1858_Gutzkow_031_571.txt

von Ihrem Vater hören, so müssen Sieaber verraten Sie mich nichtzu Hedemann nach Witoborn! Lassen Sie doch Ihren Herrn von Terschka da anfragenFreilichbei Hedemann wohnen Herr von Asselyn und Herr de Jonge ... ErSie Kleine, Sie fangen ja schon früh an! – –" Und nun kam alles so heraus, wie es ist in der Welt, wenn der Mensch sich einbildet, sein Leben und sein Handeln wäre nur für ihn allein da; alle wissen davon und oft mehr, als wir ...

Diese Beichten blieben jedoch aus ...

Es war schon Abend, als Bonaventura in Westerhof eintraf ...

Er fand das Schloss in eigentümlicher Bewegung ... Im Vorhause hörte er aufs lebhafteste sprechen ... Die Diener standen in Gruppen ... Fast übersah man das Anfahren seines Wagens ...

Er achtete wenig darauf, da er sich schon erleichtert fühlte, nur kein Anzeichen zu sehen, das auf eine etwaige Anwesenheit von Besuch und wohl gar Lucindens schliessen liess ...

Herr Domherr! hiess es. Bisjetzt haben Herr von Asselyn auf Sie gewartet und Herr de Jonge ... Beide empfahlen sich zur Rückreise und hätten Sie gern noch einmal gesprochen ...

Benno schon zurück? ...

Bonaventura hoffte, dass er ihn und Tiebold morgen noch in der Stadt fand ...

über Terschka erfuhr er, dass in der Tat dieser und Benno, Tiebold und der Onkel, wie sie gewollt, am Nachmittag das Archiv geordnet hatten ...

Vom Hof aus leuchteten die Laternen, die, um Unglücksfällen vorzubeugen, die düstere Brandstätte erhellten ...

Klingeln erschallten von da und dort ...

Ist Pauladoch nichtkrank? dachte er bangend und wagte nicht zu fragen, ob dies Klingeln und Laufen der Gräfin gälte

Die Herrschaften sind alle oben! hiess es ungefragt ... Und Herr von Terschka kleidet sich um ... Und auch Herr von Hülleshoven ...

Wozu umkleiden? dachte er ...

Eine Kammerjungfer des Hauses eilte an ihm vorüber, blieb stehen und sagte:

Herr DomherrSie wissen doch schon? –

Sein blick deutete das Gegenteil an ...

Das Documentdie langgesuchte Urkunde

Eine Klingel zwang die Sprecherin, in Eile abzubrechen ...

Bonaventura blieb wie mit einem Riss durch sein Herz ... Indem stand ihm plötzlich Onkel Levinus zur Seite ...

Da sind Sie! Nun, Domherr, sprachen Sie schon Ihren Vetter Benno? ...

Was ist? ...

Sie hörten doch? Die Urkunde ist gefunden! Beim Räumen des Archivs! Sehen Sie, so hab' ich mich umkleiden müssen! Vor Russ und Brandgeruch! Auch Herr von Terschka! Ein Wunder ist's! Staunen Sie nur! Unbegreiflich! Aber Sie wissen doch, die Urkunde, der zufolge Graf Hugo nicht erben soll, wenn nicht die Religion stimmt! Paula bleibt die Erbin! Darüber ist jetzt kein Zweifel ...

Bei allen Heiligen

wunderbar! Aber kommen Sie! Sehen Sie das Document! Wir fanden es mitten unter den geretteten Papieren ...

Schon stand Bonaventura in der geöffneten Tür des grossen Vorsaals ... am Weihwasserbecken ... Besinnung hatte er nicht, sich zu benetzen ... Die Gruppe, die sich seinen Augen bot, liess auch nichts anderes aufkommen, als zunächst den Gedanken: Paula stirbt! ...

Beleuchtet von Kerzen, die Diener und einige Mädchen in die Höhe hielten, stand Paula mit einer Pergamentrolle in den Händen, leichenblass, Wachsfarben, wie ein Cherub des himmels und wie schwebend im Chor der Seligen ... Armgart, zu ihr aufsehend, hielt sie in Andacht und Schrecken ... Die Tante Benigna hielt sie ebenso mit ihrer Rechten ... Paula las zwar, aber ihr Auge stand starr und wie gebrochen ... Die Worte: " V o r b e h a l t l i c h d a ss d i e j ü n gere Linie meinem Beispiel folgt und bis dahin in den Schoos der alleinseligmachenden Kirche zurückg e k e h r t i s t " standen wie mit Geisterhand aus ihrer Stirn zu lesen ... Onkel Levinus sprach diese Worte ... Und nun trat Bonaventura ein ... Da erlosch Paula's Auge ganz ... Ihre Kniee wankten ... Mit einem Hauch des Schreckens verging ihr die Kraft, sich zu halten ... Ohne Bewusstsein lag sie in den Armen der Hinzuspringenden, die sie nebenan auf ein Sopha trugen ...

Wie mit Donnerton wollte Bonaventura rufen: Aber die Urkunde ist ja falsch! ... Doch auch ihn entwaffnete der Anblick derselben. Er kannte so viele solcher alten Urkunden. Diese trug die Spuren ihrer Echteit unverkennbar ... Das Pergament war zermürbt, mannichfach zerbrochen, altersbraun ... Die Buchstaben der Handschrift im steifen Kanzleigeschmack der Zeit nach dem Dreissigjährigen Kriege ... Während Paula nebenan ins grüne Zimmer getragen wurde, erzählte der Onkel die Art des Fundes, die Ueberraschung Benno's, die Zweifel Tiebold's, seine eigenen Untersuchungen ...

Aber Terschka? fragte Bonaventura ausser sich ...

BetroffennatürlicherschüttertEs ändert sich vieleswenn nicht – ...

Alles! rief Bonaventura ...

Der Onkel bestätigte