Bild von Plötzlich aber fiel allen Paula's blick auf ... Paula hatte von den speisen wenig nehmen Ihre Erregung mehrte sich durch die Erwartung der Sie fragte nach ihr ... Schon seltsam leise erklang Die Tante kannte diesen Ton und erhob sich ... Paula blickte starr auf die grossen silbernen Gefässe, Die Tante rückte eine glänzende Vase zurück, in Das glänzende Metall übte seine wirkung ... Paula begann mit Armgart zu sprechen, ohne dass
Ende des fünften buches.
Siebenter Band
Sechstes Buch
1.
Oesterreich und Wien! ...
Wer konnte sonst beide Namen neunen hören und vernahm nicht sofort Musik! ...
Und wenn dich auch jetzt noch mit Windesflügeln das Dampfross in einem einzigen Tag von der Elbe an die Donau entführt, so grüssen den haltenden Zug mitten auf der Heide, mitten in der Nacht, zwei Stationen vor Ankunft in Wien, Clarinette und Geige ... Der Sturmwind fegt den Novemberregen an die Fenster ... Hinaus blickst du durch die beschlagenen Scheiben ... Nichts, als öde gespenstische Nacht vor deinem Auge – und doch empfängt dich jubel und Lust ... Seltsames Bild ... Auf einen Stab gestützt, am Rand des Erdwalls, starrt ein Schäfer im zottigen Lammfell auf den haltenden Zug ... Ein Wanderhirt, der aus Ungarn kommt und weiter zieht mit seiner nächtlich rastenden Heerde ... Die österreichische geschichte ... Einsame Nachtträume der Völker, still am Weg sich sehnend nach Erfüllung ... Unter lachender Lust und Freude ...
Am Donaustrand – auch da wispert es ebenso – leise und leise – um die alten Ritterburgen ... Klagelaute um versunkene Banner und Kronen ... Was liegt nicht begraben im feuchten Schoose der Donau! ... Was könnte sich nicht melden zur Auferstehung unter dem nächtlichen Sternenhimmel, wenn ringsum auf den düstern Bergwänden die Geisterjungfrauen geheimnissvoll ihre Harfen zu schlagen beginnen! ...
Von Tyrol und Salzburg her, aus den sagenhaften Schluchten des Untersbergs und von den echoreichen grünen Bergseen Steiermark erschallt die Ziter ...
Die Ziter, dies liebliche Instrument, könnte Sancta-Cäcilia statt der Orgel erfunden haben ...
Du kennst es nur aus dem lampendunstigen und cigarrendurchqualmten Keller der leipziger Messe, kennst es nur aus dem Concert aufgeputzter Jodeltyroler ... Aber auch da wird die Ziter dich gerührt haben – so, dass du den Genius Oesterreichs hättest fragen mögen:
Was lachst du so traurig, was weinst du so froh?
Wenn so rührend die bebende Saite unter kraftvollem Finger ihre Schwingungen austönt ... Wenn der Ton, immer gebrochen, immer in der Geburt des Halls schon halberstorben und doch, neugefasst vom kunstgeübten Finger, neubelebt, Riesenfermaten aus lauter kleinen zitternden Tremolos hält ... Wenn der Ton sich festklammert, gleich einem Knaben, der nicht ruht den höchsten Ast eines Blütenbaums zu erklettern ... Auf der höchsten Höhe, in die uns die Töne der Alpenziter schwingen können, welch ein blick dann auf die Täler der Erde! ... Deine Jugend siehst du, siehst den grünen Plan deiner Kindheit, atmest im Herzen auch die reinste Alpenluft ... Selbst unter dem "Soll und Haben" und dem Strumpf- und langen und kurzen Waarenhandel der leipziger Messe in Auerbach's Keller konntest du die Tränen nicht zurückhalten, wenn das berühmte Tyrolerquartett – nur nicht singt! Das schenke ihm die Muse! – nur die Ziter schlägt ... Die Spielerin sammelt mit dem Notenblatt ... Im koketten Brustlatz, mit dem spitzen Hut ein unschönes Mannweib ... Aber – sie spielte dir – und sich auf der Ziter – Oesterreich ... Sie spielte ein Ahnen, Suchen, Sehnen nach unbestimmten, dem Land und Volk selbst nicht klaren Zielen ... Sie spielte das Wittern einer Geisterluft, Morgengrauen schönerer Hoffnungen ... Sie spielte die Freude, die sich selbst nicht vertraut, und ein Leid, das dem Schöpfer zürnen möchte, weil er die Erde bei alledem und alledem – so schön erschuf ...
Musik ist der erste Gruss in Oesterreich ...
Auch in Wien ...
Die grosse Hauptstadt ist erreicht, die bremer echte Havanacigarre glücklich eingeschmuggelt ... Der Venusberg geöffnet ... Tannhäuser zieht den schwarzen Frack an und die gefirnissten Tanzstiefel und vertanzt sich das gebrochene Herz ... Strauss und Lanner! Sie geben schon lange Trost für die "Zerrissenheit" selbst im Alpengemüt – selbst für "Weltschmerz" im Pusztensohne ...
Hört diese Tänze! ... Ein Dämon liegt in ihnen ...
Wie mit Kirchenglocken fangen sie an, sanft und feierlich ... Das Adagio eines Messganges ... Sittsamer, concordatsmässiger Niederschlag der Augen ... Das führt, denkt man, geradeswegs nach Mariazell und Loretto –! ...
Plötzlich wirft der kaum geordnete Nonnenzug die Kapuzen ab ... Nun hüpft die Freude – erst wie! ein Füllen lustig über den Klee. Erst nur noch – ein fusstrillerndes Ausschlagen des Uebermuts ... Erst nur Kopfüber der Fröhlichkeit, Humor, der, wie Harlekin Colombinen, neckt, spasselt, taddädelt – alles so, wie sich nach dem genommenen Ablasszettel im einleitenden Adagio vergeben lässt ...
Dann aber wird der Humor zur Selbstironie ... Der Walzer cancant, die Grazie tanzt auch hier wie in Paris mit Formen der Epilepsie, die Melodie geht rückwärts