des Kranken bis an das Kloster und würde vielleicht allmählich ein wenig den Schrei in der Kirche, das furchtbare Krachen und das Licht im Todtengewölbe in Aphorismen leise angedeutet haben, wäre die fortgesetzte Wanderung nicht durch die eben erreichte Stadt unterbrochen worden ... So zur Seite eines Priesters durch Kocher zu gehen, würde sich für die beiderseitige Stellung nicht geziemt haben ... Das gemütliche Selbander wurde vom rauschenden Fall, von den Gerberwäschen und Metzgerklötzen unterbrochen ...
Auch mit Beda Hunnius, mit Major Schulzendorf und Grützmacher knüpfte Bonaventura wieder in flüchtiger Begegnung an ...
Jenem hatten die Zeitläufe bittere Erfahrungen bereitet ... Ein seraphischer Briefwechsel mit Lucinden und Joseph Niggl war zu den Acten der über ihn verhängten Untersuchung gekommen ... Der "Kirchenbote" erschien nicht mehr; um so grösser war seine Ermutigung durch die mächtige, mit brausendem Wogenschlag zurückgekehrte Flut der hierarchischen Bewegung nach kurzer Ebbe ... Er rühmte das kirchliche Leben jener östlichen Gegenden, wo Bonaventura im Winter gewesen und ihm besonders die reformatorischen Bestrebungen eines Norbert Müllenhoff wie Bonifaciustaten erschienen ... Bonaventura lächelte ... Doch auch Beda lächelte ... über den gegenwärtigen Urlaub des so schnell Gestiegenen ... Um seine Schadenfreude zu verbergen sagte er: Procul a Jove, procul a fulmine ... Er lobte seine Stadtpfarre ... Aber grade über Paula's Visionen musste Bonaventura ihm bis an die Pforte der Dechanei erzählen ...
Schulzendorf war gekniffen und süsssäuerlich ... Die Zeitverhältnisse verhinderten den zu häufigen Besuch der Soupers in der Dechanei ... Seine Nase hatte einen Charakter von Pfiffigkeit bekommen, die jetzt weniger zu verraten schien, wo Trüffeln, als wo – Verschwörungen lagen ...
Grützmacher gratulirte zu einem Avancement, das schneller gekommen wäre, "wie's bei's Militär" möglich gewesen ... Er klagte über den Dechanten, der alt würde ... Von seiner leider ohne "Prämie" gebliebenen grossen Satisfaction "von wegen det ausgebuddelte olle Männeken", sagte Grützmacher: Darüber sind wir "in's Reine" – Es war ein ehemaliger Galeerensträfling, der ein paar Jahre in Paris gelebt hat, dann hierher kam, Pferdehandel treiben wollte, gleich da schon die Leute anschmierte, dann auf ein paar Wochen Knecht im Weissen Ross war, hierauf den Coup auf Ihrem Kirchhof machte, der nichts einbrachte, nachher bei alten Kunden und Hehlern von Gaunern sich verkrochen hatte, vielleicht gar mit dem Hammaker, den Sie ja absolvirt haben, Herr Kapitular, bekannt war, und zuletzt soll er denn auch noch unter falschem Namen nach Witoborn gegangen "sind" ... Da das Feuer, sagen sie, hätt' er angelegt auf Schloss Westerhof ... Darüber hört man denn – hm! – freilich allerlei ... Aber jetzt, wie gesagt, ist er chappirt und wird wohl in Amerika "sind" ... Und wenn Grützmacher hierauf, während Bonaventura aufmerksam zuhörte, zu seiner Frau sagte: "Ne, diese katol'schen pfaffen, doch nichts Aufrichtiges! Jetzt auch schon Der! Und ein ehemaliger Porteépéefähnrich das!" – so hatte er Recht. Jüterbogk und Rom reden allerdings seit drei Jahrhunderten verschiedene Sprachen und Bonaventura hörte ihm über die angeregten Punkte, gebunden durch Furcht, Beichtgeheimnisse und äusserste Spannung, zu ...
Dem Oheim gegenüber legte Bonaventura vor seiner Abreise eine übertriebene Scheu ab und teilte ihm nach kurzem Kampf mit, was er seiter über den Inhalt des Sarges des alten Mevissen und über dessen Räuber erfahren hatte ...
Gab der Onkel auch nicht zu, dass sein Bruder Friedrich noch lebte, so musste der alte Diener desselben doch ein geheimnis bewahrt und in seinen Sarg Dinge gelegt haben, die mit einem Verlangen in Verbindung standen, dass sie einst vom tod auferstehen sollten – zu irgendwelchem noch verschleierten Zwekke ...
Bonaventura erzählte dem Onkel, dass der Fund in Lucindens Händen wäre ...
Dem darüber Hocherstaunenden nannte Bonaventura auch die Drohung, die Lucinde ausgestossen, und hielt nur zurück, als er die ausserordentliche Aufregung sah, in die er damit den Onkel versetzte ...
Das ist ja erschreckend, sagte dieser ... Und du hast von ihr noch immer nicht diese Papiere verlangt? ... Mit Gewalt verlangt? ... So fliehst und verachtest du sie? ... Bona! So alt ich bin, durch meine Adern rollt Feuerstrom, so oft ich an die wenigen Tage denke, die dies Wesen bei uns zubrachte ... Ich nehme sie morgen wieder, wenn sie will ... Meine Macht im haus hat zugenommen ... Hm! Hm! ... Was kann nur jene Schrift entalten? ... Und von wem ist sie ausgestellt? ...
Auf die von Bonaventura zusammengefassten nähern Angaben, auf die Mitteilung, jene Schrift, deren Urheber er nicht kannte, sollte ebensowol mit seiner persönlichen Ehre wie mit dem ganzen Bau der Kirche zusammenhängen, und Lucinde könnte alle seine Handlungen, selbst wenn er die dreifache Krone trüge, damit entwerten, ja ungeschehen machen – lachte endlich der Onkel und hielt die Meinung fest:
Da hör' ich die verschmähte Liebe! ... Das sind jene Erfindungen, die die Frauen zu machen pflegen, wenn man mit ihnen "bricht" ... Regelmässig gibt es dann Papiere, von denen es heisst, ihre Veröffentlichung würde uns "vernichten