war schon damals der mächtigste Mann in Rom ... Er hatte die Revolution gebändigt, die Carbonari verbannt oder eingekerkert; man wusste, dass ihn eine Römerin, Lucrezia Biancchi, hatte ermorden wollen ...
Olympia ist das Kind einer neuen Judit! sagte Benno ...
Alle Welt weiss es jetzt ... bestätigte die Mutter ... Aber damals noch nicht ... Der Generalinquisitor Ceccone schlug die Untersuchung des Mordanfalls einer jungen Wäscherin auf ihn nieder und brachte die Mörderin heimlich zu den "Lebendigbegrabenen" ... Das fanatische Mädchen, das ihre Ehre geopfert hatte um ihn zu tödten, kam dort nieder ... Olympia wurde im Kloster fünf Jahre alt ... Es war ein Kind der Sünde – ein Kind der Lüge, der Wollust, des Mordes ... Von solcher Wildheit des Blutes war sie, dass sie mit den kaum geborenen Lämmchen spielend oft eines erwürgte ... Das Opfern dieser Lämmer ist eine heilige Procedur, die am fest der heiligen Agnes öffentlich vollzogen wird ... An der Wolle soll noch jetzt niemand eifriger spinnen, als die schon in der Geburt ihres Kindes vom nicht abgewarteten Milchfieber irrsinnig gewordene Lucrezia – ...
Was ist Wahrheit! klagte es tief schmerzlich in Benno's Gemüt ... Ein riesiges Gebäude steigt auf, ein stolzer Dom ... Die Pfeiler ragen wie über felsenfestem grund ... Die Wölbungen sind wie für die Ewigkeit berechnet ... In den Rissen wächst, mit buntestem Farbenreiz sie verdeckend, die Flora der Phantasie und des Gemüts ... Die heiligste Andacht nimmt diese weissen Pallien mit den vier schwarzen Kreuzen darauf als die Sinnbilder jenes verlorenen Lamms, das der gute Hirte gesucht – und wie macht sich das alles in Wirklichkeit! ... "Rom blüht und gedeiht doch!" hatte Hammaker beim Vorschlag eines neuen, "falschen Isidorus" gesagt – ...
Die Mutter schien diesen schneidenden Contrast nicht nachzufühlen ... Die Römer nehmen, was von ihnen kommend die katolische Welt andachtsvoll verehrt, wie ihr tägliches Brot und als sich ganz von selbst verstehend ...
Ich gönnte Fefelotti nicht den Triumph seiner Intrigue, fuhr sie fort ... In einer jener Anwandlungen von Tatkraft und Mut, die schon längst bei mir aufgehört hatten, schrieb ich an Monsignore Ceccone und warnte ihn, er möchte auf der Hut sein und aus dem Kloster eine gewisse – kleine Wölfin entfernen ... Die Visitation durfte ohnehin kein Kind im Kloster dulden ... Dann auch noch warnte ich ihn vor den unbesonnenen Plaudereien Pascarello's in Trastevere ... Ich hatte mich genannt und durfte nicht erstaunen, unmittelbar darauf den Besuch des Monsignore selbst zu empfangen ... Ich fand in Ceccone einen Mann von hinreissendem Benehmen, angewiesen auf die Gunst der Frauen ... Ich für mein teil fühlte, dass ich nichts mehr für einen solchen Mann besass, als höchstens etwas Verstand und das unendlichste Vedürfniss nach Beistand, das zuweilen die Menschen bindet, besonders wenn sie nicht gut sind ... Gefällig sein heisst bei vielen, nur seine Macht zeigen wollen ... So entdeckte sich mir Ceccone ganz, dankte für meine Teilnahme, warnte vor Fefelotti, der sein Feind seit frühester Jugend und schon von der Schule wäre, und machte mir den Vorschlag, dass ich einen Palast bezöge, den er für mich mieten wollte, wenn ich Olympia zu mir nähme ... Noch mehr! Es wäre ihm lieb, sagte er, wenn ich ihr einen Namen, vielleicht von meiner Verwandtschaft gäbe ... Ich ging auf diese Vorschläge ein ... Ich gab Olympien den Namen, den ich in diesem rauhen und grausamen land zurückgelassen habe, Maldachini ... Den Grafentitel, den das Kind bekam, bezahlt man in Rom ... Principe Rucca's Urgrossvater war vor hundert Jahren ein Bäcker ...
Benno horchte nur ...
Meine Lage besserte sich ... Sie wurde glänzend ... Ceccone sammelte Schätze und hatte eine solche Liebe zu seiner Tochter, dass sie ihm, wenn wir noch in den zeiten des "grossen" Nepotismus lebten, eine Fürstenkrone wert wäre ... Die Krone des Prinzen Rucca entspricht nur noch der jetzigen Stellung des römischen Stuhls ... Aber die Zähmung der jungen Wölfin ist mir nicht gelungen ... Sie ist eine Blume, die aus Blut emporgesprossen ... Ihr Dasein verdankt sie einem Hass, der sich in Liebe nur verstellte ... Lucrezia Biancchi suchte die Bekanntschaft im haus des Inquisitors durch eine Wäscherin, die für ihn arbeitete ... Sie begleitete diese, nahm ihr zuweilen die Uebergabe der Wäsche ab ... So begann ein Roman, den sie benutzte, um den Feind der jungen Freiheit Italiens wie Judit den Holofernes zu ermorden ... Wir haben ein schönes Land, aber – wilde Menschen ... Noch werden die zeiten eisern werden ...
Benno war zu ergriffen, um von den Brüdern Lucrezia Biancchi's, von den Oheimen der "Gräfin", zu sprechen, von der Nähe des alten Professors Luigi ...
Schlimme Stunden werden auch noch für uns allein kommen, mein Sohn! seufzte die Mutter ... Olympia hatte nie einen Wunsch, der unerfüllt blieb ... Sie heiratet den Principe nicht, um seine Liebe oder seinen Namen zu haben, sondern nur,