, dass sie uns alle zu sprechen zwang ... Es ging französisch, italienisch, deutsch durcheinander; aber wir fanden erst allmählich den Ton des Scherzes wieder ... Einer dann aber niemals mehr – Leo_Perl" ...
Der Provinzial hielt inne – um das Gericht Gottes zu bezeichnen ...
"Der Freund", fuhr er nach einer Weile fort, "hatte den Gedanken unsers Betruges, mein' ich, ganz ebenso leichtsinnig ergriffen, wie wir ... Zusammengesetzt in seinen Principien aus Voltaire und dem Zufall, den die Kabbala lehrt, scherzte er über alles, was Plan und Absicht im Leben ... In Alles müsse man sich blind werfen ... Auch in die Ehe ... Und lächerlich war ihm die Anmassung dieser Italienerin, die 'soviel Wert auf sich legte' ... Er war eitel darauf, sich unsers Vertrauens zu erfreuen. Seine Lust an der Sache ging so weit, mit Befriedigung zu zeigen, wie vollständig ihm, einem Rabbiner, der Ritus unserer Kirche bekannt war ... Was konnte ihm geschehen bei einer Mitschuld so bedeutender Namen! ... Man setzte voraus, dass in Paris der Kaiser selbst lachen würde, erführe er den Betrug ... Geld, glaubte man, würde ausreichen, den Handel, wenn er bekannt würde, niederzuschlagen ... Da musste uns denn freilich überraschen, dass wir plötzlich unsers fröhlichen Doctor Leo_Perl's Spur verloren ... Gleich nach der Trauung war er verschwunden ... Mit sich mehrender Verlegenheit suchten wir ihn ... Wir erschraken nicht wenig, als wir in Erfahrung brachten, dass er Christ geworden und noch mehr, dass er sich zu Witoborn im Seminar befand ... Sofort eilte ich ihn aufzusuchen und hörte zu meinem Erstaunen, dass Leo_Perl katolischer Priester werden wollte ... Als ich mit ihm sprach, erkannte ich ihn nicht wieder. Scheu blickte er zur Erde und wich allem aus, was ihn an die Vergangenheit erinnerte ... Sind Sie aus einem Saulus ein Paulus geworden? fragte ich ... Es gibt viel Wege nach Damascus! war seine Antwort. Er deutete an, dass für ihn der Weg zur Erleuchtung über die Mondscheinnacht in Altenkirchen gegangen ... Hat Sie der Frevel so erschreckt? fragte ich. Haben die Messgewänder Sie zu unserm Ritus herübergezogen? ... Er verriet vollkommen, dass er sich hatte taufen lassen im Schauer über seine Tat, im Schmerz um seinen Leichtsinn und wie von Christus selbst darum angeredet und ermahnt ... Er sprach ganz wie Augustinus in seinen Bekenntnissen. Wie diesen sein künstlich sophistisches Redneramt mit Gewalt zum Ernste gezwungen, so geschah es ihm auch mit seiner falschen Rolle ... Die Windharfe hätte ihm, sagte er, gerufen, was dem Redner Augustinus, als er unterm Feigenbaum in Mailand über sein stetes Lügen und rednerisches Prahlen weinte, die Kinderstimmen aus dem Nachbarhause: Nimm und lies! Nimm und lies! ... Als ich seinen Entschluss lobte und ging, wollten Andere sagen, der Kronsyndikus, der die Entdeckung zu fürchten anfing, hätte ihn mit Geld bestimmt ... So viel ist gewiss, dass er später seine erste Messe im Münster von Witoborn lesen musste, nur damit die gerade anwesende Maldachini ihn sah ... Mir gegenüber wollte Perl behaupten, die Ehe derselben wäre gültig ... In unserm lebhaften Streit darüber unterbrach uns der Besuch seiner Verwandten ... Eine Jugendgeliebte hatte Perl gehabt, an die er Briefe schrieb, wie Plato an Diotima ... Er gestand zu, dass sie ein ganz einfaches Judenkind wäre, doch malte er sie sich wie ein hohes Phantasiegebilde aus, das er dann freilich desto leichter aufgeben konnte ... Nun fingen die Verwandten an, ihn aufs heftigste zu bestürmen ... Seine Schwärmerei war keine nachhaltige ... Verstand und Phantasie wechselten von jeher bei ihm ... Endlich erschien ihm eines Tages aus einem, seinem Zimmer im Convict gegenüberliegenden haus am Fenster seine ehemalige Geliebte, geschmückt wie Ester, das Haar voll weisser Perlen und vom bräutlichen Schleier umwunden ... War es Traum oder Wirklichkeit, der Eindruck auf ihn wurde so mächtig, dass er zum Rector, dem spätern Bischof Konrad, eilte und sich ihm zu Füssen warf mit der Bitte, ihn wieder freizulassen; er könne nicht Priester werden ... Der gute Rector war gern bereit dazu ... Da aber soll der Kronsyndikus, Ihr Vater, dazwischengetreten sein, soll Leo_Perl auf Neuhof entboten und ihn so in die Enge getrieben, ihn so eingeschüchtert haben, dass Perl ins Convict zurückfloh und wirklich Priester wurde ... Gleich nach der Messe im Münster erhielt er durch Ihren Vater eine vortreffliche Pfarre ... Seitdem sah ich ihn nicht wieder ... Er verfiel in Hypochondrie, blieb ein einfacher Landpfarrer und zeitlebens von einem verschlossenen Sinn ... Auch mich überschleicht Trauer und Wehmut, gedenk' ich jener Tage ... Um den Sohn der Fulvia, um Ihren natürlichen Bruder, tragen Sie keine sorge! Er lebt in Verhältnissen, die zur Grausamkeit machen würden, ihn über seine Herkunft aufzuklären. Ohne Zweifel erhielt Pater Maurus Anweisungen aus Rom. Diese werden, denke' ich, nicht weiter gehen, als dass er die Wahrheit erforschen soll. Er hat Ihnen einen Bevollmächtigten der Ansprüche Angiolina's in Aussicht gestellt. Teilen Sie diesem