für den Finkenhof zu ordnen, um den Jünglings- und Jungfrauenbund für die Ostern einzuleiten ... Bonaventura musste alle diese Neuerungen auf einen andern Tag verschieben ... Müllenhoff, wie sich bei einer so markigen und kernhaften natur erwarten liess, wand sich in ungeberdiger Ungeduld auf dem Lager. Vor Aufregung und Erhitzung durch den Tee, den ihm die Katrein zu trinken gab, sah er wie zum Schlag treffen aus ...
Bonaventura sprach ihm zur Beruhigung ... Besass doch auch nur er diesen sanften Ton, der Herder's Behauptung widerlegen müsste, dass die Sprache von den Menschen erfunden ist ... Diesen Ton, der tröstend zu den Leidenden spricht, der wie ein Balsamhauch über brennende Wunden fährt; den nicht die Zunge, den das Herz selbst einsetzt und gerade so einsetzt, wie der Schmerz seine Klage ... Diesen allein tröstenden Ton, den ein Arzt hat, wenn er, ein weiser Heilkünstler, in das Zimmer eines Kranken tritt ... den ein Vater hat, wenn er ein' Kind an sein Herz zieht und es ermuntert nur ihm, ihm allein seine jungen Leiden anzuvertrauen, ihm allein die Erstlinge seiner Schmerzen zu opfern ... Müllenhoff meinte zaghaft: Ich möchte Ihnen wohl beichten! ...
Bonaventura hielt dies Wort für ein Zeichen der Todeserwartung, für ein Begehren, schon die Sterbesakramente zu empfangen ... Er bat den excentrischen Mann, sich nicht aufzuregen ... So unterblieb das Abschütteln einer, wie es schien, drückenden Last ...
Ein normirtes Vespergebet musste Bonaventura im Stift Heiligenkreuz halten ... Das war unerlässlich; – wer zählt die religiösen Pflichten, die sich an die Altäre der alleinseligmachenden Kirche auf Stunde und Minute knüpfen! ... Kein Gotteshaus, und wär' es noch so klein, es hat seine Ordnung und seine bestimmten Tage, die nur ihm allein angehören ... Geburtstage im Kalender der Heiligen (die Geburt eines Heiligen ist sein Tod) gibt es mehr, als Tage im Jahre ... So reicht die Zeit kaum aus für die Reihe der Zeugen und Bekenner, deren Gedächtniss die Kirche feiert ... Jede Diöcese besitzt ein Programm seines Kirchenjahrs, so festgeordnet auf Ort und Minute, wie die Astronomie die Constellation der Gestirne bestimmt ...
Der Wittekind'sche Wagen blieb zu Bonaventura's Verfügung ... Er fuhr damit nach Heiligenkreuz und hielt das Vespergebet zu nicht geringer Ueberraschung der Stiftsdamen ... Gib Acht, du kommst nach Westerhof und triffst schon Lucinden! ... Dieser Gedanke verfolgte ihn ... Lange aber hatte ihm eine einfache kirchliche Function so wohlgetan, wie heute nach allen Aufregungen dies stille Murmelgebet in der kleinen dunkeln Kapelle des Stifts ...
Und das hätte dann allerdings den Damen behagt, wenn Bonaventura ihnen Beicht abgenommen ... Sie hätten sämmtlich ihren gewöhnlichen Arzt, Müllenhoff, sofort aufgegeben und dem neuen von sich weit, weit mehr, als nur Fastengebotverstösse eingestanden ... Wie "bedeutend" hätte sich jede in ihren Zweifeln und Beunruhigungen hingestellt! ... fräulein von Merwig, die "Anflickerin", hätte ihren starken Geist gedemütigt und ein Mittel gegen den Ehrgeiz begehrt, nur um zu verraten, dass es Dinge gab, worauf sie ehrgeizig sein konnte ... fräulein von Absam hätte "Neid" in der Brust gehabt und damit verraten, worauf ihre geheimen Sehnsuchten gingen ... fräulein von Tüngel-Appelhülsen, eines der jüngern Mitglieder, erst im Anfang der vierziger, hätte vielleicht eine Indiscretion gebeichtet, die beinahe wie eine Rache herauskam. Sie war eine Verwandte der Schwester Scholastika, äbtissin der Hospitaliterinnen in Wien. Aber die Tüngel-Heides und die Tüngel-Appelhülsens wichen voneinander ab wie Tag und Nacht. Unbekannt mit diesem Unterschied ging Monika jene Portiuncula unter dem Siegel der Verschwiegenheit an, ob sie nicht bei ihr mit fremdem Namen absteigen und in Armgart's Nähe einige Tage leben und sich ihrer Nachbarschaft einwohnen könnte, ohne dass sie es wisse. Und auf diesen Brief hatte das fräulein geantwortet, ganz so steif, ganz so beschränkt, wie ihrem Charakter entsprach. Monika hatte diesen Brief nicht vertrauenerweckend gefunden und nur noch kurzweg um Entschuldigung gebeten und ihre hülfe abgelehnt. Aber – dumme Menschen sind immer gefährlich und gerade die klugen Leute machen dann auch noch gerade die dümmsten Streiche. Portiuncula hatte sich, aus Rache für diese Ablehnung, gestern Abend in ihrer ganzen Glorie gezeigt ... Zu Armgart, die seit dem Brand in Westerhof blieb, hatte sie unter Kichern und zweideutigen Anspielungen, ganz im Geist des Stiftes, gesagt: "Na ja, fräulein von Hülleshoven, jetzt kann ich Ihnen doch sagen, Ihre Frau Mama ist schon in Eschede! Sie wohnt bei Schönians. Die Müllern, die Angelika steckt sogar von Paris aus dahinter! Ja, und von da geht sie noch heute zur Frau von Sicking, und denken Sie! wer wird sie da eingeführt haben? Niemand anders, glaube' ich doch, als die person, die mir mein ganzes Lebensglück ruinirt hat, Sie wissen ja – die Schwarzin! O, ich könnte in Neuhof die Erbin so gut sein wie andere! Aber, wenn Sie morgen Abend beim Tee in Westerhof sitzen, da passen Sie mal auf, dann ist die Mutter da und hält Ihnen die Augen zu! Sie hat sich mit Benigna hinter Ihrem Rükken ausgesöhnt! Und wollen Sie