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in Rom ... Ich machte eine Reise dortin zu einer Zeit, wo unser Deutschland noch erst wenig von der römischen Curie beachtet wurde ... Wie unschuldig nimmt sich auch unser deutsches Kirchlein Maria dell' Anima in Rom aus! ... Franzosen und Spanier haben sich da seit Jahrhunderten wahrhaft königlich zu vertreten gewusst ... Unser Kirchlein aber, das hat so etwas nur vom tyroler Geschmack und dennoch macht es den Eindruck des ehrlichsten und aufrichtigsten aller Gotteshäuser in Rom ... Auf die Phantasie wirkt's nit, das ist wahr; nur ein reines Herz und rechten Drang zum Beten muss Eins mitbringen, um darin Gefallen zu finden ... Aberjavom Ceccone sprach ich ... Den sah ich öfters ... Ihn und die meisten Cardinäle ... Man muss sagen, diese Monsignori sind Menschen, für die Gott ein eigenes Paradies und eine eigene Hölle muss erschaffen haben ... Sie scheinen alle noch wie aus dem Stamm des Cäsar Augustus zu sein ... Quos ego! und das so mit einem smorzandoganz nur so hingelächelt ... Neptun's Dreizack geschwungen mit weissen Ballhandschuhenwie Sie auch immer Se. Heiligkeit sehen werden ... Sie wollen ja nach Rom? ... Immer hat der Heilige Vater, auch wenn er die Völker segnet, weisse Handschuhe an ... Diese Cardinäle! .. Da wird das Unmögliche möglich mit einerkopfabschneiderischen Grazie ... Die Art, wie bloss allein diese Ceremonienmeister des himmels über die Marmorböden schreiten oder wie sie die Messe lesen, falls sie die vollständigen Weihen haben – – das "lasst" sich gar nicht beschreiben ...

Benno war im steten Bangen um die endliche Erwähnung seiner Mutter ...

Der Chorherr liess in der Stadt vor dem Bankierhause Marcus Zickeles halten ...

Es war die Mittags- und Börsenzeit ... Er fand niemand als einen Buchhalter, dem er seine Creditive überreichte ...

Am Abend besuchte er das Kärtnertorteater, wohin ihn der Chorherr nicht begleitete ...

Von der Herzogin von Amarillas erfuhr er durch Erkundigungen in den ersten Hotels, dass sie im "Palatinus" wohnte ... Er näherte sich mit klopfendem Herzen diesem Gastof, sah das Eingangstor mit Dienern in prächtigen Livreen besetzt, hörte italienisch sprechen ... Von einem Mohren hiess es, er gehöre dem Principe Rucca ... Mit der sogenannten "Gemütlichkeit" der Wiener stand die kurze Art, wie er da und dort auf seine fragen Auskunft erteilt bekam, nicht immer im Einklang ...

Am folgenden Morgen sprach der Chorherr seine Verwunderung aus, dass noch kein Lebenszeichen von der Nuntiatur und der Staatskanzlei gekommen ...

Benno erwiderte:

Wie wäre denn das möglich ... Ich brachte keine Empfehlungsbriefe ... Man erwartet mich hier nur in der Herrengasse ... Wie weit ist Schloss Salem? ...

Mindestens vier Stunden! sagte der Chorherr und lud Benno zur Besichtigung der Gemäldegalerie im Belvedere und dann zu einem Spaziergang im Prater ein ...

Die Urteile des Chorherrn über die Schätze der kaiserlichen Bildergalerie waren treffend und zeigten ein Bindeglied mehr zwischen ihm und dem Onkel Dechanten ... Wie warm und lebendig wurde er im Gegensatz zu "Maria vom Schnee" über Rafael's "Maria im Grünen"! ... Wie still und ruhig das alles ist! sagte er im Anschauen ... Die Kinder spielen noch mit dem Kreuz, das sie künftig tragen sollen! ... Und fast hastig führte er Benno zu Carlo Dolce's Bild: "Die Wahrheit" – analysirte es und sah sich dann scherzend um mit den Worten: Warum ein solches Bildnoch nicht verboten ist! ...

Beim Verlassen der nur flüchtig durchwanderten Säle zeigte der Chorherr eine italienische Villa mit noch grünem Rasen ... Der Sommeraufentalt des Staatskanzlers! erklärte er ...

Zum Prater wurde ein Fiaker genommen ...

Als sie den schon völlig laublosen grossen Park erreicht hatten, stiegen sie aus ...

Der Chorherr rief plötzlich:

Schauen Sie da! ... Ist das nicht Ihre gestrige Dame? ...

Eine Cavalcade von Reitern sprengte durch die Alleen ... In ihrer Mitte eine Reiterin, auf deren Identität mit der gestrigen Tigerbekanntschaft der Chorherr nur der Offiziere wegen schloss, die wieder der italienischen Garde angehörten ... Sie ritten zu schnell vorüber, um sie zu erkennen ...

Inzwischen gingen sie weiter ... Der Chorherr nannte den Prater öde und langweilig ... Nur die Abendsonne, sagte er, macht ihn schön ... Wenn man so hinschlendert und sein Tagewerk vollbracht hat ... Dann freilich kommt die Schönheitwie so oftaus unserm Gemüt ...

Nach einer halben Stunde kamen sie zu dem im Prater befindlichen grossen "Hamburger Berg", dessen Schaustellungen und Sehenswürdigkeiten ...

Eine grosse Menagerie kündigte sich durch ihre ausgehängten Bilder, Papagaien und Affen an ...

Zieht Sie schon wieder so ein Spectaculum? sagte der Chorherr fast ärgerlich, als Benno einer dicken hinter Vorhängen sitzenden Dame zunickte, die auf dem Dampfboot ihre verspäteten Käfige begleitet hatte ...

Benno berichtete nur vom Dampfboot ...

Da plötzlich unterbrach ihn der Chorherr und zeigte auf die in der Nähe stehenden dampfenden Rosse der vorhin gesehenen Cavalcade ...

Die Italienerin