einen Juden – der – dann ihn selbst getauft hatte ... und in einer Segnung –
Hier verwirrten sich in Bonaventura die Vorstellungen ... Kaum hörte er noch der weitern Vorlesung zu ... Brachen doch alle diese Tatsachen auf ihn wie Blitze herein ... Und dazu dann noch die Nachricht: Lucinde ist dir gefolgt! ... Eine Kunde, die ringsum alles in Nacht verdunkelte ...
Diese Conferenz fand statt in jenem Zimmer, in dem einst Lucinde und Klingsohr sich hatten finden und vereinigen sollen, um den Kronsyndikus zu schützen ... Behagliche Wärme entströmte einem weissen Ofen ... Die Sonne schien hell und mild durch die Fenster ... Still war alles ringsum ... Auf dem Tisch, um den die vier Männer sassen, stand Schreibzeug, lagen Federn und Papierstreifen ... Terschka zerdrückte in seiner Ungeduld eine Federspalte nach der andern und kämpfte mit sich – seine Erinnerungen an das kanonische Recht nicht allzu sehr zu verraten ... Scheu blickte er zu Bonaventura auf, als wollte er sagen: Das weisst du doch, dass das Concilium von Trident zu einer Trauung zwar den Ortspfarrer oder dessen zugestandene Stellvertretung und zwei Zeugen verlangt, dass es aber zum Stellvertreter sogar gestattet, einen noch nicht geweihten Priester zu nehmen? Das weisst du doch, dass das, was an einer Ehe das Sakrament ist, sich durch die Verbundenen selbst vollzieht und nicht im mindesten durch den bei allen andern Sakramenten als die Hauptsache vorwaltenden Priester? Das weisst du doch, dass sogar der Segen und alle Ceremonien bei einer Trauung an sich ganz überflüssig sind, wenn ein sich selbst einander die Ehe gelobendes und vollziehendes Paar nur einer Messe beiwohnt; ja dass auch eine Messe zwar gelästert und verunreinigt werden kann durch Misbrauch, aber dennoch ein Opfer bleibt, das, richtig ausgeführt, sich durch seine eigene Kraft vollzieht? Die von einem Priester im stand der Todsünde gelesene Messe ist wirksam – wie sollte die von einem Juden in Priesterkleidern gesprochene einfache Segnung nicht wirksam gewesen sein bei einem Act, wo die heilige Mystik des Priestertums wegfällt? ... Hier fand eine Trauung ohne Messe statt, in einer Abendstunde, die sonst nicht Sitte, aber wiederum nicht hindernd ist ... Endlich – schliesst denn der Betrug, den man mit dem Pfarrer spielte, das gläubige und von Zeugen vernommene Ja! der Braut und des Bräutigams aus? Das Mysterium der Ehe liegt in denen, die aus sich selbst wie in Adam und Eva durch die Liebe ein Abbild der Menschheit wiedergeben wollen, nicht im ersten Priester des Paradieses, nicht in Gott, der sie zusammentat; die Liebenden opfern durch sich, durch die Ehe Gott ... In der Ehe empfängt Gott oder der Priester; beide g e b e n nichts ...
Das alles sprach Terschka nicht ganz ... So heimisch war er nicht mehr in den Prüfungen, die einst "Pater Stanislaus" zu bestehen hatte ... Aber Bonaventura las es wie Ahnungen aus seinen Augen, er, der seinerseits allerdings so heimisch in diesen Anschauungen war, wie der Onkel Dechant – in den Wandgemälden Pompejis ...
Der im Antlitz wie mit Purpur übergossene Präsident ersuchte den Provinzial weiter zu lesen ...
Dieser tat es – und in der Tat lächelnd:
"Eine Scene war es, die uns sogar selbst mit Schrecken überrieselte ... Die nächtliche Stille in dem mondbeschienenen wald ... Die Klänge der Orgel ... Wir kamen von einem Mahl, das Graf Altenkirchen gegeben hatte ... Die Diener blieben zurück ... Wir erklärten gegen Mitternacht, vom Kapellenturm aus im wald über die Baumkronen hinweg das Spiel der Mondstrahlen beobachten und eine Windharfe hören zu wollen, die über einen Durchhau der Tannen gespannt war ... Bereits war ich selbst voraus und fand Leo_Perl im Ornat, einsam in der Kirche auf- und abgehend und mit sich selbst redend ... Wahrhaft schön sah er aus in seinem langen Kleide; die Stola, reichgestickt, hing über seiner Schulter ... Graf Altenkirchen spielte die Orgel ... Fulvia Maldachini wurde vom Kronsyndikus geführt ... Baron von Liebetreu trug die Schleppe ihres Kleides ... Sie schwebte dahin, wie Juno, als sie Zeus vor allen Olympiern zu seiner Gemahlin erhob ... Bei ihrem Stolz und Glück hatte sie von allem kein Arg ... Die Worte, die der Priester deutlich sprach: 'Willst du diese gegenwärtige Signora Maldachini, Marchesina von Santalto, zu deiner Gattin nach Vorschrift der heiligen Mutter Kirche annehmen?' verstand sie nicht, aber den Gebräuchen passte sie scharf auf ... Der Wechsel der Ringe, alles erfolgte nach Vorschrift ... Perl war so heimisch in dem, was er zu tun hatte, dass wir darüber erstaunten ... Auch nicht eine Eigenheit des Ritus ging verloren ... Wir gingen dann zum Schloss zurück ... Scheu und in der Tat schon erschreckt von unserm Frevel ... Die Windharfe, von goldenen Mondstrahlen beschienen, klagte geheimnissvoll über die Tannen herüber. Noch klang die Orgel hinter uns her; Graf Altenkirchen blieb bis zuletzt, um die Kapelle zu schliessen ... Wir hörten das Rascheln unserer Schritte auf dem grünen Wiesenplan, wo uns die Leuchtkäfer umglühten ... Der Weg war nicht zu nah bis zum schloss ... Glücklicherweise war die Italienerin in einer so überspannten Aufregung