1858_Gutzkow_031_595.txt

und wie gekränkt ganz an ihr Herz ... Armgartnoch tief mistrauend, und doch wie von himmlischem Lichtglanz geblendet, wagte nicht zu ihr aufzuschauen und wandte sich mehr und mehr zum Vater, aus dessen hellen blauen Augen eine so selige Welt der höchsten Himmelsreinheit sie anschien ... Ulrich drängte sie der Mutter zu und sprach in einem vor Rührung leisen, sonst männlich festen, wohllautenden Tone:

Das ist ein Sieg nach langem Kampf! O Gott, o Gott! Was sind deine Menschenherzen verkehrt! ...

Armgart, ihre älteren sprechen hörend, sank in die Kniee. Sie umschlang die Kniee des Vaters und reichte der Mutter mit krampfhaftem Zittern die Hand ... Dann blickte sie wieder zu ihnen beiden empor und sog ihre Bilder auf mit ihren braunen, schwärmerisch irrenden Augen ... Und wieder den älteren musste es sein, als sähen sie hinunter in einen See, über dem Rosen und Lilien schimmertenin die tiefsten Tiefen dessen, was auf Erden und im Himmel schön und gut istund wie in ihre eigene Jugend ...

"Selig, selig", sprach Hedemann und faltete über seinergrauen Müllermütze die hände, "bist du, die du geglaubest hast! Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn!" ...

"Und Maria sprach:" fuhr Armgart fast tonlos in den Worten des englischen Grusses fort, "Meine Seele erhebet den Herrn!" ...

Noch einmal traten Pausen ein, deren die vom höchsten Glück erschütterten Herzen bedurften ...

Dann folgten Verständigungen und diesen die Entschuldigungen Hedemann's ... Monika sah in der alten von Hedemann ihr dargereichten Bibel die Stunde der Geburt Armgart's verzeichnet und gab dann dem Gatten dies Blatt ... Dieser warf darauf einen mild überrascht und schmerzlich lächelnden blick und zog voll vergebender Inbrunst Monika an sein Herz ... Der Oberst schien ein Mann, der mit dem Sturm der Jugend nicht die sanfte zärtliche Empfindung schon verloren hatte; alles, was er sprach, war eigentümlich gemessen und bedacht, aber jugendlich innig und wohltuend ... Monika staunte nur und strich wie in unbewusstem Träumen ihre grauen Locken ...

Wo wir uns wiedergefunden haben? sprach der Oberst ... Bei unserm kind! Bei deiner Liebe! Deinernun wandte er sich doch zu seinem weibdeiner vergebenden Liebe, Monika! ...

Beim Geist und bei der Wahrheit! sprach Monika mit leuchtenden Augen, zeigte auf die Bibel und stand neben der aufhorchenden, immer noch scheu vor ihr niederblickenden, immer noch zweifelnden Armgart wie eine ältere Schwester, so jung, so schön noch und keinesweges nur durch ihre leuchtende Verklärung ...

Hedemann sprach vom Kampf der Gerechten und Armgart begriff noch immer nicht, was die älteren so plötzlich verbunden hätte? ... Sie fragte dies auch leise ...

Monika sprach:

Dein Opfer hat uns verbunden, Kind! ... Kindmeiner Schmerzen! ... Deine Gefangenschaft! Hier dieser Turm! Ist es nicht so? Hedemann! Wie dank' ich Ihnen! ...

Auch Ulrich wollte Hedemann danken, umschlang aber nur die Sprecherin und umschlang sie mit jener männlichen Würde, die den Ausbruch der noch jugendlich regsamen leidenschaft milderte ...

Sie soll noch alles hören! sprach er. Nun aber kommt! Lasst uns im Triumph nach Westerhof fahren und zeigen, was wir mitbringen können! Nun, nun zieh' ich ein! ... Anders wär' ich dortin nicht gegangen ...

Nicht bloss Armgart, sagte Hedemann; sondern sich selbst bringen Sie beide mit ...

Monika's Ja! war so einfach, aber sie konnte nichts besseres sagen, als Ja! und reichte dem Gatten die Hand ...

Noch schien die Aussöhnung das Werk einer vor wenigen Minuten erst gekommenen Verständigung zu sein ... Monika schwankte noch dahin wie ein vom Wind bewegtes Rohr ... Kind und Gatten hatte sie in Einem Moment gefunden ...

Wen nur nehmen wir noch mit? rief der Oberst. Benno ist fort; mein "Geretteter", Tiebold de Jonge, mit ihmSelbst die schwarze Hexe, mit der du von Westerhof entflohst, Schwarmkind, ist nicht mehr da ... Der Domherr ist im amt ... Ja, gestern noch suchte mich ein Herr von Terschka auf, der heute wiederkommen wollte ... Er wohnt auf dem schloss ... Wer begleitet uns im Triumph? Ganz Witoborn? ...

Armgart zuckte auf den Namen Terschka's zusammen und blickte zur Mutter hinüber, die sorglos und nur voll Wehmut stand ... Offenbar gab das Herz des Kindes dem Vater den Vorzug ... Das sah Monika ... Sie sah es jetzt wieder an dem sonderbar scheuen und prüfenden blick Armgart's ...

Terschka suchte dich wie einen verlorenen Edelstein! fuhr der Vater harmlos fort ... Und das bist du ja auch ... Ihm verdanken wir eigentlich AllesNicht wahr, Monika? ...

Armgart hörte und hörte ... Durch Hedemann reisefertig gemacht ging sie schon wie eine Führerin voraus ... Eros, der Griechengott, wie mit der Fackel voranleuchtend ...

Monika rühmte im Nachfolgen Terschka's gefälligkeit ... Der Vater war ganz erfüllt von dem böhmischen