1858_Gutzkow_031_704.txt

fast den Platz benahmen, einer, ein dunkelblauseidener, auf ...

Indem er in sein Wohnhaus trat, erkannte er die langsam an ihm vorübergehende Gestalt im braunen Mantel und mit den schwarzen Handschuhen ...

Das Blau des Schirmes, das Gaslicht der Laterne, die gerade neben der Hauptpforte befestigt war, der mit Schnee untermischte Regen gaben dem Antlitz des jungen Mannes den Ausdruck des Todes ...

Kein Wort, nicht einmal ein zweiter blick, nur ein Lächeln, wie: Siehst du nun? – und das Bild war vorüber ...

Bonaventura suchte wie vor einem Gespenst sein einsames Zimmer ... Er floh, als wenn Lucinde hinter ihm her huschte und höhnte: Heide! Heide! und dann doch sagte: Aber sei ohne Furcht! Ich sag' es nur dir! ... Sie ist es, rief er ... Sie ist es ... Was kann sie noch wollen? ...

Am folgenden Tage sah er endlich die Herzogin von Amarillas ...

Olympia ruhte nicht eher ...

Principe Rucca suchte ihn fast gewaltsam in den Palatinus zu führen ...

Ceccone war zugegen ... Es war äusserlich ein heiterer Abend ... Unter den Scherzen zitterte das tiefste Leid ... Angiolina wurde nicht erwähnt ...

Benno's Mutter fand er, wie sie dieser geschildert ... Unter dem Schein äusserster, ja abstossender Kälte eine leidenschaftliche und dann doch wieder plötzlich kalt verständige Seele ...

Er und sie benahmen sich so, als wüssten sie nichts vom Tiefverborgenen ...

Olympia überhäufte ihn mit Schmeicheleien und Liebkosungenum Benno's willen, den sie für seine Flucht einen Maledetto nannte, den sie nun bald in Rom strafen würde ...

Principe Rucca nannte den Baron von Asselyn schon den allerbesten Freund, den er in dieser Welt besässe ...

In einigen Wochen hofften alle in Rom zu sein ... Es schienen Menschen, hergekommen aus jener alten Welt der Imperatoren, wo die Frauen in ihren Ohrgehängen den Wert eines Königreichs trugen ... Sie fanden ganz in der Ordnung, dass der Bischof von Robillante sein Bistum vom Kapitel verwalten liess und den Carneval in Rom verbrachte ... Wie bewunderten sie Bonaventura's italienische Aussprache ...

Die Herzogin war bei all diesen wilden und leichtsinnigen Exclamationen – – die Duenna Olympia's – jene arme, die sich von Kirche zu Kirche fortbetete, weil sie keine Kutsche bezahlen konnte ... Sie stand tief befangen und mit Zittern lauschend ... Die noch zum Leben verurteilteNiobe, wie sie Bonaventura's von ihr seltsam gefesseltem Auge erschien ...

Die Schwierigkeit der von Paula gestellten Aufgabe lähmte Bonaventura's Entschliessungen ...

Wie sollte er dem Grafen sich nähern? Wie ihn nur annähernd ergründen? ...

Selbst Erkundigungen nur über seinen Ruf einzuziehen, widerstrebte ihm ...

Auch kannte jedermann und niemand mehr, als Bonaventura, sein verhältnis zu Angiolinen ... Er wusste durch Benno, dass der Graf ehrenwert war, ja edel von Paula sprach ... Er konnte nur nach Westerhof schreiben: Er ist vollkommen würdig! ... Dennochihn sehen, eine Weile mit ihm leben, war unerlässlich ...

Die Mutter des Grafen betrachtete ihn indessen mit prüfenderen Augen, als er auf ihren Sohn gerichtet haben würde ...

Als der Graf hörte, Bonaventura sollte Bischof von Robillante werden, kam er noch weniger von Schloss Salem herein, von dessen Versteigerung man schon sprach ...

Bonaventura erfuhr letzteres von Angelika Müller ...

Diese, endlich einmal wieder in katolischen Berührungen recht sich ausschwelgend, sagte:

Gräfin Erdmute fährt hin und her, schickt Boten über Boten an die Zickeles ... Die Katastrophe ist reif ... An die Stelle des Adels tritt in dieser Welt die Börse ...

In diesen Zustand der Unentschlossenheit, die durch Lucindens verlorene Spur gemehrt wurde, hinein drängten sich die Vorbereitungen zur wirklichen Vollziehung seiner Bischofswahl, noch ehe er ganz entschieden zugesagt hatte ...

Das Kapitel von Robillante hatte seiner eigenen Wahl sich begeben und der römischen Curie die Besetzung mit einer ihr genehmen Persönlichkeit überlassen ... Bonaventura stand der Gräfin und dem Grafen gegenüber in einem Licht, das das ungünstigste von der Welt sein musste ... Was sollte Paula denken! Was ganz Westerhof! ...

Da, zur Mehrung des falschen Scheins, musste es geschehen, dass der unwiderstehliche Zug des Herzens, der Bonaventura nach den Eichen von Castellungo zog, eine Entscheidung erhielt, die ihn bestimmte, in der Tat die Mitra und den Krummstab anzunehmen, es mochte kommen, was da wollte – – ...

Er war bei Gräfin Erdmute gewesen, hoffte wieder vergebens, bei ihr den Grafen Hugo zu begrüssen ...

Die Gräfin empfing ihn mit äusserster Kälte, heute mit einer Aufregung des Zorns ...

Ihre Augen glühten, ihre hände zitterten ...

Ha, brach sie nach den ersten Begrüssungen aus, da sehe' ich die neuen Kämpfe, die mir beschieden sind! ... "Haltet Recht und Gerechtigkeit und errettet den Beraubten von des Frevlers Hand!" spricht der Prophet ... Ich muss nach Italien ... Fefelotti zertritt die Früchte meiner Anstrengungen ... Hab' ich darum mit soviel Kronen und Cabinetten unterhandelt! ...

Bonaventura