' ich noch ein bissel in den letzten Act ...
Nun keuchte der junge dicke Mann die Treppe voran ... Das Haus war viel heller erleuchtet, als das Palais des armen Schuldners der Zickeles, des Grafen Hugo ...
Auf der Mitte blieb wieder der Teaterfreund stehen, zog wieder die Uhr und schien die grösste Angst zu haben, die Scene seines Günstlings, dem er, wie Herr von Pötzl elegischironisch sagte, seine gewohnte Protection durch einen stürmischen Applaus zugesagt hatte, zu versäumen ...
Endlich waren alle drei im ersten Stock angelangt ... Hier klingelte Herr von Zickeles und erst, wie er sicher war, dass der öffnende Bediente den Gast direct aus seiner Hand empfing und die Anmeldung fest hatte: "Herr Baron von Asselyn!", bat er für eine halbe Stunde um Entschuldigung und stürzte, um im Burgteater sein gegebenes Mäcenatenwort zu lösen, davon ...
Sehr ein vortrefflicher Mensch und – Kunstkenner! sagte Herr von Pötzl mit seiner jetzt entschiedener ausbrechenden maliciösen – Gemütlichkeit ...
Dann setzte er, beim Ausziehen der Oberröcke, Benno ins Ohr flüsternd hinzu:
Sie werden, wie ganz Wien weiss, hier erwartet wie der Onkel aus Amerika oder das Manna in der Wüste! ... Gebe der Himmel, dass Ihre Mission an den Herrn Grafen von dem glänzendsten Erfolge gekrönt wird! ...
Auf Benno's Lippe bebte die Frage: Wie aber kommst du und die arme dann geopferte Angiolina zu einem und demselben Namen –? ... Doch er musste in die Salons der reichen Bankierfamilie treten ...
Herr von Pötzl "führte ihn auf" unter einer Flut von gemütvollsten Reden, in denen er alles haarklein erzählte, was sich zum Erstaunen und "wie in einem Roman" seit dem Eingang zum Burgteater bis zum gegenwärtigen Augenblick in Herrn Baron von Asselyn's Leben und dem seinigen zugetragen hätte ...
Die Räume waren erhellt, aber noch leer ...
Nur der Herr Vater, Herr Marcus Zickeles, und die Frau Mutter und noch einige ältere Herren und Damen waren anwesend ...
Sie bildeten Whistpartieen, die im vollen Gange waren, sodass trotz der freundlichsten Bewillkommnung die noch nicht zu Ende gespielten Partieen eine ausführlichere Begrüssung unterbrachen ...
Der Vater und die Mutter verwiesen ihn mit aller Freundlichkeit auf den jüngsten Sohn des Hauses, der ihm besonders von Seiten der Mutter mit hoher Genugtuung und den Worten vorgestellt wurde: Mein Sohn Percival! ...
Percival Zickeles war noch ein unreifer, etwas schüchterner Jüngling, dem, wie es schien, der erste Buchhalter beispringen musste, um die Honneurs zu machen ...
Benno war es sehr zufrieden, dass ihm selbst Herr von Pötzl, der seines "Aufgeführten" Bedeutung l e i s e tuschelnd da und dortin mitteilte, einige Ruhe liess ...
Was lag nicht alles centnerschwer auf seiner Brust! ... Selbst die harmlose Erwähnung Angelika's, der "ewigen Verlobten" Püttmeier's, weckte Erinnerungen, die ihn haltlos wie in Lüften schweben liessen ...
Angelika Müller trat auch wirklich ein ... Sie, in gesellschaftlichem Putz und Staat – Sie, die alte verblühte Erzieherin – sonst in einem halben Nonnenkloster – hier in einem israelitischen haus ...
Kaum sah sie Benno, so stiess sie einen Schreckund Jubelruf aus, der für die alte "Frau von Zickeles" im Spiele störend schien ... Sie wandte sich um und – stumm reichte Angelika jetzt Benno die Hand ... Ihr Lächeln war das alte ... Es zeigte die ganze Reihe ihrer riesigen, aber weissen, schön erhaltenen Zähne ... Eine lange Rosaschleife erstreckte sich von den mühsam zusammengelesenen blonden Haaren in den Nakken ... Sie trug ihre arme, so mager sie waren, entblösst ... So befiehlt das Sklavenleben des Gouvernantentums, den inneren und äussern Menschen den Umständen gemäss zu metamorphosiren ... Auch den inneren Menschen! ... Es war Angelika Müller und sie war es auch nicht ... Ein Jahr in Paris und auf Reisen – und dienen, dienen müssen fremden Launen ... Da sprach sie schon von Armgart wie von einer Jugenderinnerung ... Freilich gab es in Armgart's Leben die allerüberraschendsten Veränderungen ... Armgart in dem ihr sonst so verhassten England! ... Näheres wusste sie nicht von ihr ... Nur durch Püttmeier war die "treue Seele" im Zusammenhang mit ihrem alten Leben ... So musste wohl Benno erzählen ... Er tat es voll Liebe und Güte und Schonung Püttmeier's ... An diesem hielt Angelika unverbrüchlich fest ... Sie hatte in Paris für sein System gewirkt; sie hoffte auch in Wien einige rechtgläubige Spätlinge der Naturphilosophie für die Philosophie der Kegelschnitte gewinnen zu können ...
Frau von Zickeles wurde aufgeregter ... Die Gesellschaftsdame ihrer Tochter schien ihr zu sehr im Vordergrunde zu stehen ... Sie spielte zwar noch Whist, unterliess aber nicht, ihrer sich jetzt mehrenden Gesellschaft ihre Aufmerksamkeit zu bezeigen ... Nach jeder Karte, die sie ausgespielt hatte, rief sie: Joseph! Das galt dem Bedienten ... Oder: Pepi! Das galt dem Hausmädchen ... fräulein Müller! Das galt der Gesellschafterin ihrer Tochter, der Frau Bettina Fuld ... Wenn sie: Percival! ihren Jüngsten, rief, so