russischer Lederstickerei grell abstach ...
In einer Sprechweise wienerischen Tonfalls entschuldigte er sich, dass ihn Geschäfte abgehalten hätten, sich in eine vollständigere Toilette zu werfen ...
Alles das kam, als hätte er eben nur eine Abhaltung gehabt in seinen Ställen oder sonst bei einem Lieblingsgeschäft, das abgewartet werden musste ...
Der Uebergang zum Rauchen, das Nötigen auf ein dunkel gestelltes, ganz in der Ecke hinter dem Schreibtisch befindliches Kanapee, alles war so leicht, so im Ton der harmlosesten Zuvorkommenheit, dass jeder andere nicht gemerkt haben würde, wie die Art, mit der er in die Kissen zurücksank und wie von seinen Wangen die leichte Röte der ersten Begrüssung verschwand, doch die äusserste Erschöpfung nach einer aufregenden Scene ausdrückte ... Im forschenden blick auf Benno der völligste Ausdruck der Unbefangenheit über dessen Beziehung zu Angiolina ... Und kein Stutzen etwa über irgendeine Aehnlichkeit ...
Ungeordnet, abgerissen war alles, was der Graf von Benno's Aufträgen sprach ...
Dieser sammelte sich selbst erst durch das Aufschliessen seines Portefeuille ... Die Eindrücke stürmten zu mächtig auf ihn ein ... Die Verlegenheit des Grafen wurde von der seinigen übertroffen ...
Herr Graf, begann er allmälig, da ich die Ehre habe – Frau Gräfin Mutter zu kennen und – den Bewohnern von Schloss Westerhof durch lange Jahre nahe stehe, so hab' ich – bei Veranlassung einer Reise nach dem Süden, gern die Aufträge übernommen, die mir Herr – Dominicus Nück gegeben ... Ich soll Ihnen – vorlegen, was die Agnaten der Dorstes, die Landschaft, die witoborner Curie zuvor gesichert wünschen müssen, ehe die Vermählung zwischen Ihnen und – Comtesse – Paula zu stand kommt – worüber Sie wahrscheinlich schon die directe Entscheidung durch Ihre Frau Mutter erhalten haben ...
Kein Wort –! sagte Graf Hugo, immer noch wie scherzend ... Er versuchte, eine Cigarre anzündend, den Ton der Leichtigkeit beizubehalten ... Kein Wort, wiederholte er, das entscheidend wäre – Die Mutter kommt in diesen Tagen zurück – Sie kann schon heute da sein – Da werden wir ja – hören ...
Ich zweifle nicht, dass sie die Nachricht von Comtesse Paula's Einwilligung bringen wird – Ich wünsche Ihnen Glück zur Verbindung mit einem der edelsten Wesen der Welt ...
Graf Hugo schwieg ...
Die Cigarre, die nicht brennen wollte, fortlegend, sagte er:
Sie bringt mir ein grosses Opfer ...
Es währte eine Weile, bis er, während er die Hand aufstützte, fortfuhr:
Ich bin beschämt davon ... Herr von Asselyn, das sind sehr traurige Notwendigkeiten ... Sie werden ja unterrichtet sein – wie – alles das schon seit Jahren –
Mit diesem Worte stockte seine Rede ...
Benno sah, wie sich die hochgewölbte, männlichstarke Brust hob und senkte ...
Man sollte – sagte der Graf, wieder nach einem möglichst heitern Tone ringend – man sollte eigentlich niemals grossmütig sein ... Es war seit Jahrzehnden in unserer Familie die stehende Redensart: Allerdings wenn die Urkunde sich fände –! ... Nun ist sie da und alle unsere Bravaden werden beim Wort genommen ... Soll ich wieder aufs neue processiren? ... Soll ich die Urkunde angreifen? ... Soll ich die Verbindlichkeit als eine gefälschte leugnen? ... Ihr Staat duldet bei Testamenten keine Religionsverbindlichkeiten ... Das weiss ich vollkommen ... Ich würde selbst einem Gegner, wie Nück gegenüber, gewinnen ... Aber erst nach zehn Jahren ... Diese Zustände einer Processführung sind nicht mehr zu ertragen ...
Als Benno zustimmend schwieg, fuhr der Graf fort:
Die Leute sagen, die Urkunde wäre ein Extrastück Terschka's, befohlen aus Rom ... Aufrichtig, ich glaube das nicht ... Der arme Schelm hat uns alle betrügen müssen ... Das ist wahr ... Aber hierin ist er unschuldig ... Meine Mutter hat ernste Scenen mit ihm gehabt ... Ich will hoffen, dass ihm England den "neuen Menschen" anzieht, der, wie Sie wohl wissen, zur Garderobe meiner guten Mutter gehört ... Die arme! ... Ihr Eifer, ihre Bemühung rühren mich ... Ich will alles tun, was Mama auf ihre alten Tage Beruhigung gewährt ...
Benno breitete die Papiere aus und horchte den Worten, die nicht herzlos klangen, horchte um Terschka's willen, dem das Zugeständniss der Verschwiegenheit und einer wirklich geübten Discretion machen zu müssen, ihn fast schmerzte ...
Meine Religion ist in diesem Land sehr schwer gestellt, fuhr der Graf in den Papieren blätternd fort, ... Ich fürchte, Gräfin Paula wird darin am meisten Anstoss bei mir nehmen ... Zumal bei ihrer übergeistigten Richtung ... Ich hoffe, Ihre Papiere entalten nichts von einer Bedingung, mir erst durch eine Conversion die Gemeinschaft auch des himmels mit ihr sichern zu sollen? ...
Benno bestätigte diese Voraussetzung und berichtete, dass die Vorbehalte lediglich auf Besitzfragen gingen ...
Der Graf erklärte, alles das, was er da fände, schon mit wiener Advocaten besprochen zu haben und sagte, die Papiere zurücklegend:
Am liebsten fänd' ich in diesen Papieren ein Bild der Gräfin ... Wie ist es jetzt mit ihrer Krankheit? ... Meine Mutter schreibt