aber nahe daran kam's; Nück, zum Stutzer adonisirt, intonirte Moppes' Maikäferlied und der ganze Chorus fiel ein ... Die herzlose Bande hatte die arme Hendrika schon vollständig vergessen und ich, seit Sie fort sind, immer wehmütig gestimmt, ich verlor mich in dem Grade in Reflexion, dass die Frau Oberprocurator Nück, die bekanntlich in jeder Gesellschaft über Hitze klagt, in den Schatten meiner kühlen denkart flüchtete, ja, dass mich sogar Lucinde als Fächer benutzte gegen Nück, den man allgemein unausstehlich fand ..."
"Wieder sechs Stunden später ... Na ja, mein Alter opponirt richtig gegen die Regierung in Sachen des Kirchenfürsten ... Wir werden schöne Spässe erleben ... Also, wo blieb ich stehen? ... Anfangs ging es in unserer gewöhnlichen Cadenz fort: Langeweile, Tee, Langeweile, Klavier, Langeweile, Quartett – Endlich hatte Lucinde, die in ihrem türkischen Staat die bescheidene Magd spielen wollte, beim Serviren einige Teller zerbrochen, auch mehrere Kleider verdorben und mit dem Professor einen Zank angefangen, als dieser, ohne je in Asien oder, wie Moppes sagte, wenigstens im pariser Jardin des plantes gewesen zu sein, behauptete, das Holz der Cedern auf dem Libanon so gut zu kennen, wie deutsches Fichtenholz – denn, sagte er, zu seiner 'heiligen Botanik' hätte er vierzehn verschiedene heilige Kreuzpartikeln in Deutschland und der Schweiz gründlich studirt – unser Erlöser wäre auf Cedernholz gestorben ..."
"Lucinde, gereizt von den Vorwürfen über ihr Serviren, entgegnete: Entweder sind S i e im Irrtum oder der heilige Bernhard ist es ..."
"Wie so? rückte der Professor seine goldene Brille in die Höhe und mochte sich erinnern, dass vorm Jahr eine Etage tiefer Armgart's Mutter auch sehr schlimm mit ihm gestritten hatte ... Terschka erzählte es ..."
"Lucinde liess sich nicht werfen ... Zornig, wie sie war, entgegnete sie: Nach dem heiligen Bernhard bestand das Kreuz des Erlösers aus Cedern-, Cypressen, Oliven- und Palmenholz ..."
"natürlich – mich als Holzhändler interessirte das ..."
"Nur Cedernholz! donnerte der Professor, bei allem Respect vor dem heiligen Bernhard ..."
"Die Commerzienrätin bat um Unterlassung solcher Streitigkeiten ... Sie können sich aber denken, verehrter Freund, dass mich der Gegenstand hinriss ... Mein Temperament zwang mich zu der bescheidenen Bemerkung: –"
" W i e d e r e i n e n T a g s p ä t e r ! Ich musste gestern einer Holzauction in Euskirchen beiwohnen! ... Mein Alter ist in der Majorität und macht Enckefuss schön zu schaffen ... Den Telegraphen kann ich gar nicht mehr spielen sehen, ohne mir nicht zu sagen: Diese Manöver, die die Flügel machen, bedeuten: Stecken Sie nur gleich die ganze de Jonge'sche Familie, Vater und Sohn, zu Loch! ... Wo blieb ich gestern? Richtig; ich erlaubte mir die bescheidene Bemerkung, dass die Bauten des Königs Salomo bereits die ersten Grundlagen des Holzhandels, und zwar nach Tyrus, gelegt und bewiesen hätten, dass Palästina und Umgegend wenig Waldung gehabt hätte, demnach also, dass, als drei Kreuze auf dem Berge Golgata auf einmal gebraucht werden mussten, diese leicht und wahrscheinlicher- und möglicherweise allerdings aus mehreren Holzarten genommen werden mussten ..."
"Da die ganze Gesellschaft über diese Bemerkung in ein sehr unpassendes Gelächter ausbrach – was mich verdross, da ich mir bewusst war, wissenschaftlich gesprochen zu haben, so schnurrte mich der Extraordinäre a.D. an wie ein Kater, betrachtete mich von oben bis unten und machte Miene, als wollte er, um mich zu strafen, auf diese Aeusserung griechisch antworten ..."
"Sie wissen, dass ich nie hitziger werden kann, als da, wo ich mich nicht ganz sicher fühle ... Und gelehrte Seitenhiebe reizen mich vollends bis zur Tollkühnheit ... Moppes, Timpe, Schmitz, Effingh, alle standen jetzt um mich und suchten mich zu beruhigen ..."
"Mit maliciöser Zurückhaltung sagte der gelehrte Kerl jetzt lächelnd: fräulein Lucinde ist so geistreich, dass ihre Erwiderung nur für einen Scherz zu nehmen ist ... Sie weiss sehr wohl, die Bemerkung des heiligen Bernhard ist ein Spiel des frommen Witzes und der Phantasie ... Der hochgelehrte Mann will an jede Gattung seiner vier Holzarten Betrachtungen anknüpfen ... Ohne Zweifel sucht er, ich kenne die Stelle nicht, in den vier Holzarten das Symbol 1) des Lebens – die Ceder, 2) der Trauer – die Cypresse, 3) des Trostes – die Olive und 4) des Friedens – die Palme. Ich habe die feste überzeugung –"
"Weiter kam er aber nicht; denn ich unterbrach jedes seiner Worte ..."
"Schweigen Sie! fuhr er mich an, als wenn ich Piter wäre, und als ich ihm ein: Herr Professor! im Ton fast wie eine Maulschelle lançirte, musste ich erleben, dass dieser niederträchtige Kerl an den Kamin geht, wo ein eiserner Holz- und Kohlenkorb steht, hineinlangt und mir feierlich ein Stück Eichenholz überreicht mit den Worten: D a s ist Ihr Fach! ..."
"Nun kann ich Ihnen aber doch sagen, dass ich Beistand fand .