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von allen meinen Geständnissen, die ich vor Gott und meiner Ehre vertrete, so viel mit, als zu seiner Aufklärung notwendig ist. Ich wünschte, es wäre ein Priester; denn scheue ich mich auch nicht, vor meinen Mitleviten zu bekennen, was wir täglich ausrufen sollen: Mea culpa, maxima culpa! so wünscht' ich doch, die Gräber blieben unaufgedeckt. Was auf ihnen blüht, blüht gesund und schön und ist es auch Irrtum und Sündees ist! So unser ganzes Leben. Würde man Wahrheit pflanzen wollen, gedeiht sie – –?" ... Noch kamen einige Worte des Grusses an Bonaventura undan die Lauscherin ... Das Bekenntniss war zu Ende ...

Die Blicke aller Anwesenden waren auf Terschka gerichtet ...

Terschka, zu Bonaventura's Schmerz kein Priester, sondern ein Laie, sollte jetzt sagen, wie weit seine Aufträge gingen ...

Der Provinzial schien eine völlig neutrale Rolle zu spielen ...

Terschka drückte eine der Federspalten, die er auseinander getrieben hatte, nach der andern wieder zusammen ...

Während der ganzen Sitzung, die er durch seine Geistesgegenwart zu beherrschen schien, hatte sein Inneres keine Ruhe gefunden ...

Wiestand es mit ihm? ...

Am Morgen der Jagd war er im Kloster Himmelpfort gewesen ... Er fuhr dortin voll äusserster Entschlossenheit ... Er wollte sich von seinem Orden losreissen, wollte sich der Gräfin Erdmute anvertrauen, wollte sich in ihren Schutz begeben und die Rolle eingestehen, die er auf Roms Betrieb hatte spielen sollen und die durch seine Freundschaft für ihren Sohn gehindert wurdeer wollte die Confession wechselnwenn anders der trunkene Taumel, der ihm zu allen diesen Entschlüssen den Mut gab, andauerte und andauern d u r f t e , – das Entzücken über Armgart's HingebungArmgart's, die schnell, schnell erobert werden musste vorden Entüllungen, über die ihr Schaudern, hatte er einmal ihr Ja errungenbei seinem Charakter zu spät kam ... Den Widerspruch ihrer katolischen Gesinnung glaubte er, einmal im Besitz dieser Eroberung und mit hülfe der Mutter, nicht ernstlich fürchten zu brauchen ...

Vor drei Tagen hatte er Armgart nach dem Stifte Heiligenkreuz zurückbegleitet ... Er mässigte seine leidenschaft und unterliess doch nichts, was den Wahn des betörten Mädchens verstärken, ihren Entschluss, ihn durch sich selbst von ihrer Mutter abzuziehen, befestigen konnte ...

Zitternd war sie an seiner Seite hingeschritten ... Im Waldesdunkel, vom Reiz der Einsamkeit verführt, wagte er, zärtlicher ihren Arm zu ergreifen ... Da erschreckte ihn der Mönch, der ihnen gefolgt war, Bruder Hubertus ... Dieser gesellte sich zu ihnen, liess sie nicht wieder allein, ja Armgart hielt ihn absichtlich, nur um nicht von einem Turm, auf dem sie sich zu befinden glaubte, himmelhoch niederzustürzen ... Armgart versprach zur Jagd zu kommen ...

Sie wollte, verfolgt von ihrem Gelübde, sich besinnungslos in den Strudel des Lebens stürzen ... Sie irrte dahin, nur um alles vergessen zu können, was sie ihrem Opfer zu Liebe tat und tun zu müssen glaubte ... Ein nicht erfülltes Gelübde! ... Einst hatte sie aus Dank über eine Krankheit, die Paula bestanden hatte, Gott gelobt, funfzigmal an einem Tage die Antiphon Salve regina in deutscher Uebersetzung und einen monat lang zu sprechen. Als sie diese Pflicht nachlässig betrieb, wurde sie sogar von Müllenhoff's mildem Vorgänger als im stand der Todsünde befindlich erklärt ...

Terschka blieb die Nacht beim Verwalter des Stiftes ... Die Furcht, der Mönch mit seinen Erinnerungen würde sich ihm aufs neue anschliessen, bestimmte ihn, nicht sogleich wieder den Weg zurückzunehmen ...

Am Morgen darauf musste er zum Provinzial Maurus, dann zur Jagd ... Er fuhr sich selbst mit einem Jagdwagen und jagte querfeldein wie ein von Furien Verfolgter ... Wieder redete ihn auch im Kloster Franz Bosbeck an; wieder fragte er nach seinen Verwandten ... Und wenn ihm der Lästige das Dreifache in Aussicht gestellt hätte von dem, was er für seine Erben in Bereitschaft zu halten erklärte, er würde ihn wild angeschnaubt haben: Gehen Sie nach Böhmen! Meinen Namen tragen dort Hunderte! ...

Beim Pater Provinzial bebte er erwarten zu dürfen, dass er als Priester begrüsst, für etwaige Renitenz von den Vätern vielleicht selbst mit Entüllung seines zweideutigen Ursprunges bedroht werden würde ... Gefesselt an Leib und Seele folgte er in die Bibliotek ...

Pater Maurus teilte ihm ein über Wien aus Rom gekommenes Schreiben mit, demzufolge er sich mit ihm verständigen sollte zur Beantwortung der Frage, die da lautete: Ist Angiolina Pötzl, wie sie von einer Teaterfamilie genannt wurde, die rechtmässige Tochter der in zweiter Ehe sich Herzogin von Amarillas nennenden Fulvia Maldachini? Welche Umstände haben bei der Trauung derselben mit dem Kronsyndikus Wittekind obgewaltet? ...

Höchstes Erstaunen ergriff ihn beim Lesen der genaueren Motivirungen ... Angiolina eine Tochter des reichen, vor wenig Tagen bestatteten Kronsyndikus! Eine Tochter seiner Gönnerin in Rom! ... Hatte man das Interesse des Grafen Hugo für sein Pflegekind wahrgenommen und dem nachgeforscht? Warum das? ... Graf Hugo war es nicht, der ihm die Frage stellte: Ist Angiolina eine mir ebenbürtig Geborene? ... Rom fragte es, sein General