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konnte ihm niemals Frieden kommen ...

Er fand Briefe von Schloss Neuhof vorauch vom Onkel Levinus ...

In letzteren fand sich jedoch kein Wort über die doch gewiss mächtig, nach allen Seiten hin aufregend gewesene wirkung, die sein Brief aus Kocher am Fall hervorgebracht haben musste ... Nur die Anzeichen eines Besuchs der Gräfin Erdmute auf Westerhof mehrten sich ...

Bonaventura's Herkunft, seine würdige äussere Haltung, seine Kenntniss des Italienischen, alles das veranlasste aufs neue die Bitten der Curie, er möchte eben sowohl für die Befreiung des Kirchenfürsten wie für die Stockung aller kirchlichen Gerechtsame der Stellvertretung desselben die Reise nach Wien übernehmen ... Der Staatskanzler galt für einen Gegner der Jesuiten; auch Ceccone hatte mit ihnen seit dem Sturz Fefelotti's Friede geschlossen; vielleicht war in Wien der gute Wille zu gewinnen, die römische Curie zur Nachgiebigkeit zu bewegen ... Bonaventura sollte es sein, der den Unterhändler zum Frieden machte ...

Er entzog sich diesen Vorschlägen, solange er konnte ... Er wusste noch nicht, wie seine Reise in Westerhof würde aufgenommen werden ... Auch hörte er nur, dass vorzugsweise Nück es war, der alle diese Ratschläge erteilte ... Konnte von solcher Seite Gutes kommen? ... Nück kam wieder in seinen Beichtstuhl und gab ihm in der Tat vier Davidssteine an, die er gegen den Goliat der leidenschaft in seiner Brust in Bereitschaft hielt: Ankauf eines Ritterguts, sagte er, landwirtschaftliche Studien, Rückkehr zu alten Dichtversuchen, die er in seiner Jugend gemacht, und die Erlernung der türkischen Sprache ... Das Besuchen von Gräbern nütze ihm nichts, setzte er hinzu; ihm wär' es aus alter Liebe zum tod, wie den Türken, die auf Gräbern Kaffee tränken ...

Eine Ahnung konnte der so von Nück offenbar verhöhnte Geistliche nicht überwinden, die, als spräche alles das nur die Eifersucht ... In einer Zeitschrift gab Nück mit voller Namensunterschrift als einen Wurf mit seinem dritten Davidssteine in Versen die Klage, dass man das Höchste, was ein Weib geistig einem mann sein könne, doch nie ohne die Vertraulichkeit der Sinne gewinnen könne ... Die volle Unterschrift: "Dominicus Nück" beleidigte Stadt und Land ... Seine Freunde sogar sprachen von einer plötzlichen Entüllung des "Pferdefusses" ... Goldfinger junior, inzwischen mit Johanna Kattendyk vermählt, rückte ihm aufs Zimmer und stellte ihn über diese mutwillige Zerstörung des Rufes der Familie zur Rede ... "Kümmern Sie sich um Ihre heilige Botanik oder, wenn Sie wollen, um unsere Conto-Currentbücher!" war die Antwort ... Es war nur Eine stimme, der Oberprocurator hatte sich so nur in Lucinde Schwarz verlieben können und diesewiderstand ...

Benno arbeitete zwar noch bei dem unheimlichen Mann, streifte aber inzwischen leise alle Fesseln ab, die ihn noch an seine gegenwärtige Stellung gebunden hielten ... Auch seine Heimats-, seine Adoptions- und Untertanenverpflichtungspapiere revidirte und ordnete er ... Er wollte nach Italien ... Seine Forschungen gingen mit hülfe des Onkel Dechanten weit über Borkenhagen bis nach Kassel hinaus, wo die über die ersten Lebensjahre eines Julius Cäsar von Montalto gebreiteten Schleier nur noch von zwei toten, dem Kronsyndikus und seinem Adoptivvater Max von Asselyn oder von seiner Mutter ganz gelüstet werden konnten ... Benno hatte bei allen diesen Unternehmungen nur zu hüten, dass nicht Tiebold, der im August aus England zurückgekehrt war, mit seiner gewohnten "Wissbegierde" hinter sein neues, zur Entüllung noch nicht reifes, auch vor dem tod des Dechanten wohl völlig unmögliches Leben kam ...

Tiebold hatte die Reise nach England im Interesse seiner canadischen Holzgeschäfte machen müssen und, wie sich erwarten liess, er kam höchst elegisch gestimmt zurück ... London ist nicht gemacht zum Romantischen! sagte er ... In dem Gewühl der Weltstadt war er dem Obersten von Hülleshoven, seinem Lebensretter, nur ein einziges mal begegnet undohne Armgart ... Letztere war auf dem land bei Lady Elliot ... Und da er erfuhr, dass auch gerade Terschka dort zum Besuch war, hielt er es für "unter seiner Würde", sich dort anmelden zu lassen ... Nur die Gräfin Erdmute und Porzia Biancchi sah er in London und begleitete beide in ein Bibelgesellschaftsmeeting, zu dem sie vom land hereingekommen waren, und dann eine Strecke am Temseufer entlang auf der Rückreise nach dem Landsitz der Lady ... Er hätte, erzählte er, nur aus allem, was er mit ihr verhandelt, das Eine herausgehört, wie Terschka wieder in höchsten Gnaden bei ihr stünde ... Vom Obersten wusste schon Benno, dass seine kühle Gesinnung gegen den katolischen Glauben von den Erfahrungen herstammte, die er in Canada gemacht ... Das Leben in den Klöstern von Monreal hätte Anlass zu gerichtlichen Untersuchungen gegeben und Hedemann hätte dann mit einer angeborenen pietistischen Anlage den Obersten auf ihren Reisen vollends angesteckt ...

Auch Bonaventura erfuhr diese Mitteilungen ...

Da sein Auge, träumerisch und irrend, immer nach dem Tal von Castellungo gerichtet war, so mussten die reformatorischen Bestrebungen auf dem Gebiet der katolischen Kirche mehr denn je Gegenstand auch der Unterhaltungen werden, zu denen er die Freunde öfters bei einem einfachen Mahl in seinen Zimmern einlud ...

Benno's Gesichtspunkte waren ausschliesslich politische ... Er sah in der Kirchenspaltung den Untergang Deutschlands .