.. Eine Dame sitzt im Wagen ... Sie gehört zu den Reitern, die noch nicht lange vorbeikamen ... Ein junger Herr ist bei ihr, der ein schwarzes Pflaster an der Stirn trägt ...
Principe Rucca – und – unsre Mutter! ... sagte sich Benno und suchte sich zu halten ...
Zum Tod erblasst ergriff er den Sessel und liess sich dem Grafen gegenüber nieder ...
Der Wagen war verschwunden ... Nur das Knirschen seiner Räder hörte man noch im feuchten Kiese ...
Ist Ihnen nicht wohl? fragte der Graf, jetzt erst bemerkend, dass sein Gast kaum die Serviette zu ergreifen vermochte ...
Es ist vorüber ... hauchte Benno mit äusserster Anstrengung sich bekämpfend ...
Mein Gott! Sie haben so lange gefastet! entgegnete der Graf und riet erst zu einem Glase Wein ...
Benno lehnte alles ab ... Er ergriff den Löffel zur Suppe ...
In Gegenwart der Diener liess sich das begonnene Gespräch zwar nicht ganz wie vorhin fortsetzen, aber es blieb ernst ... Man sprach über Wien, Oesterreich, über diejenigen Eindrücke, die jedem Fremden zuerst aufstossen müssten ...
Der Graf schilderte die Lage der österreichischen Aristokratie als eben nicht beneidenswert ...
Wir leben, sagte er, nach den Ansprüchen, die unser Stand und die Gesellschaft mit sich bringen; daher in einer fortwährenden Steigerung unserer Bedürfnisse. Unser Besitztum verringert sich indess an Wert ... Ich kann Ihnen die ersten Herrschaftsbesitzer nennen, denen ein einziges Reh in der Verwaltung ihrer Wälder durchschnittlich fünfhundert Gulden kostet und die von leidlicher Ordnung sprechen, wenn es um zehn Gulden an den Wildpretändler verkauft in der Rechnung steht ... Das ist die Incongruenz aller unsrer Lebensbeziehungen – ...
Durch Castellungo gehörte auch der Graf Sardinien an ... Er forderte Benno auf, den Besuch Castellungo's nicht zu versäumen ... Die dabei unvermeidlichen Uebergänge des Gesprächs auf bezügliche Namen und schwebende Interessen, auch auf die Cardinäle Fefelotti und Ceccone, brachten das Gespräch auf Bonaventura ... Der Graf blickte nieder und liess sich erzählen ...
Man erwartet ihn ja wohl auch hier? ... fragte er mit einem Ton, der Benno auffallen durfte ...
Gegen Ende des einem Diner vollkommen entsprechenden Mahles bemerkte man das längere Ausbleiben der Diener und eine lebhafte Bewegung in den Zimmern ...
Im schnellsten Trabe wurde ein Reiter vom Garten her vernehmbar ...
Die Diener blieben zuweilen beim Serviren wie angewurzelt an einer Stelle stehen, warfen sich bedeutsame Blicke zu und schienen sprechen zu wollen ...
Wieder hörte man Hufschläge ... Alles ringsumher bekam einen Ausdruck von Unruhe und Störung der bisherigen Ordnung, ohne dass man Ausrufe oder auch nur laute Stimmen hörte ...
Der Graf fragte endlich die am Büffet flüsternden Diener fast unwillig:
Was gibt es denn? ...
Da die Diener nicht antworteten, wiederholte er seine Frage und legte schon erblassend die Serviette nieder ... Er schien einer üblen Botschaft gewärtig ...
Franz ist zurück ... sagte der ältere Diener zögernd ...
Der jüngere fügte zagend hinzu:
Es hat – ein Unglück gegeben ...
Der Graf erhob sich ... Seine Augen zuckten ...
Dass es Angiolina war, die ein Unglück getroffen, verstand sich von selbst ...
Die Diener sahen zum Fenster hinüber ...
Was ist denn?! ... Ein Sturz vom Pferde?! ... rief der Graf oder wollte dies rufen ... Die kurze Frage kam nur noch halb von seinen Lippen ...
Benno war in gleichem Entsetzen aufgesprungen ...
Die Diener trugen dem Grafen einen Sessel nach; er hatte zur Tür gehen wollen und war zusammengebrochen ...
Verwundet doch – nur –? rief Benno, zu seinem Herzen greifend, als bräche es auch ihm im Krampf ...
Die Diener stockten und erklärten gleichzeitig und mit demselben Ton:
Lebensgefährlich! ...
Sie ist tot – hauchte der Graf ... Ich weiss es! setzte seine zitternde stimme hinzu ... Seine hände richteten sich wie die eines Irren gegen Himmel ...
Die Diener bestritten diese schnelle Annahme ... Sie wäre sofort in ihren Pavillon getragen worden – sagten sie ... Ein Arzt wäre aus dem nächsten Ort gerufen ... Die fremden Herrschaften, die vorüberritten, wollten nach einem Stadtarzt schicken ...
Sie sind schuld an ihrem Tod! schrie der Graf und eine zuckende Bewegung ergriff seine hände und Füsse ... Franz! rief er ... Warum folgte ihr Franz nicht schon von hier? ...
Seine zornige Rede erstickte im Schmerz ... Es war nichts mehr zu ändern ... Seine Anklagen verhallten in den beiden Händen, die er vor die weinenden Augen hielt ...
Benno glich dem von Schlangen umringelten Laokoon, der hülfe rufen will für sich selbst und den eignen Tod nicht achtet in der Angst um seine Lieben ...
Sie ritt bergab mit verhängtem Zügel! berichtete der Diener ... Allmälig ging das Pferd langsamer ... Sie schien es nicht zu achten ... Da stand es ganz still ... So sass sie im Sattel wie abwesend ... Indess war Franz unten an der Landstrasse und wartete am Ausgang des Parks beim