trägt? ...
Benno hätte sagen mögen: Oder Ich! Denn um meinetwillen kam Olympia! ... Eine elektrische Kraft gab ihm den Mut, zu erwidern:
Das Leben ist eine Kette von Ursachen und Wirkungen ... Wir geben uns auf diese Art alle einander den Tod ... Diese arme würde hier auch ohne die Gräfin liegen ...
In der Tat? ... Aber der Graf betet sie doch an? ... fragte die Herzogin ...
Seine Liebe war ein schöner Traum ... Vor einigen Stunden sagte er ihr, dass sie erwachen müsste ...
Ich verstehe ... sprach die Herzogin seufzend ... Armes Kind, du wolltest kein Erwachen ... Wen heiratet der Graf? ...
Eine Gräfin Paula von Dorste-Camphausen, Nichte des Kronsyndikus von Wittekind-Neuhof ...
Die Herzogin zuckte zusammen ... Sie erhob sich, sah geisterhaft um sich, betrachtete Benno, dann atmete sie tief und schwer und beugte wieder das Haupt ...
Benno war nicht so grausam gewesen, diesen Namen seines Vaters zu scharf zu betonen ... Er knüpfte gleichsam nur an die Erwähnungen von vorhin an ...
Sie kannten – diesen Syndikus der Krone? sprach die Herzogin nach Gleichgültigkeit ringend ...
Benno erwiderte:
Ich sah ihn nur auf der Bahre, als man ihn in die Gruft seiner Väter senkte – Er lag – ganz ebenso, wie hier – ...
Benno hielt inne, um nicht zu viel zu sagen ...
Eine lange Pause trat ein ...
Schon wollte sich die Herzogin, die das Bedürfniss zu haben schien, sich von Benno über jene Familie, der sie so nahe stand – im Wagen mehr erzählen zu lassen, zur Tür wenden ...
Jetzt oder nie! riefen Benno's innere Stimmen und so wagte er die Worte – "Seine Tochter" – die er nicht ausgesprochen, zu umschreiben ...
Ich denke mir, sagte er, dass der Kronsyndikus in seiner Jugend Aehnlichkeit mit den Gesichtszügen dieser Unglücklichen da hatte ... Sehen Sie nur diese Stirn ... Tritt sie nicht ganz so – trotzig hervor, wie – bei – jenem – Tyrannen? ...
Das Antlitz der Herzogin vibrirte ... Sie horchte der seltsamen Vergleichung hoch auf ...
Benno, dem Himmel dankend über seine Gewandteit, in der Sprache seiner Mutter ohne das mindeste Hinderniss reden zu können, fuhr fort:
Sehen Sie, da liegt noch die Schere, mit der der Arzt die Haare von der Wunde wegschneiden liess ... Die schönen Haare! ... Ich nehme diese Locken zu deinem Angedenken mit, arme – – Schwester! ...
Diese Anrede wurde fest, wenn auch mit zitterndem Herzen gesprochen ...
Die Herzogin fuhr jetzt zurück ... Sie musste glauben, der junge Mann wäre plötzlich in Irrsinn verfallen ... Sie suchte ernstlich die Tür ...
Ich nenne dich Schwester! rief Benno noch lauter und bannte damit den Schritt der Entfliehenden ...
Finden Sie nicht, Herzogin, dass auch ich die Züge der Unglücklichen trage? ...
Die Herzogin blieb wie auf der Flucht ... Sie glaubte einen Narren reden zu hören ... Dennoch verglich sie ihn und die tote ...
Deshalb nannt' ich die Aehnlichkeit mit dem Kronsyndikus – Denn, Herzogin, ich, ich bin mit dem Kronsyndikus verwandt ...
Die Herzogin konnte nicht von der Stelle ...
Asselyn! ... sprach Benno ... Hörten Sie denn niemals diesen Namen? ...
Die Herzogin hörte nur und besann sich ... Da biss sie plötzlich krampfhaft auf ihre Lippen ...
Es gab doch einen Freund des Kronsyndikus ... Einen Abbate – Francesco ... Kannten Sie denn den Abbate Francesco nicht? ...
Die Herzogin machte eine Bewegung, als hätte sie der Stich einer Schlange getroffen ...
Ist das – Ihre Familie –? ... sagte sie mit lauerndem blick ...
Benno schwieg ...
Die Herzogin wollte, beschlichen von einem furchtbaren Gedanken des Mistrauens, den unheimlichen Saal verlassen ... Sie sah sich um ... Sie schien sich auf noch einen andern Priester als den Abbate Francesco zu besinnen, auf den Pater Stanislaus; sie fragte: Graf Salem-Camphausen sagten Sie? ...
Aber gehen wir! lächelte sie und die Frage wie zurücknehmend ...
Vergebung, Herzogin! ... sprach Benno immer fester auftretend ... Ich kann mich nicht trennen ... Dies Blut ist mein eigenes ... Ein geheimnis, Herzogin! ... Sie werden mich für wahnsinnig halten? ... Ich suche seit Jahren eine Schwester ... Ich glaube sie in dieser Unglücklichen gefunden zu haben ... Still, still! ... Unter uns! ... Noch einmal, finden Sie nicht, dass wir uns ähneln? ...
Die Herzogin bebte wieder zurück über den Ausdruck in den Zügen des jungen Mannes ...
arme Schwester, fuhr Benno fort, zum Paradiese geleitet dich dein Schutzgeist mit trauernder Miene ... Sie wird Einlass finden, Herzogin, nicht wahr? ... Denn ich und meine arme Schwester, wir beide haben eine