durch Fefelotti, dem er berechtigt sein konnte, gegenüberzutreten ...
Es gab jetzt keine Wahl mehr für ihn ... Er musste Bischof von Robillante werden ... Paula gegenüber das zu bleiben, was er bisher war, ein Entsagender – diese Kraft für ein ganzes Leben sich zuzutrauen, entmutigte ihn ja nichts ...
Wie aber jetzt die Vereinigung aller Interessen! ... Er hätte dem Grafen sich so gern ganz vertrauen, ihn in s e i n e Seele blicken lassen mögen ... Die Heirat Paula's musste stattfinden ... Aber auch von seinem Bischofsstabe konnte er nicht lassen ... Sollte er sich dem Chorherrn anvertrauen? ... Dem Cardinal Ceccone selbst? Sollte er dem Grafen an die Brust sinken? Gerade da sich ausweinen? ... Wäre Benno's Vermittelung möglich gewesen! ... Fast war es ihm ein Trost, den Doppelgänger Lucindens oder sie selbst zu sehen ... Er konnte annehmen, dass sie noch nicht alles, alles kannte, was seine Seele belastete ...
Daheim erwartete ihn Leo Zickeles, der älteste der Söhne des grossen Handlungshauses, und beklagte aufs bitterste, dass der gang der Geschäfte mit dem Grafen eine so üble Wendung zu nehmen drohte ... Alle Hoffnungen schienen zerstört, die Aussichten auf die Heirat schienen gescheitert ... Die Gräfin, hörte er, hätte neue Verbindungen mit Geldleuten eingeleitet ... Sogar an Herrn von Pötzl wäre eine Annäherung erfolgt ... Zweideutige Agenten riefe sie in ihr Palais ... Der "ungerechte Mammon" brachte die liebende Mutter um alle Haltung ...
Leo Zickeles sah in dem seufzenden Schweigen des jungen vornehmen Geistlichen nur – die Verstockteit der Kirche gegen eine gemischte Ehe, äusserte sich aber darüber mit der seiner Stellung geziemenden Zurückhaltung ...
Am Abend durfte Bonaventura nicht beim Cardinal Ceccone fehlen ... Er liess sich getrost als "Bischof von Robillante" begrüssen, komme was da wolle – und doch sagte er sich: Treulos handelst du an den Verwandten Paula'