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, die auch das gutmütigste Kind im Spiele hat, wenn es Freude an einem Sieg seiner Klugheit verrät, ohne damit Böses zu wollen ...

Bonaventura hatte sich erhoben ... Er hielt sich vom Fenster fern ...

Er überlegte und sah die Scene, die ihm mit Lucinden drohte ... Sie konnte jetzt nicht anders enden, als mit ganzer Vertraulichkeit über alles, was ihn drückte ... Ein gemeinschaftliches geheimnis zu bewahren bindet die Seelen wider Willen ... Er hätte Lucinden nicht anblicken können ohne zu sagen: Den Brief des Geistlichen Leo_Perlgib mir zurück oder zerreissen wir ihn und lass' ihn zwischen uns ein ewiges geheimnis bleiben! ... Sich einem Weib verpflichtet fühlen, raubt dem Mann seine Selbständigkeit und Dank ist schon an sich eine Pflicht, die eine edle Seele nie karg abträgt ...

Bonaventura ging eine Weile auf und nieder ... Er kämpfte ... Endlich hatte er entschieden ... Er wollte, er konnte nicht nachgeben ... Er sah in die Zukunftahnte, dass sie ihn immer und immer in Lucindens Bahnen führen würde ... Jetzt aber, jetzt in dem letzten Opferdienst seiner Seele für Paula, wollte er sich rein erhalten ... Er schüttelte sein Haupt und sprach: Ein andermal! ... Und für sich: Komme was komme! ...

Die Jüdin stand in der Nähe der Tür, schon ihren Hut in der Hand ...

Es schlug neun ...

Ich kann meine Reise nicht aufschieben, fuhr Benno fort ... erklären SieLucinden, ich kämeja zurückund danndann vielleicht ...

Veilchen schüttelte ungläubig den Kopf ...

Das bestreitet siesagte sie ... Sie behauptet, Sie kämen nie zurück ...

Bonaventura liess, wie ein Ueberwundener, nur die arme sinken und schüttelte ablehnend sein leidendes Haupt ...

Woraus schliesst sie das? fragte er, vor Ueberanstrengung seiner Seele völlig kraftlos – ...

Veilchen erwiderte:

Man würde Sie in Wien fesseln, sagte sie ... Schon wäre ein Verwandter von Ihnen gefesselt worden ... Man würde Sie nicht sehen können, ohne die nicht zu beneiden, denen Sie immer angehörten ... Ich wiederhole ihre Worte ... Sie nennt schon einen Bischofssitz, der für Sie bestimmt ist, Herr Priester ... Robillante in Italien oder einen ähnlichen Namen ... Im Tal vonCastellungoDas ist der Name ... Ich habe ihn behalten ...

Bonaventura faltete nur die zitternden hände ...

Die beiden Mönche, fuhr Veilchen fort, die dieses Frühjahr von Witoborn entflohen, haben aus Rom geschrieben, dass in ihrem Kloster ein Mönch lebt, der ein Bistum ausgeschlagen hätte, das ein mächtiger Cardinal gelobt hätte, dem heiligsten Priester in der Christenheit zu geben ... Und in Wien sindSie, Sie, Herr Domkapitular, schon dafür genannt worden ... Das wurde hereingeschrieben ... Lucinde weiss alles ... Sie werden in Wien mit diesem Anerbieten empfangen werden ...

Bonaventura hörte nur ...

Eine Besinnung, eine Fassung lag nicht mehr in seiner Kraft ...

So hörten Sie selbst das noch nicht? fragte die Jüdin, immer hoffend, den Zweck ihres Besuchs zuletzt noch erreichen zu können ...

Bonaventura hauchte:

SieberichtenmirWunderdinge ...

Er liess sich die Namen noch einmal nennen ...

Es waren und blieben die Namen Robillante und Castellungo ... Die Orte, wo Paula leben solltewo Frâ Federigo lebte ... Er sah Benno, Olympia, Ceccone beteiligt ... Das war das von Benno erwähnte Bistum ... Gaben es ihm wohl gardie Jesuiten? dachte er einen Moment ...

Verlassen Sie sich! fügte Veilchen hinzu ... Sie kommen nicht zurück ... Sie werden in Italien ein Bischof ...

Ohne noch zu widerreden, faltete Bonaventura, überwunden von den Fügungen seines Geschicks, aufs neue die hände ... Er sah, wie mit übergeistigtem Auge, Paula auf dem schloss, auf dem sie einst in ihrer Vision die Fahne mit den Dorste'schen Farben erblickt hatte ... Seinen Vater sah er unter den Eichen von Castellungo ... Ein Glanz umfloss ihn wie die himmlische Morgenröte ...

Dennoch schüttelte er den Kopf auf die wiederholten Bitten der Jüdin ...

Herr Priester! ... Das ist grausam, wallte diese auf ...

Solchen Worten zürnte er nicht mehr ...

Gute Nacht, Liebe! sprach er ... Dank für Ihre Verschwiegenheitwegen dessen, was Herr Seligmann hörte, eine Verschwiegenheit, auf die ich bei unserm gemeinsamen Gott fest und heilig baue ... Sagen Sie aber Lucinden: Wer allwissend ist, ist auch allmächtig! ... Was kommt sie zu mir –! ...

Herr Priester –! bat Veilchen noch einmal inständigst ...

Komm' ich in der Tat nicht wieder, so wünsch' ich ihr alles Glück und jeden Frieden des Gemüts ... Ich danke Ihnen, dass Sie ihr Bote wurden ... Sie sind treu, was Sie auch gegen die Treue sagen ... Doch gehen Sie, ohne mich noch wankend machen zu wollen