.. Wir Kaufleute halten in Einem Punkt unter allen Umständen zusammen – Anspielungen auf unsere Branche sind in dem Grade mauvais gout, dass ich – –"
" W i e d e r e i n e n T a g s p ä t e r ! Fast wurde mein Alter in die Deputation gewählt, die nach der Residenz zu Seiner Majestät abgehen soll ... Eine schöne Verwirrung hier ... Nück hat eine fürchterliche Adresse beantragt, fiel aber damit durch ... Enckefuss will ihn vor die Assisen bringen ... Nämlich – entre nous – das Gerücht geht, Hammaker wäre für Nück gerade zur rechten Zeit um seinen Kopf gekommen; der Brand und die Urkunde hätten vollkommen die Zweifel verdient, die mich, wie Sie wissen, bei fräulein Benigna in Westerhof plötzlich in Ungnade und um meinen Adel brachten ... Da aber mein Vater in der Kirchenfrage ganz mit der Ritterschaft geht und wir plötzlich so populär sind, dass ich mir des vielen Grüssens wegen einen neuen Hut habe kaufen müssen, so schlug ich auch an dem Goldfinger'schen Abend den Professor vollständig aus dem feld ... Nämlich ich wurde wild und sprach von einer notwendigen mikroskopischen Untersuchung aller heiligen Kreuzpartikeln durch Professor Liebig und blieb bei meinen viererlei Holzarten und nannte zu Ehren der Beschäftigung mit Holz den Erlöser sogar selbst den Sohn eines – Zimmermanns ... Das machte aber wirkung ... Kanonikus Taube erhob sich vom Whist und schlug die hände über dem Kopf zusammen ... Der Professor verzog sich ... Seine Gemahlin sprang wütend aus Klavier und paukte eine neue Tremolo-Etüde ... Und nach diesem Abend musste denn die Commerzienrätin der Lucinde, die allerdings den ganzen Streit angefangen hatte, kündigen und das ist demnach das Allerneueste ... Sonst weiss ich nichts, als dass der Domkapitular wieder im alten Ansehen steht ... Man spricht von einer Predigt, die die Regierung sehr unangenehm berührt haben soll, über den Text: 'Fürchtet Gott, ehret den König!' ... Das soll Ihr Cousin so gewandt haben, dass ein Christ Gott zu fürchten, den König aber bloss zu ehren brauchte ... E r z ä h l t man –! ... Ich bin so vollständig wieder Heide, dass ich seit letztem Winter keine Kirche gesehen habe und um so mehr wieder Ihrer persönlichen Anleitung zur Tugend bedarf ... Bester Freund – verlier' ich an Ihnen in Zukunft vielleicht ganz meinen Halt? Man sagt allgemein, Sie gingen unter die Diplomaten! – Das könnte mich veranlassen, Sie wegen mancher höchst bedenklichen vertraulichen Aeusserungen zu mir zu denunciren und steckbrieflich verfolgen zu lassen. Adieu, teurer Freund! Wissen Sie denn auch, dass die alte Gräfin Camphausen hier durchgereist ist, ohne sich nach mir erkundigt zu haben! P o s t s c r i p t . Die Damen Schnuphase lassen ihren Vater bitten, sich nicht zu erkälten! ... Von London nichts – gar nichts! ... 'Ob sie meiner noch gedenkt!' – O! – – – Grosse Revolution im Männergesangsverein, parteiische Verteilung der Solis, Sturz des Präsidiums, Austritt der Minorität, Bildung eines Oppositionsmännergesangsvereins ... Nächstens besuch' ich Kocher am Fall ... Schreiben Sie bald Ihrem – Unverbesserlichen! – – Compliment auch von Gebhard Schmitz an Herrn Ritter Fuld in Wien 'Man waiss schon' ..."
Wie lag das alles – nach Ton und Inhalt – dem bekümmerten und fieberhaft erregten Gemüt Benno's fern ...
Er legte den Brief – wehmütig lächelnd in Tiebold's Geschenk, das grosse Reiseportefeuille, das vor ihm aufgeschlagen lag ...
In den Andeutungen über Nück, über den Kirchenstreit, Bonaventura's Predigt lag eine Mehrung der Sorgen ... Benno sah voraus, was der Staatskanzler von ihm hören und erläutert wissen wollte ... Er dachte an die Scherze mit seinem Bruder ... Einen "Posa" hatte er spielen wollen! ... Wie sollte er einem vielleicht wohlwollend Entgegenkommenden eine Seite entgegenkehren, die sich für seine Jugend und unbedeutende Lebensstellung nicht ziemte? ... Und doch – verlockend blieb die Begegnung immer! ... Unwahr blieb es, wenn er dem Fürsten in allem zustimmte – ihn glauben liess, dass mit ihm Nück in Uebereinstimmung gehandelt hätte ... Er warf sich in die schickliche Toilette voll äussersten Unmuts ...
Der Chorherr kam herüber und machte ihm wegen seiner Zurüstungen zur Abreise, die er nun bestätigt sah, ernstliche Vorwürfe ...
Sie sind, sagte er fast gekränkt, auf der hohen Flut der Gunst und des Glücks! ... Ich schreibe heute dem Dechanten ... Gestern Abend war ich bei einer Anzahl alter Freunde und Freundinnen Ihres Onkels ... Alle wünschen, Sie zu sehen ... Und nun bekommen Sie – das Kanonenfieber ... Von einem v e r n ü n f t i g e n Posa heisst es nicht: Nach Munkatsch! sondern: "Der Ritter wird künftig unangemeldet vorgelassen!" ...
Zur Mehrung der Verlegenheit, zur Schärfung der Vorwürfe des Chorherrn kam der Mohr des Prinzen Rucca, brachte eine wiederholte Mahnung, um vier Uhr das Diner nicht zu vergessen und schlug aus einem Rosaseidenpapier ein prachtvolles Bouquet, das aus dem Palatinus ihm von Altezza Amarillas oder von Excellenza Contessina geschickt wurde