eine Magd den Brunnenschwengel regiert, wenn ihr Salat wartet ... Alles wurde mit dem reizbarsten Fanatismus hervorgebracht; die Regel der Tagesordnung, der Küche, der Bekleidung, des Backens, das Scheuern, Beten, Singen und Gewinnen von Geld durch weibliche arbeiten, wie Blumenmachen, Stikkereien, Wäschenähen und -zeichnen – alles wie im Krampf ... Eine beaufsichtigte die andere und ganz ersichtlich war es, dass hier nur die geringeren Seelentätigkeiten des Menschen in beständiger Erregung blieben ... Man denke sich die alte Mönchsregel, die einst Sebastus zu Bonaventura wiederholte: "Wir Mönche kommen zusammen und kennen uns nicht, wir leben zusammen und lieben uns nicht, wir sterben zusammen und beweinen uns nicht!" – angewandt auf Frauen ... Das weibliche Herz verknöchert, das angeborne Bedürfniss der Liebe erstarrt! ...
Die Schulschwester Beate und die Vicarin Terese folgten sich unmittelbar ... Wie war jene so hässlich mit ihren Zahnlücken ... Und dabei war sie die einzige, die dennoch zu lächeln versuchte – mit Wehmut zu lächeln ... Sie hatte noch Formen des Zusammenhangs mit der Aussenwelt ... Vorzugsweise schien der Geist der Intrigue in ihr mächtig zu sein ... Sie allein klagte Rotern an ... Sie sagte, sie wäre durch die Reihe der Jahre gewohnt, das Sakrament der Busse zu leicht zu nehmen ... Sie schlüge sich oft mit der Geissel um Fehler, die sie nur so eingestünde, um vor den andern nichts voraus zu haben ... Bonaventura liess sich nicht irre machen, er rüttelte an der nur halbgeöffneten Tür des Gewissens und sah bald, der hinterhaltige Sinn des starkwilligen Mädchens öffnete nicht ... Sie blieb bei Oberflächlichem und musste, da sie zuletzt nur noch gestand, ihr Herz wohl zu sehr an ein Hündchen gehängt zu haben, hören, dass dies allerdings eine Sünde wäre, wenn sie dem Hunde die Liebe schenkte, die sie den Menschen versagte ... Voll Unmut und Staunen über dies Wort erhob sie sich nach der ihr auferlegten Busse, drei Tage lang im Waisenhause für sich allein, ohne Bericht an die Direction, nie einen Fehler mit Züchtigungen zu bestrafen, sondern nur mit Worten ... Bonaventura hatte ihre Heftigkeit erkannt ... Sie verschwand eilends nach einer entgegengesetzten Seite hin, als die andern Nonnen ...
Schwester Terese, die ehemalige Freiin von Seefelden, war klein und blass und schien mehr von Ergebung, als von Seelenschmerz verzehrt ... Sie gehörte scheinbar jener seltsamen Stimmung ihrer Standesund Stammgenossen an, die die Begriffe der Etikette, Conduite, Tournüre vom Leben auch ohne alles weitere Nachdenken auf das verhältnis zum geoffenbarten Gott und zur Kirche übertragen ... Auch sie zeigte zunächst kein besonderes inneres Leben. Sie hatte nur Formfehler zu beichten und Nachlässigkeiten, die sie sich in ihrem Unterricht zu Schulden kommen liess ... Bonaventura riet nur auf sie aus der feinern Sprechweise und dachte sich: Das ist also die Nonne, von der eine ganze Landschaft spricht und der sich Paula als Freundin zu nähern hofft! Welch ein Nimbus umgab sie aus der Ferne und nun – wie war auch sie schon abgestorben – schon so schattenhaft geworden – ...
Am Schluss der beichte, die ihn Zweifelhaft liess, ob er wirklich mit der Verlobten des Pater Ivo, des Mariensängers, gesprochen, rührte ihn die Selbstanklage, dass sie sich freute über jeden Tag, wo im Waisenhause der Schulunterricht ausgesetzt wäre ... So auch auf morgen ...
Widmen Sie sich dieser Tätigkeit nicht mit voller Befriedigung? ... fragte Bonaventura ...
Nein – lautete die zögernd gegebene, aber aufrichtige Antwort ...
Bonaventura tadelte eine solche Geringachtung der Versüssung des Klosterlebens ...
Hochwürdiger Vater, sprach Schwester Terese, das Kloster und das Leben gehen nicht Hand in Hand ... Wir sind Erzieherinnen, ja – aber die rechte Erziehung, die Erziehung zur Freiheit des Lebens kann nur von der Freiheit kommen ... Die Kinder wollen dem Leben erzogen sein und wir kommen nicht aus dem Leben ...
Mein Kind, entgegnete Bonaventura nichtzustimmend, jeder Christ muss in seinem inneren eine Stelle haben, um die es n u r allein wie der Friede eines Klosters weht ... Selbst im rauschendsten Gewühl des Lebens, selbst im höchsten Genuss der Kraft und der Freude soll die Christenheit e t w a s achten, was ungefähr dem Leben mit ewig bindenden Gelübden gleichkommt ... Für d i e s e heilige Stelle im Gemüt erzieht man überhaupt und erziehen Sie ... Selbst die Mütter können so nicht erziehen, wie die Erzieherin ... Die Mutter steht zu sehr unter dem Eindruck des eigenen Lebens, um Kindern immer allein den Wert des Hohen und Göttlichen und der von allem Erdenwust befreiten Bildung zu vergegenwärtigen ... Wollen Sie nicht in diesem geist erziehen? ...
Schwester Terese blickte einen Moment mit leuchtenden Augen auf und ging, wie es schien, ermutigt für ihr langsames Sterben im Kloster ...
Bonaventura sah ihr voll Wehmut nach ... Er hatte den Schmerz, sich sagen zu müssen: War denn dein Wort auch wohl mehr, als nur eine Phrase? ... Du fürchtetest zu hören, dass selbst das Lehren und Unterrichten der Jugend einer vom Leben getrennten Kaste nicht gebühre; du fürchtetest, dass dir wohl gar noch die letzte Glorie des Klosterlebens, die Krankenpflege