Coupé, das ihm in der Tat durch einen Ministerialboten reservirt war ...
Schon benutzte er, da der Chorherr nicht gehen wollte, die Pause, die bis zum Schlagen der Abfahrtsstunde so langsam verrinnt, zu einem Abschiedsgruss an Angelika, den er auf einen Zettel seines Portefeuilles schrieb und dem Chorherrn mit einer Andeutung über Püttmeier's Philosophie zu eigenhändiger Besorgung übergab – da kam ein Mann, der hastig nach Herrn von Asselyn fragte, und brachte eine Visitenkarte aus dem Palatinus ...
Von Gräfin Olympia? fragte lächelnd der Chorherr ...
Verzeihen, sagte der Lohndiener, Ihre Gnaden die Contessina wollten selbst kommen, aber der Fiaker muss falsch verstanden haben und hat sie und den Prinzen nach der Briefpost gefahren, wo die Courierposten abgehen, aber erst abends ...
Die Karte war von Benno's Mutter ... Auf der Rückseite stand ein einfaches: Al revedersi! ...
Benno sah, dass er das Rechte getroffen ...
Voll Angst horchte er auf, ob nur nicht noch Olympia und ihr Verlobter kämen ...
Er bat den Chorherrn, der "armen Seele" zu gedenken, für die zwölf Tage lang in dem schönen Kirchlein "Maria vom Gestade", zur Schifferkönigin Maria – zur Schutzpatronin aller im – Hafen Eingelaufenen gebetet werden sollte ...
Der Chorherr drückte ihm zusagend die Hand ...
Der Postillon schwang sich auf den Sattel des Handpferdes, Benno rückte seine Depesche dahin, wo sie nach dem Bedeuten des Hofrats für seine Gesundheit am vorteilhaftesten lag, der Conducteur setzte sich neben ihn ...
Schon waren die funkensprühenden Schläge der sechzehn Rosseshufe auf dem Strassenpflaster verhallt, noch stand der Chorherr träumerisch sinnend auf seinen Bambusstab mit elfenbeinernem Griff gestützt, dem Wagen nachblickend – da kam ein Fiaker angebraust, aus dessen Schlag Principe Rucca und ein weiblicher Kopf sahen ...
Das Portal der Fahrpost wurde eben geschlossen ...
Pater Grödner stand schon zu fern, um die, wie es schien, heftigen Zornausbrüche der Italienerin zu hören ...
Lächelnd über die Jugend, über den Ehrgeiz, über Menschen, die Liebe finden dürfen und sie nicht mögen, kehrte er zurück in seine stille Klause ...
Die Bleistiftgrüsse an Angelika Müller wollte er erst couvertiren, falls sein Versuch, sie ihr persönlich einzuhändigen, mislingen sollte ...
Indessen stand noch ein anderer junger dicker Mann atemlos und verzweifelnd an der Postoftür ... Harry Zickeles kam zu spät – mit seinem Album.
11.
Glocken riefen nicht zu den Hochämtern, die in "Maria zur Stiegen" zum Gedächtniss Angiolina's gehalten wurden ...
Nicht brauste die mächtige Orgel vom Chor, als ihre Seele der Gnade und Verzeihung des himmels empfohlen wurde ...
Still und geheimnissvoll sind schon an sich diese Trauermetten, die vor einem kleinen dunkeln Nebenaltar abgehalten werden, denen nur Anverwandte beiwohnen ... Hier trat die Rüge des geistlichen Gerichts ein ... Kaum dass die Austeilung jener kleinen Zettel gestattet wurde, die in katolischen Landen den Vorübergehenden mit einem Liebesblick in die Hand gesteckt werden, der sie auffordert, für die abgeschiedene, wenn ihnen auch völlig unbekannte Seele ein gedrucktes Gebet zu lesen ... Terese Kuchelmeister hatte diese Zettel sorgsam ausgewählt ... Hundert Exemplare eines für diese Fälle in den Kunstläden vorrätigen kleinen Bildes, drei Cherubim darstellend, von denen der eine das Jesuskind mit der Friedenspalme trägt, die beiden andern ein Kreuz und eine Dornenkrone – das Jesuskind lächelt, die drei Engel weinen – Auf der Rückseite liess sie aufdrucken: "O Erschaffer und Erlöser aller Gläubigen, verleihe der dahingeschiedenen Seele deiner Dienerin A n g i o l i n a P ö t z l vollkommene Verzeihung und Nachlassung aller Sünden, damit sie, von den Schmerzen des Fegfeuers befreit, dich als ihr letztes Ziel anschauen, lieben und in alle Ewigkeit loben und preisen möge!" ... Das feierliche Requiem Biancchi's, Instrumentation von Dalschefski, das sich ein Gesangverein mit Hinzuziehung Teresens und Jenny's auszuführen erboten hatte, wurde nicht gestattet ...
Unter grossem Menschenzulauf hatte das Begräbniss auf dem stillen Dorffriedhof bei Salemhof stattgefunden ... Hier war es, wo sich ein junges Mädchen, einen Korb voll Blumen in der Hand, über den Sarg warf und ihren Schmerz in Worten Luft machte, die niemanden störten, ob sie gleich nicht von Seraphschwingen und Cherubsarmen sprachen, sondern einfach lauteten:
Hier ist's nun aus, du armer Narr! Bist auf Erden viel gehanselt worden! Aber der gute Gott da oben wird schon wissen, wo er auch für dich noch ein Platzt hat! ...
Terese Kuchelmeister überwachte alle die, die sich bei den in der Stadt von ihr bestellten und bezahlten zwölf Seelenmessen einfanden oder einzufinden versäumten ... Luigi Biancchi kam nur einmal und erntete dafür die Bezeichnung eines "Ungeheuers" von Undankbarkeit, da Angiolina die Musik der Italiener liebte ... Dalschefski, den die Nichtaufführung des Requiems wegen des in diesen Tagen ausserordentlich erregten Biancchi, der dadurch eine Zerstreuung würde gehabt haben, verdross, musste dafür täglich anwesend sein ... Auch Herr von Pötzl versäumte nicht seine Schuldigkeit zu tun; zu dem Ruf, den er anstrebte, gehörte die strengste Unterwerfung unter alles, was Gefühl und Gemüt mit sich bringen ... Nicht auffallend war die jedesmalige Anfahrt eines vornehmen Wagens, aus dem die ersten drei male zwei Damen in tiefster