, abwenden muss! Welche Dispense sind da nicht nötig, um solche Verbrechen zu sühnen! Welche Schwierigkeiten vor demjenigen teil des geistlichen Ministeriums in Rom, der sich mit den Herzens- und Heiratssachen von hundertunddreissig Millionen Kindern der Kirche beschäftigt! erkennen Sie nun die Möglichkeit, wie zuletzt dem Staat über solche Intriguen die Geduld reisst! ... Ich nehme von dem nichts zurück, was ich für die Freiheit der gemischten Ehen getan habe ...
Das rücken des Stuhls, auf dem der Provinzial sass, übertönte ein fortgesetztes Rascheln, das an der Wand hörbar wurde und immer noch Niemanden auffiel ... selbst nicht dem Präsidenten, der es ausdrükklich hören sollte ...
Wie ergriff jedes dieser Worte Bonaventura im Hinblick auf die Empfindungen, die – darüber eben auch – seine Mutter hätte hegen müssen ...
Terschka wagte nicht zu widersprechen ... Vollkommen von der Wahrheit dieser Entüllungen überzeugt, sah er im Geist wieder seinen löwenmutigen General, hörte die vor Jahren in Rom erhaltenen Anreden, sah den Feldherrnblick, der im Al Gesù das Nächste und Entfernteste vom kleinsten Menschenbis zum grössten Staatenschicksal zu benutzen versteht ...
Wohlan, fuhr der Präsident fort, ich bin beruhigt, wenn mir Herr von Terschka sein Ehrenwort gibt, vorläufig nichts weiter in dieser Sache zu tun, nicht in Witoborn oder sonst auf den Archiven verdächtigende Nachforschungen anzustellen, sondern vorläufig nach Wien oder – Rom hin zu berichten, dass dieser Handel von u n s e r n Auffassungen und Gesetzen abgemacht und die Herzogin von Amarillas nicht die Frau von Wittekind ist ...
Was nur lähmte Terschka die ihm sonst so geläufige Zunge und liess ihn über die scharfe Betonung des Wortes: "Sein Ehrenwort" erschrecken? ...
Der Präsident sagte noch einmal: geben Sie Ihr Ehrenwort! ...
Terschka schwieg ...
Ihr Ehrenwort! Als Cavalier! ...
Als Terschka auch jetzt noch sinnend niederblickte und schwieg, sprach der Präsident mit ergrimmter leiser stimme:
Ich vergesse – – Herrn von Terschka bindet an die Obern das Gelübde des Gehorsams! ...
Die wirkung dieser Worte war mächtig ...
Der Präsident erhob sich; alle andern blieben sitzen wie gelähmt ... Terschka bleich mit halbgeöffnetem mund ... Der Provinzial mit hoch aufgezogenen Augenbrauen ... Bonaventura mit einer Ahnung, die im Hinblick auf – den ketzerischen Grafen Hugo im Nu – die volle Wahrheit erkannte ...
Nehmen wir ein Frühstück, meine Herren! sprach im Gefühl seines wenigstens jetzt unwiderlegbaren Triumphes der Präsident und wollte, scheinbar unbefangen, vorangehen, um die Tür zu öffnen ...
Die drei Priester waren zwar auch aufgestanden, blieben aber noch immer wie erstarrt stehen ... Kein Wort kam von ihren Lippen ... Das Wort des Präsidenten konnte für einen Scherz gelten – aber man erkannte zu deutlich – der Falsche, Abtrünnige, der "Segestes", wie ihn sein Vater genannt hatte, war zu diesem Kampf wohlgerüstet erschienen ...
Um die Vernichtung Terschka's, der, mit tausend Dolchen durchbohrt, sich am Stuhl zu halten suchte, zu mehren, ging der Präsident in leichtem, scherzendem Ton zu den Worten über:
Will Graf Hugo seine Güter hier selbst antreten, so würde er allerdings gut tun, sich erst in den Schoos der alleinseligmachenden Kirche zu begeben und Sie – Herr Pater Stanislaus, werden schon dafür sorgen ...
Ein Einspruch gegen diese Worte, die nur wie ein ironischer Scherz fielen, war nicht möglich; denn schon hatte der Präsident geklingelt, schon traten Diener ein. Nicht lange, so erschien Frau von Wittekind. Man setzte sich zu Tisch. Der Präsident entwickelte eine Heiterkeit, eine Fülle von Kenntnissen, die ihn scheinbar zum Sieger über seine Gegner machte, trotzdem, dass er ahnte, wie ohne Zweifel mit der Zeit zwei legitime Geschwister sich ihm zur Seite stellen würden ...
Bonaventura brach früher als die andern auf ...
Wie hätte er mit Terschka noch länger allein sein können ...! Wie noch länger den blick ertragen mögen, der in Terschka's Augen der der tiefsten Vernichtung war! ...
Welche Entüllungen! ... Terschka ein Jesuit! ... Abgesandt zur Convertirung des Grafen Hugo! ... Und mit welchen Mitteln sollte er ihn bekehren ... Mit welcher Kunst der Verstellung! ... Bonaventura's Erschaudern über Rom konnte bei der einen Tatsache nicht verweilen, denn schon die andere verdrängte sie ... Sah er auch im katolischen Sakrament der Ehe, das abweichend von den sechs andern, sich ohne den Priester, rein nur durch die Liebe vollzog, wieder seine vollen schönen grossen Rosen in den Münstern glühen, was sollte er – mit Benno beginnen? ... Sollte er ihn lind und sanft auf seine Jugendtage zurückführen? Auf einen Kronsyndikus als Vater! Auf eine in Rom unter Verhältnissen, die sich aller klaren Beurteilung entzogen, lebende Mutter! Auf eine Schwester in zweideutiger Lebensstellung ... Benno war, jetzt begriff er es ganz, älter, als man geglaubt ... Wie auch anders konnte Benno in seinen Erinnerungen das Bild einer schönen Frau haben, die aus einer prächtigen Kutsche stieg und ihn so oft voll Schmerz und Liebe betrachtete! ... Wer konnte dies anders gewesen sein, als die Frau, die eine rechtmässige Geburt verbergen musste und sicher den erlebten Betrug erst spät