haben, welche sie wolle ...
Benno bot ihr, da sie zusammenzusinken drohte, seinen ihm selbst zitternden Arm ...
Der Graf dankte für so viel Teilnahme und begleitete beide bis an die weissschimmernde Stiege, riet freundlich zur Vorsicht, empfahl Benno seine vorhin ausgesprochene Bitte und nahm zum zweiten mal von einem Beileid Abschied, das alles das zu erkennen gab, was in ihm selbst vorging ...
ohnmächtig sinkend, ja stürzend schwankte die Herzogin die gebrechliche Stiege hinunter ...
Unten standen zwei Diener ... Der Schlag des vierspännigen Wagens flog auf ... Benno trug die zusammengebrochene Frau mehr, als er sie führte ... Sie sank in ihren Sitz ... Er stieg ihr nach ...
Der Schmerz der Herzogin konnte allen erklärt erscheinen aus dem empfangenen, an das gemeinsame Menschenloos erinnernden Anblick ...
Die vier Rosse zogen an ... Pfeilgeschwind flogen sie dahin ...
9.
Cielo! ... Destino! ... Manda mi la morte! ...
So brachen die Empfindungen der Herzogin aus ... Benno ergriff die hände der jetzt ohnmächtig zusammensinkenden Mutter ...
Es war wie eine zweite Geburtsstunde, die sie erlebte ... Ihre Zähne klapperten ...
Allmälig schlug sie die Augen auf, betrachtete Benno und wollte mit der Geberde einer Fieberkranken die mitgenommenen blutigen Haare küssen ...
Benno riss diese fort und umschlang die Mutter mit seinen Armen ...
Wieder versank sie in Ohnmacht und fieberte laut ...
In dem weichgepolsterten Wagen ging es auf der Landstrasse eine Weile dahin wie in einem lautlosen Zimmer ...
Als der Wagen eine kleine Höhe bergan fahren musste und es langsamer ging, schlug die Herzogin die Augen auf, rang die hände, riss Benno an ihr Herz und küsste ihn ...
Du bist es! rief sie ... Wüsste es doch alle Welt! setzte sie hinzu ...
Mutter! lehnte Benno ihren Wunsch ab, der fast wie Besorgniss klang ...
Wer weiss es noch sonst? fragte sie ...
Ich hier allein! antwortete Benno und deutete auf sein Herz ...
Meine Ahnung ist erfüllt! sprach sie ... Mit bangem Herzen bin ich nach diesem land gekommen ... Ich ahnte, dass ich das alles, alles erleben würde ...
Nicht aber so! klagte Benno das Schicksal an ... So grausam nicht! ... Das Leben im tod ... O zürnst du mir? ...
Sie schüttelte den Kopf ...
Niemand weiss es? fragte sie wiederholt und zweifelnd ...
Vier fremde Priester, bestätigte Benno, ich und mein Bruder – der Präsident von Wittekind – Friedrich ist mein Freund und der deine ...
Sie fand sich langsam zurecht ...
Aber wer weiss, begann sie, ob ich deine stimme gehört hätte, wäre sie nicht von dem Schweigen einer toten unterstützt gewesen ... Angiolina! ... Ja, ich hatte mich mit Hass gerüstet, mein Sohn ... Hätte Gott es nicht so verhängt, dass ich meine Kinder s o – s o wiedergesehen – wer weiss –! ... Angiolina! ... Eine – Verlorene! ...
Benno unterbrach diese Gedankenreihen und fragte liebend vorwurfsvoll:
Selbst auf deine Kinder wolltest du Hass werfen? ...
Ja, mein Sohn! bestätigte die Frau, deren Lippen noch wie von Fieberfrost auf und zu gingen ... Es liegt eine wunderbare Macht, fuhr sie, an Angiolinens Verirrung anknüpfend, fort, in dem Gesetz ... Aber eine Frau kann sich von ihm verirren und, wird sie nur geliebt, so vergisst sie alles, Urteil der Welt und künftiges Gericht ... Täuscht sie aber der, den sie liebte und um den sie alle Sünden der Welt ertrug und selbst beging, so welkt ihr jeder Baum und jede Farbe verbleicht ihr und ich hasste dich schon damals ebenso, wie ich dich anfangs geliebt hatte ... Ich schleuderte – Angiolinen – dies Kind wie eine Last von mir ... Ihm zu Füssen! ... Da hast du, was dein ist, Schurke! ... Ich sah meine Geburt nur einmal – wie sie ins Leben trat ... Das wird vor Gott ein Verbrechen sein – aber er strafte mich jetzt schon, dass ich mein Kind so wiedersehen musste ...
Sie versank in Tränen und küsste die blutigen Haare ...
Sei versöhnt! sprach Benno mit Milde und wie jeder, der an ein mühevolles Ziel glücklich angelangt ist, dann erschöpft zusammenbricht ...
D i r bin ich es, mein Sohn! wandte sich ihm die stolze Frau zu, jetzt, um ihn zu ermutigen, mit zärtlichstem Tone, ja wie eine Braut so weich – aber – Medea – erhob sie sich wieder – Medea schlachtete dem treulosen Vater ihre Kinder ... Nein, nein! ... beschwichtigte sie gleichsam ... Wie kommt das alles – dass du hier bist? Suchtest du mich? Woher weisst du deinen Ursprung? ..
Benno sammelte sich und die Mutter am zweckmässigsten durch die vollständige Erzählung der ihm allmälig gewordenen Entüllungen ... Er schloss seine kurzgefassten Mitteilungen mit dem Wort:
Die Kirche anerkennt deine Ehe! ...
Sprich das nicht aus! entgegnete sie .