Schloss Westerhof in Kenntnis; zu setzen" ...
Das war das wehmutsvolle Tema und anders noch konnten die Vermutungen nicht lauten ...
Die zweite Schlussfolgerung war die Ahnung von einer Heirat Paula's mit dem Grafen Hugo ...
Die dritte die Unentbehrlichkeit Armgart's für Paula und demzufolge – die Heirat mit dem Freund des Grafen, mit Wenzel von Terschka, selbst ...
Nie hatte Tiebold seinen männlichen Freund so kleinmütig gesehen, nie so nachgiebig gegen jede Vermutung ... Benno lehnte selbst die Hypotese nicht ab, dass Armgart "keinem von ihnen beiden hätte wehe tun wollen" ... Beide Freunde redeten sich in das Unergründliche so hinein, dass Benno sich zuletzt die schwarzen Locken aus der heissen Stirn strich, wild den Arm aufstemmte und alle jene Anklagen des Schicksals ausstiess, die Tiebold sonst "unmännlichen Weltschmerz" zu nennen pflegte ... Heute "unterschrieb" er alles, was Benno in sein grünes Römerglas wetterte ... De Jonge! Ich fand Ihre Entsagung natürlich ... Ich würde Ihnen Armgart nimmermehr gelassen haben ... Vergeben Sie mir diese offenherzige Sprache ... Selbst auf Gefahr, Sie zu beleidigen ...
Unter Männern volle Wahrheit! entgegnete Tiebold und stiess die leeren Austerschalen zurück, um für neue Platz zu machen, die er wie mit einem Mordmesser behandelte ...
Sie konnte in der Tat nur mich lieben! ... Ich habe Vorzüge vor Ihnen ... Nicht dass ich lateinisch, griechisch und italienisch verstehe, de Jonge ... Sie sprechen englisch und spanisch ... aber mein Vorzug liegt im Herzen! ... Mein Herz kann lieben, das Ihrige nicht, de Jonge! ... Morden Sie mich dafür mit Ihrer Austerngabel! ...
Nein im Gegenteil! rief Tiebold und seine Augen leuchteten vor Begeisterung über seinen Freund ... Nein! Sie haben recht! Ich schaudere über mich selbst ... Ich kann lieben – nie aber auf die Länge! ...
Tiebold schenkte mit wilder Geberde die Gläser voll ... Sein ganzes Sein war aufgelöst in – Behagen nur allein über Benno's "edle Vertraulichkeit" ... Ja, zum Beweise, dass er Ursache zum Zorn hätte, doch sich "zu mässigen wünsche", warf er sein Glas hinterwärts in tausend Scherben ... Was kostet das? setzte er zum erschrocken herbeieilenden Kellner hinzu ... Diese Stunde ist mir in dem Grade feierlich, Louis, erklärte er dem Staunenden, dass nie wieder ein Mensch aus diesem Glase trinken soll! geben Sie mir aber ein neues! ...
In dieser Art "sprachen" beide Freunde von sieben bis gegen Mitternacht in einer "stillen Stunde" ihre Witoborner und Westerhofer Erinnerungen, ihre Anschauungen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft "durch" ... Beide Jünglingsseelen nenne man deshalb nicht oberflächlich in ihrem Schmerz ... Männer bedürfen solches heftigen Ausbruchs ihrer Gefühle ... Benno tobte und fand es unerträglich, dass der Kellner sich unterstand, mit dem Besen die Splitter zusammenfegen zu wollen ... Hinaus! rief auch er ... Beide Freunde warm nicht im mindesten trunken ... Das ist die Jugendkraft ... Zorn, Eifersucht, Schmerz müssen in jungen Seelen solche Formen haben, um zu den einmal nicht zu ändernden Gesetzen des Lebens zurückkehren zu können ...
Acht Tage nach diesem Abend, der nichtsdestoweniger in Benno's Seele nur neue Wunden schnitt, nicht heilte, erhielten beide Nachricht, dass Terschka entflohen und ein Priester, ein Jesuit war ...
Das Staunen musste das mächtigste sein ... Sie erfuhren die unglaubliche Kunde zu gleicher Zeit mit der Nachricht, dass Terschka in England zu bleiben gedächte, sich unter den Schutz Englands stellte, seinen Glauben entweder schon geändert hätte oder zu ändern gedächte und ohne Zweifel von Gräfin Erdmute, die einen Triumph über das Papsttum, eine Genugtuung für die entsetzenerregende Urkunde sah, Verzeihung erhalten würde ...
über Terschka's verhältnis zu Armgart musste jetzt eine ganz neue Beleuchtung fallen und wieder begannen die Hoffnungen ...
Bonaventura war es dann, der, unterwegs da und dort in Amtsgeschäften aufgehalten, erst vierzehn Tage nach ihnen eintraf und diese Tatsachen bestätigte ...
Beide Freunde kannten Armgart's katolischen Sinn ... Aber stand nicht Armgart jetzt unter der Leitung ihrer älteren, deren freisinnige Richtung allbekannt war? ... Jeder wusste, dass Armgart's älteren sich um ihrer Principien willen ausgesöhnt hatten ... Graf Hugo ist Luteraner, hiess es auf Nück's Schreibstube, Terschka wird zum Grafen Hugo zurückkehren ... Nück aber erklärte dies in Rücksicht auf Oesterreich für unmöglich ...
Bonaventura kam trauernd, ernst und schweigsam ... Es bestätigte sich: Er war Domcapitular geworden ... In so jungen Jahren ... Sein schnelles Emporsteigen auf der Staffel der geistlichen Würden war eine Folge der immer heftiger gewordenen Kämpfe mit der Regierung ... Die alten Bewohner des Domstifts erlagen diesen Aufregungen ... In auffallender Schnelligkeit raffte der Tod die schwachen Greise hinweg, die nicht mehr wussten, wie sie sich zwischen ihren geistlichen und weltlichen Oberhäuptern in der Mitte halten sollten ... Der Kirchenfürst und sein Kaplan Michahelles blieben gefangen ...
Bonaventura's Stellung zum täglichen Gottesdienst veränderte sich infolge seines Aufsteigens ... Doch bei