fuhr dann doch, als die Frauen fortüpften, streng wieder fort:
Sie werden es auf Salem sehr öde und einsam finden ... Falls Sie bis dahin zurück sind, seien Sie doch den Mittag morgen bei uns zu Tisch – Und überhaupt – Herr von Asselyn, an jedem Tag finden Sie bei uns Ihr Couvert ... Wenn die Gräfin zuletzt mit der wirklichen Entscheidung eintreffen sollte –
Herr von Zickeles konnte nicht weiter reden ... Auch Leo Zickeles nicht, der hinzugetreten war und sich ins Geschäftliche mischen wollte – Mein Gott, was ist! mussten Vater und Sohn zu gleicher Zeit fragen ...
Jenny weinte laut ... Weil Professor Biancchi mit Resi Kuchelmeister "eine Verschwörung" gegen sie eingeleitet hätte ... Eben jetzt erst hatte sie erfahren, dass Biancchi heute Dalschefski's Platz im Burgteater benutzt und die Resi begleitet hätte ... Sie hatte bisher den Grund, warum er heute nicht im "Piraten" war, vergebens erforscht ...
Soviel etwa verstand Benno von der Ursache des Streits ...
Der Vater ging besorgt in das vordere Zimmer ... Frau von Zickeles folgte in grosser Aufregung ...
Leo, der älteste Sohn des Hauses, der Wohltätigkeitsschwärmer, ein ruhiger, kaltprüfender Mann, schenkte Benno Wein und sagte, ohne sich um den musikalischen Lärm zu kümmern:
Ja, Sie werden den Grafen sehr in Verstimmung finden! Aber man kann ihm doch nur Glück wünschen, dass namentlich auch – das verhältnis aufhört mit dieser – Angiolina ...
So war das vernichtende Wort gefallen ...
Angiolina? sagte der hinzutretende Harry lächelnd und löste Leo ab, der von seinem Schwager, dem Diplomaten, in Anspruch genommen wurde ...
Haben Sie auch schon von dem fräulein Pötzl gehört? fragte er und sah sich dabei schmunzelnd und scheu nach Herrn von Pötzl um ...
Wie hängt Herr von Pötzl mit – fragte Benno in abgebrochener Rede ... dieser – Dame – zusammen? ...
Bei leib, flüsterte Harry und drückte seine kleinen Augen vollends zu; nur nichts laut davon! ... Sie ist Herrn von Pötzl's Pflegetochter ... Er kennt sie aber seit Jahren nicht mehr, will auch nichts mehr von ihr wissen ... Auch zu uns kam sie sonst ... Herr von Terschka führte sie auf ... Später ging's nicht mehr – des Verhältnisses mit dem Grafen wegen, der sie als Kind hatte erziehen lassen und dann – ... Sie wissen ... Nur die einzige, die sie noch zuweilen sieht, ist da die Resi ... Das ist überhaupt ein lieber Narr! ... Resi's Vater war unser erster Buchhalter und hinterliess ihr ein hübsches Vermögen ... Seitdem wohnt sie mit einer Tante und will seit zehn Jahren schon zum Teater ... Sie weiss aber nicht, dass das mit ihren fünfundzwanzig Jahren zu spät wird ... Meine Schwestern sind mit ihr auferzogen worden ... Sagen Sie ihr aber um himmels willen nicht, dass Sie der Employé sind, der die Heirat des Grafen Hugo mit der Gräfin Dorste, der Geisterseherin, arrangiren soll ... Sie kratzt Ihnen sonst die Augen aus, so intim war sie noch vor kurzem mit Angiolina, die wirklich sonst eine Pracht von einem Mädchen ist ... Aber hören Sie, wie die Resi jetzt den Biancchi zurecht stutzt ... Sie müssen wissen, die Terese wohnt in Einem haus mit den beiden Musikmeistern, die zusammenwohnen, obwol sie ganz verschiedene Systeme haben ... Teresens Lehrer ist der Dalschefski, ein Pole, und der ist für deutsche Musik; und unsere Jenny, die hat den Biancchi zum Lehrer und der ist natürlich ein fanatischer Italiener ... Der Pole und der Italiener wohnen, wie gesagt, in einem Quartier ... Auf der Currentgasse ... Und von Haus aus sind sie die besten Freunde ... Im Vertrauen gesagt wegen der Politik ... Aber in der Musik hassen sie sich ... Nun können Sie sich die Eifersucht der beiden Mädchen denken! ... Unsre Jenny weint eben, weil der Biancchi heute mit der Resi ins Burgteater gangen ist, während sie im Kärtnertor allein sass! ...
Welche geringfügigen Leiden! dachte Benno ...
Mehr konnte Harry nicht mitteilen; alles wurde still, weil die beiden Freundinnen allein das Wort führten ...
Jenny, nicht so anmutig, wie ihre Schwester Bettina, mit schärferer orientalischer Zeichnung, voller, drückte ihr Taschentuch vor die Augen und behauptete, die ganze Vorstellung des "Piraten" wäre ihr heute verdorben gewesen durch das vergebliche Warten auf Biancchi ... Und dieser Mann würde inzwischen von Teresen in Beschlag genommen! ...
Der Pole Dalschefski, ein magerer, schmächtiger Alter mit grauen Haaren, immer halb lächelnden, halb melancholischen Ausdrucks, sprach in gebrochenem Deutsch:
Mein Freund Biancchi – er hat sehen wollen – die Loge von grossem Kanzler – wo sind gewesen heute die italienischen Herrschaften aus Rom – hab' ich ihm gegeben meine Platz – ...
Unbesonnen genug von Ihnen! entgegnete ihrerseits die Resi ... Der fremde Herr Baron, der durch Zufall Zeuge unsrer Leiden gewesen ist, wird es bestätigen können, dass der Maestro durch seine gehässigen Bemerkungen uns die ganze Vorstellung verdorben hat ...
Wenn Terese Kuchelmeister