trennen ... Ich habe dich als halbes Zigeunerkind einst in Zara gefunden ... In Zara, wo ich die Pfeifen da kaufte und die Waffen an der Grenze erbeutete von Bosniern ... Ja, Baron, in Zara sah ich das kleine Mädchen hoch zu Rosse stehen ... Es war allerliebst ... Wenn das Kind durch die bunten Reifen, mit und ohne Sattel, gesprungen war und nur Ein Sprung war misglückt, so schüttelte sie den Kopf zu allen Beifallszeichen und rief: Niente! Niente! ... Es war eine italienische truppe ...
Benno wandte sein Auge ab, das sich mit Tränen füllte ...
Die Unterhaltung in Zara, fuhr der Graf fort, dauerte vierzehn Tage ... Die Gesellschaft wollte abreisen und wir Offiziere hatten an dem Kind eine solche Freude, dass ich meinen Kameraden den Vorschlag machte: Kaufen wir's dem Führer ab! Wir wollen's erziehen lassen! ... Die Kameraden wollten nicht ... Da tat ich's für mich allein ... Die Gesellschaft war klein; der Director machte schlechte Geschäfte ... Er liess mir Angiolinen für zweihundertfunfzig Gulden ...
Oeffnet euch, ihr blauen Vorhänge des himmels, dass ich meine hände ausbreite zur Anklage eines Vaters, dessen Untaten solche Opfer forderten! ... So rief es in Benno's inneren ...
Er konnte nur leise fragen:
Wem gehörte das Kind? ...
Es war wild aufgewachsen, erzählte der Graf ... Der Director wird's gestohlen haben, wie diese Leute wohl tun ... Später haben wir nachgeforscht und kamen bis ins Reich hinaus ... Eine italienische Familie, die am kasseler Hof bei der Oper mit der Feuerwerkerei beauftragt war, hatte das Kind bei sich ... War's ein Kind dieser Italiener, ich weiss es nicht ... Der Krieg hetzte damals alles durcheinander ... Angiolina war elf Jahre, als ich sie mitnahm und noch einmal taufen liess ... Ich gab sie einem gewissen Pötzl in Wien zur Erziehung ... Nicht wegen seiner – sondern wegen der Frau, die eine gute Haut war ... Da ist das Mädchen erzogen worden ... Es war eine Pracht, wie sie heranwuchs, sich bildete und keinen gewöhnlichen Geist besass ... Ich liess ihr die Sprachen und etwas Musik beibringen ... Das alles hab' ich im reinsten Sinn getan ...
Benno schwieg, von innigstem Herzen zustimmend ...
Nachdem, fuhr der Graf sich selbst die Brust erleichternd fort, kam Terschka in meine Nähe ... Ich kann nicht sagen, ist's Zufall, weil das Mädchen damals die liebreizendste Erscheinung wurde, oder eine Folge der Eifersucht, weil Terschka ein Auge auf sie warf –
Der Jesuit! – warf Benno ein ...
En vacances! lächelte der Graf ... Aber sagen Sie das hier ja zu Niemand anders, als zu mir! Die hiesige Gesellschaft erklärt ihn für einen Abenteurer und Betrüger ... Verlassen Sie sich, die Jesuiten hatten ihn abgeschickt, mich katolisch zu machen ... Und er fing's sehr richtig an ... Wär' ich ihm in allem gefolgt, so säss' ich jetzt bei achtunddreissig Jahren mit beständigem Frieren und versucht' es vielleicht, ob mich nicht ein Ordenshabit erwärmte ... Eine Frage im Vertrauen, Herr von Asselyn! ... Ich hab' gehört, Ihr Herr Oberprocurator Nück litte – – an einem curiosen Spleen – an der Hängemanie ... Ist das wahr? ...
Man sagt es ... bestätigte Benno ...
Ich kannte einen dalmatinischen Schiffskapitän, der mich versicherte, das Hängen wäre der schönste Tod, man wüsste das ganz genau in der Türkei, wo die grüne Schnur zu haus ist ... Und gerade ebenso wusste Terschka den allmäligen Untergang an Leib und Seele zu einem Genuss und einem Genuss ohne Gewissensbisse zu machen ... Dass er sich selbst dabei so erhalten hat, machte sein Mangel an Reue ... Nichts ruinirt mehr als die Reue, sagte er ... Terschka's Satz war: Betrachte jeden Menschen wie ein Glas, an dem man mit einem Instrument den Ton sucht, in dem es wiederklingt! D e n Ton forcire dann – bis es bricht! ... So wusste er von Jedem seine innerste natur zu entdecken, nach der setzte er sich mit ihm und kam auf die Art mit allen aus ... Bei mir stützte er sich auf Bagatellen – auf die Pferde ... In seiner Jugend muss er ein Kunstreiter gewesen sein ... Kurz, erst als Terschka sagte: Um Ihrer Frau Mutter willen müssen Sie anfangen, nicht so oft zu den Pötzls zu gehen – ging ich alle Tage hin ... Das Ende war, dass ich, als die Pflegemutter starb, Angiolinen vom Alten wegnahm, erst ihr Bruder und dann ihr Geliebter wurde ... Das ist manches Jahr her und ich kann wohl sagen: Diese Liebe hat mich vom Untergang gerettet! Angiolina wurde mein Schutzgeist ... Nicht etwa durch Moral, die hier nicht am platz ist ... Im Gegenteil, sie konnte trotzen, ausschlagen, lügen, sich rächen, wie nur einer, der gereizt wird ... Doch