Schnuphase gern nach dem Würtembergischen hinübergeschwenkt ... Bei Ellwangen lag die uralte Kirche der vierzehn Notelfer ...
Nur durch das Verlangen, zu beobachten, wie ihm das bairische Bier bekommen würde, vermochte ihn Benno zu einem schnelleren Betreten Altbaierus ...
Das turmreiche Augsburg konnte nicht unberührt bleiben ... Mit sehnsucht blickte Schnuphase, der dabei nie unterliess, als "Reisender" auch in seinem Geschäft zu wirken und bei allen Sakristeien anzuklopfen, auf die fern aufragenden Voralpen, wo die hochheiligen Wallfahrtsorte Andechs und Altötting lagen ...
Zwischen Augsburg und München erfuhr Benno zwar noch immer nichts von Schnuphase's diplomatischer "Mission", aber von der geistlichen Partie derselben lüfteten sich Schleier ...
Schnuphase hatte Commissionen aus Belgien und Paris ... Er brachte Medaillen, Wunderwässer und Rosenkränze in allen Formaten, wie sie die neue geistliche Tätigkeit von Rom und Paris aus segnen und mit jenseitigen Wohltaten erkräftigen liess ... Er selbst war Mitglied "fast zu vieler" Vereine, wie er sagte, und suchte Benno für den Eintritt wenigstens in einige zu interessiren ... Mit dem Flüsterwort: Ich bin Rat eines Rosengartens! erklärte er Benno den "marianischen Bund" ...
Diese Erzbruderschaft will den Rosenkranz als ein Lebendiges, in den Personen Vertretenes darstellen ... 15 Personen stellen eine Rose vor; 11 Rosen, also 165 Personen einen Rosenstock und 15 blühende Rosenstöcke einen Rosengarten ... Schnuphase beaufsichtigte demnach einen Rosengarten von 2475 Personen oder, wie er im Styl der Andacht sagte, "von reuevollen und demütigen Seelen" ... Die Ablässe, die die Mitglieder gewinnen, sind solidarisch und kommen nicht aus dem Verdienst des Einzelnen, sondern aus dem der Gesammteit ... Man l o o s t sie aus, sodass die Hoffnung, eine Seele gewänne durch die Verpflichtung dieser Erzbruderschaft einen Ablass von hundert Tagen oder eine Verkürzung der Pein im Fegefeuer etwa von hundert Jahren, sich nicht auf das eigene Verdienst, sondern auf das Verdienst eines – Mit-Rosenblatts begründet ...
Von dieser liebeseligsten aller Gemeinschaften konnte Schnuphase nicht reden, ohne dass in der Tat alle Rosen auch seines Antlitzes in ihren glühendsten Farben spielten ...
Das zweite Büchelchen entielt die Stunden und Tage der Ablässe, die sich Schnuphase durch Verrichtung der von den verschiedenen Genossenschaften, zu denen er gehörte, vorgeschriebenen Devotionen erwarb ...
In München lebte Benno den Eindrücken der Kunst ...
In einem Kaffeehause traf ihn aus einer Zeitung, die er zufällig las, die Nachricht, dass in Wien eine Menge Römer, auch ein Principe Rucca angekommen wäre – in Begleitung der Gräfin Olympia Maldachini, seiner Verlobten, und der Herzogin von Amarillas.
Er sprang vom Tische auf ... So nahe rückte ihm die Entscheidung! ... Doch, doch folgte die Mutter dem Cardinal! ... Ha, rief es in seinem inneren, Du wirst diese Menschen in glänzenden Carrossen an dir vorüberfahren sehen, wirst vor ihnen entfliehen müssen ... Wie kannst du einen Tag in solcher Nähe bleiben! ...
So grübelte er verzweifelnd und doch wieder hocherhoben ... Das Schicksal kommt dir entgegen! rief er ... Es liess ihn jetzt nicht mehr unter den Bildern, Statuen, Baumonumenten, unter – den Lächerlichkeiten Schnuphase's ...
Dieser war ganz der Vertreter der Lehre, dass die katolische Kirche die heiterste Lust am Dasein segne und heilige ... Wie gute Geschäfte er machte ... Wie kunstkennerisch er vom Bier zu reden begann, obgleich ihm nächtlich der Schlagfluss drohte ... Wie viel Verbindungen er knüpfte und zwar heiterster Art ... Beim Pschorr, beim Hackerbräu endete, was im sankt-Peter, der ältesten Kirche der schönen Stadt, begonnen ... Der mächtigsten Bruderschaft "MariaHilf" gehörte Jean Baptist Maria bereits in ihrer belgischen Verzweigung an ... Wie heimisch war ihm nun das Gefühl, den münchener sankt-Peter zu betreten, von dessen Kanzel herab 1683 jene Bitten an die Gottgebärerin ertönten, die nächst Sobieski's Säbel die Türken von Wien entfernten ... Sie wurden Anlass zu unserer deutschen "Maria vom Siege" – wie die Schlacht von Lepanto und Don Juan d'Austria's Sieg einst zur italischen ... Kam Schnuphasen ausser dem Anblick von zahllosen Kerzen an diesem hochberühmten "privilegirten" Altar von sankt-Peter (einen "privilegirten" Altar zu sehen, ist dem gläubigen Gemüt ein Genuss, wie euch Weltlichen nur der Anblick einer classischen Stelle Italiens) ein weltlicher Gedanke, so war es der: Der Verein "Maria-Hilf" ist recht gemacht für eine Stadt der Maler ... Jedes Mitglied desselben muss bei seinem Eintritt geloben, ein Bild der allerseligsten Jungfrau im haus zu haben ...
In Regensburg, wohin Benno seinen gefährten mühsamer und mühsamer geschleppt hatte und wohin ihn zuletzt nur die Angst beschleunigte, es könnte seine dortin auf dem Donau-Main-Kanal nachdirigirte Bagage und vorzugsweise die geheimnissvolle Kiste verloren gegangen sein, bestiegen beide das Dampfboot ...
Eine herrliche Donaufahrt dann! ... Die Passagiere: Soldat, Bauer, Bürger, w i e n e r Bürger, Baron, ö s t e r r e i c h i s c h e r Baron, Geistliche; Passauerinnen, – die mit ihren Augen die "pössauer Kunst" üben – sagte Schnuphase .