sich als entschiedenste Beförderin dieser Verbindung ... Graf Hugo wäre eine natur mit Eigenschaften, die nur entwickelt zu werden brauchten, um vor ihm mehr, als achtung, sogar für ihn Neigung zu empfinden ... Bequemen Temperaments, wollte er beherrscht sein und jeder müsse ihm eine würdigere Leitung wünschen, als er sie bisjetzt gefunden ... Was an Terschka noch allenfalls Gutes wäre, verdanke dieser dem Grafen ... Der jesuitische Intriguant hätte die Macht einer guten und harmlosen natur so auf sich einwirken gefühlt, dass er an seinen Aufträgen irre geworden wäre ... Wenn Paula in ein Kloster ginge, würde sie nach wenig Jahren eine Beute des Todes sein ... Sie müsse die Gräfin von Salem-Camphausen werden ... Der Domkapitular von Asselyn müsste sogar die Kraft über sich gewinnen, selbst die Hand zu bieten zu dieser nach allen Richtungen hin bedeutungsvollen gemischten Ehe ... In dem lieblichen Salem, in dem, wie sie gehört hätte, noch glückseligeren Tale von Castellungo würde die junge Gräfin, als Gattin, als Mutter blühender Kinder, als Teilnehmerin an den vielen gemeinnützigen Unternehmungen der Gräfin Erdmute, Lebenslust und Lebenskraft gewinnen ... Alle, alle, ihre Schwester Benigna, Onkel Levinus, die Bewohner von Neuhof wären der gleichen Meinung ... Die einzige Armgart, die noch immer widerspräche, hätte sie auch deshalb mit dem Vater nach England geschickt, wo sie überhaupt bei Lady Elliot eine Zeit lang bleiben und neue gesunde, praktische Anschauungen gewinnen müsse ... Armgart hätte sich indessen bei einigen Conflicten in der Tat mit grossem Mut benommen und wäre seit den drei Tagen Correctionsgefängniss im Mühlenturm mehrfach anders geworden ... Die Begegnung mit Terschka fürchte sie nicht mehr; London wäre wie ein Ameisenhaufen; Armgart hätte Kraft und Charakter aus Instinct schon immer gehabt – jetzt fange sie auch an, zu w i s s e n , was sie wolle ...
Das war eine Sprache, als sah man die kleine junge Frau ihre grauen Locken schütteln und mit blitzendem Auge, frischer Wange, ihren weissen Zähnen aller Bedenklichkeiten geringschätzig lächeln, die nach ihrem Sinn nur krankhafte Empfindsamkeit geltend machen konnte ...
Der Dechant war ganz gleicher Ansicht ...
In dem kleinen grünen Studierzimmer, wo die Worte nicht so ungehindert gewechselt werden konnten, wie unten im Garten und im Park, den zu besuchen nicht jedem Bewohner der Stadt erlaubt war, lasen Beide diesen Brief ...
Gestört von dem Rollen der Türen und dem Horchen und Bangen Petronellens, erhob sich Bonaventura, riss sich von der Hand des Greises, die ihn halten wollte, los und eilte erst in den Park, den er eine halbe Stunde lang wie ein Geistesabwesender durchschritt, dann flog er auf sein Zimmer, um an Levinus von Hülleshoven zu schreiben ...
Er hätte mit Bedauern gehört, schrieb er, dass sich die Leidenszustände Paula's vermehrten, dass ihr Leben schon ganz abhängig zu werden drohte von einer Einwirkung, die beiden Teilen zuletzt die drükkendsten Verpflichtungen auferlegte ... Auch von den fortgesetzten Bildern und dem Sinn der Träume des edlen Mädchens hatte er gehört und beklage schmerzlich, dass sie übel gedeutet würden ... O könnte man doch, klagte er, ganz den Vorhang schliessen, der sie in ein Land blicken liesse, für dessen Beurteilung der Welt alle Bedingungen fehlen ... Sie sollte dem Zug der Demut folgen, der stets in ihrer reinen Seele der vorwaltende gewesen ... Nimmermehr aber sollte sie ihre Wünsche auf ein Kloster richten ... Er gestünde es offen, seine Einblicke in die Klosterwelt wären die enttäuschendsten ... Wie im Kloster Himmelpfort wär' es überall, nur vielleicht da ausgenommen, wo man Kranke heilte ... Paula wäre selbst des Arztes bedürftig ... So müsse sie denn hinaus auf die hohe Flut des Lebens ... Sie müsse Gott vertrauen und wie eine treue Magd sich jenem Dienste widmen, der dem Weib schon im Paradiese angewiesen worden, eine Gehülfin zu sein dem mann ... Wenn sie den Grafen Hugo in sanfterer Weise, als durch die Intrigue der Gesellschaft Jesu versucht worden, in den Schoos einer Kirche führte, die ein Zusammensein im Schoose der Seligen auch von dem gleichen Bekenntniss auf Erden abhängig mache, so löste sie, wenn sie das wolle oder könne, eine sie vielleicht erhebende Aufgabe ... Ein Mann sei ja jedem weib, das von ihm zur Ehe genommen würde, vorher ein unbeschriebenes Blatt ... Selbst ein längeres Ergründen und kennen des Verlobten schlösse ein Rätselhaftes nicht aus, das sich ganz erst in der Ehe selbst lüften könne ... Wie aber auch der Erfolg dieser Ehe sich ergäbe und wenn die Glaubensbekenntnisse sich auch nicht vereinigten, so sollte sie dem fremden Mann vertrauensvoll die Hand nicht weigern ... Ja, wenn ihm die Gräfin seinen eigenen Priesterberuf, den Beruf der Entsagung auf eigenes Glück und der Fürsorge nur für fremdes, zu einer besonderen Weihe erheben wolle, so sollte sie ihm die Ehre und die in Gott empfundene Seligkeit gönnen, dass Er es wäre, der – entweder zu St.-Libori oder in Wien, wohin zu reisen er deshalb zu jeder Stunde bereit wäre – ihre Hand in die des Grafen Hugo legte ... So schrieb er und als der Brief geendet und zur Post gegeben war, umarmte er den Onkel mit den Worten: Lass mich so! ..